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19.05.2022

10:02

ID Buzz Pressebild VW

ID Buzz

Der ID.Buzz wird im Transporterwerk von Volkswagen in Hannover gebaut.

Elektroautos

Elektro-Bulli ID.Buzz soll bis zu 421 km schaffen

Der ID.Buzz tritt die Nachfolge des legendären Bullis an. Der Elektrobus soll weit mehr bieten als nur Nostalgie. Nun hat Volkswagen auch Preis und Reichweite veröffentlicht.

Düsseldorf Der Verkaufsstart für den neuen vollelektrischen Kleinbus ID.Buzz steht bevor: An diesem Freitag beginnt VW mit dem Vorverkauf in Europa und in Deutschland, im Herbst sollen dann die ersten Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert werden. Für Volkswagen ist der ID.Buzz das wichtigste neue Modell dieses Jahres. Der Wolfsburger Autohersteller hofft darauf, mit dem Kleinbus an frühere Verkaufserfolge wie beim „Bulli“ oder dem „Käfer“ anknüpfen zu können.

ID.Buzz: VW nennt Preis und Reichweite des Elektroautos

„Der ID.Buzz ist das emotionalste unserer Elektroautos“, sagte Ralf Brandstätter, Vorstandschef der Marke Volkswagen, bei der Präsentation im März. Das Fahrzeug sei ein „herausragendes Symbol“ für die gesamte Transformation von Volkswagen, die von der Elektrifizierung und der Digitalisierung der Autos getragen werde. Der „Bulli“ habe in den 50er-Jahren für Unabhängigkeit und große Emotion gestanden. Dieses Lebensgefühl nehme der ID.Buzz jetzt in moderner Form auf.

Der ID.Buzz wird im Transporterwerk von Volkswagen in Hannover gebaut. VW will mit der Serienproduktion vor dem Sommer beginnen. 60.000 bis 70.000 Exemplare sollen dort voraussichtlich jährlich gefertigt werden.

Die Reichweite der 77 Kwh starken Batterie beträgt nach Herstellerangaben bis zu 421 Kilometer.

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    In Deutschland kostet der Kleinbus vor Abzug der staatlichen Förderung 64.881 Euro. Im nächsten Jahr startet auch der Verkauf in Nordamerika. Sollte sich das Fahrzeug ebenfalls in den USA durchsetzen, könnte die VW-Fabrik in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee zur zweiten Produktionsstätte für den Elektrobus werden.

    ID.Buzz soll den Bulli als Elektroauto beerben

    Fast exakt 72 Jahre ist es her, dass VW die ersten Ausgaben des späteren Flower-Power-Autos in Hannover zusammenbaute – jetzt soll der ID.Buzz das Erbe des „Bullis“ in der Elektrowelt fortführen. Für Konzern und Marke steht dabei einiges auf dem Spiel.

    Der E-Bus ist der erste Beitrag der leichten Nutzfahrzeuge (VWN) zur neuen ID-Reihe, und er soll mittelfristig eine Art Serienauftakt bei autonomen Fahrfunktionen machen. Dazu kommen hohe Kundenerwartungen – nicht nur Nostalgiker aus der T1-Epoche dürften genau hinsehen.

    Die Antriebstechnologie auf Basis des Elektro-Baukastens MEB ist schon aus anderen ID-Ablegern bekannt. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der ID.Buzz, weil es auch um eine vertiefte Vernetzung geht. Zur Automesse IAA im September stellte VW eine autonome Prototypen-Version vor.

    Der ID.Buzz Pro kostet 64.581 Euro vor Abzug der staatlichen Förderung. Pressebild VW

    Innenraum

    Der ID.Buzz Pro kostet 64.581 Euro vor Abzug der staatlichen Förderung.

    Tests mit dem US-Partner Argo AI laufen, ehe ab 2025 dann ein Serienbetrieb angepeilt wird. Selbstfahrende Bullis sollen zum Beispiel bei Robotertaxi-Diensten eingesetzt werden. Auch der Shuttle-Service Moia – derzeit besonders auf Hamburg ausgerichtet – wird künftig in das Modell einbezogen. Später sollen private Kunden und Logistiker die Technik ebenso nutzen können.

    Ein Hauptziel: Unfälle verringern und idealerweise verhindern. Über Argo kooperiert VW auch mit dem US-Autoriesen Ford. Gemeinsame Modelle auf der Grundlage der E-Plattformen sind geplant.

    ID.Buzz wichtige Säule im Elektroauto-Geschäft von VW

    Konzernchef Herbert Diess sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir rechnen bis 2030 damit, dass wir Flottenbetriebe sehen werden und auch Privat-Pkw, die streckenweise autonom fahren. Es kann ein bisschen früher sein, es kann ein bisschen später sein.“ Ein für Ende dieses Jahres angestoßenes Projekt zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar mit 35 selbstfahrenden E-Shuttles wurde jedoch vorerst gestoppt.

    Der ID.Buzz soll neben seiner Bestimmung als „wichtige Säule in der Elektro-Offensive“ (Diess) ein Schrittmacher für das autonome Fahren werden. Außerdem will der Konzern mit ihm seine Öko-Anstrengungen ins Schaufenster heben. „Treiber dieser Entwicklung sind nicht nur strengere Emissionsvorgaben, sondern auch das wachsende Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit“, hieß es vor der Vorstellung allgemein.

    Der Laderaum bietet bei Bedarf reichlich Platz. Pressebild VW

    Flexibel nutzbar

    Der Laderaum bietet bei Bedarf reichlich Platz.

    Das kommt – abgesehen vom rein batterieelektrischen Antrieb – in der Nutzung recycelter Materialien etwa aus Plastikflaschen zum Tragen. Die CO2-Bilanz lasse sich so um mehr als 30 Prozent verbessern. VWN verzichtet im ID.Buzz zudem auf Tierstoffe wie Leder. Stattdessen kommen für Sitzbezüge und Innenausstattung Kunststoffe zum Einsatz.

    Nach dem Beschluss des „Green Deals“ der EU passte der Konzern seine Klimaziele an. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts soll bei der Kernmarke VW Pkw beispielsweise der durchschnittliche CO2-Ausstoß in Europa um 40 Prozent abnehmen. Der Gesamtkonzern strebt bis 2030 – ebenfalls bezogen auf das Basisjahr 2018 – eine Senkung um 30 Prozent an. Umweltschützer kritisieren allerdings, dass Volkswagen keine fest definierten Daten zum Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor nennt, so wie manche andere Hersteller und Länder dies formuliert haben.

    Lieferwagen-Version des ID.Buzz

    Konkurrenz zum klassischen T-Transporter. Pressebild VW

    Lieferwagen-Version des ID.Buzz

    Konkurrenz zum klassischen T-Transporter.

    Auch eine Lieferwagen-Version des ID.Buzz bietet VWN an. Dies könnte zum einen hausinterne Konkurrenz zum klassischen T-Transporter schaffen. Andererseits spielte bereits der alte Bulli als Handwerkerfahrzeug eine wichtige Rolle dabei, das Auto zum Brot-und-Butter-Modell für die Hannoveraner zu machen – für manch einen vergleichbar mit dem Käfer oder dem Golf der Kernmarke. Der ID.Buzz Cargo kostet ab 54.430 Euro.

    Der Markt ist umkämpft, vor allem Franzosen und Japaner mischen mit ihren Kastenwagen im weltweiten Boom der Paket- und Lieferdienste kräftig mit. Entsprechend will VWN wohl auch die Geschäftskunden mit einem Interieur ködern, „das Stilelemente aus der T1-Generation aufnimmt und in die heutige Ära der Elektromobilität transferiert“.

    Die Investitionen von Europas größter Autogruppe über die kommenden fünf Jahre sind beträchtlich. Allein in die Themen Elektrifizierung und Digitalisierung fließt konzernweit eine hohe zweistellige Milliardensumme. In Hannover sollen außer den neuen VWN-Fahrzeugen bald verschiedene Varianten eines Oberklasse-SUV mit eigener Software hinzukommen - ein Gemeinschaftsvorhaben von Audi, Porsche und Bentley, das speziell dem US-Rivalen Tesla Marktanteile abjagen soll.

    Euro-Paletten finden auch quer Platz im Fahrzeug. Pressebild VW

    Innenraum der Transporter-Version

    Euro-Paletten finden auch quer Platz im Fahrzeug.

    Modelle wie der ID.Buzz verändern auch die Produktion und Arbeitswelt der Beschäftigten: Der VWN-Stammsitz Hannover wird, wie Zwickau und Emden sowie Teile des US-Werks Chattanooga und Fabriken in China, komplett auf die Fertigung von E-Autos umgestellt. „Es ist ein Riesensprung für die Kollegen, aber eben auch ein Rationalisierungsschub, der bisher seinesgleichen sucht“, sagte Produktionsvorstand Josef Baumert im Herbst.

    Die neue Autowelt zeigt sich nicht zuletzt in den Qualifikationsprofilen für die Belegschaft. Es geht längst nicht mehr nur um das Zusammenbauen von Hardware - gefragt sind vor allem Datenanalyse, Software und höhere Mechatronik.

    Dieser Artikel erschien zuerst am 09.03.2022 um 20:24 Uhr und wurde am 19.05.2022 zuletzt aktualisiert.

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