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26.08.2022

04:00

Elektromobilität

„Konduktives Laden“: Easelink will das Ladekabel für Elektroautos überflüssig machen

Von: Axel Höpner, Martin-W. Buchenau

Mit Audi und Schaeffler arbeitet das Start-up Easelink an Alternativen zum Ladekabel. Pilotprojekte laufen. Doch es wird nicht einfach, weltweite Standards zu etablieren.

Ist das Elektroauto nicht angeschlossen, verschwindet der Ladeanschluss des Start-ups einfach im Boden. Easelink

Ladepad von Easelink

Ist das Elektroauto nicht angeschlossen, verschwindet der Ladeanschluss des Start-ups einfach im Boden.

München Laden ohne Kabel ist eine Idee, die fast so alt ist wie das Elektroauto. So entwickeln Anbieter seit etlichen Jahren induktive Systeme, durchgesetzt haben sie sich aber noch nicht. „Induktives Laden ist zu teuer und zu ineffizient“, ist Easelink-Gründer Hermann Stockinger überzeugt.

Das österreichische Start-up setzt daher auf das sogenannte konduktive Laden. Wenn das Fahrzeug über einer Easelink-Ladeplatte parkt, senkt sich automatisch eine Art Laderüssel vom Unterboden des Fahrzeugs ab und stellt einen direkten Kontakt zur Ladematrix her. Ein intelligentes Lademanagementsystem steuert dann den gesamten Ladeprozess.

Damit sich die Idee durchsetzen kann, setzt Easelink auf prominente Partner: Das Start-up kooperiert mit Audi und Schaeffler. Die VW-Premiumtochter sei „ein Innovationsführer“ in diesem Bereich, sagt Stockinger. „Und wir verfolgen natürlich das Ziel, möglichst bald gemeinsam in die Serienproduktion zu gehen.“ Audi arbeite daran, den Kunden schon bald automatisiertes, konduktives Laden anbieten zu können, heißt es aus Branchenkreisen.

Stockinger lobt auch die Kooperation mit dem Autozulieferer Schaeffler, der dem Start-up dabei helfe, neue Partner in der Industrie für die Idee zu gewinnen: „Zusammen mit Schaeffler führen wir auch bereits seit Längerem sehr konkrete Gespräche mit den großen Automobilherstellern.“

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    Bei Schaeffler heißt es: „Wichtige Voraussetzung für die Alltagstauglichkeit von E-Autos sind komfortable Ladesysteme.“ Daher beobachte man den Markt genau – und damit auch das innovative konduktive Ladesystem von Easelink. Auch unter den Investoren von Easelink gibt es mit EnBW New Ventures einen prominenten Namen.

    Die Zukunft des Ladens werde automatisiert sein, sagte Stockinger. „Die Idee war, technisch und wirtschaftlich die optimale Lösung zu finden.“ Preislich liege das Matrix-Ladesystem für die eigene Garage mit der Funktion im Fahrzeug und dem Ladepad am Parkplatz mit etwa 2000 Euro im Bereich einer hochwertigen Wallbox, die man dann nicht mehr brauche. Im öffentlichen Raum seien die Ladepads am Parkplatz günstiger als herkömmliche Ladesäulen – und es gebe keine herumhängenden Kabel und im Weg stehenden Säulen mehr.

    In den nächsten beiden Jahren soll die Technologie in Wien und Graz im Rahmen des Projekts „eTaxi Austria“ getestet werden. Dazu werden in Wien mehr als 50 Taxis ausgerüstet und an den Standplätzen beim Warten auf die Kundschaft automatisch geladen.

    Namhafte Investoren

    Der Anspruch von Easelink ist hoch: Man wolle „den neuen Standard für die Verbindung von Elektroautos mit dem Stromnetz“ setzen. In der Branche gibt es da auch skeptische Stimmen, die infrage stellen, ob es einem Start-up gelingen kann, weltweite Standards zu setzen. Constantin Schwab, Gründer des Ladesäulenspezialisten Wirelane, gibt dem Ansatz wenig Chancen auf dem Markt. Die Lösung besteche technologisch auf den ersten Blick. Doch die Hürden für einen neuen Industriestandard seien hoch. Schon beim Thema Ladeanschluss dauerte es lange, bis sich die großen, konkurrierenden Hersteller auf einen gemeinsamen Stecker einigen konnten. Zudem schlössen sich Industriestandards und Patente aus.

    Immerhin konnte Easelink zuletzt den erfahrenen Investor SET überzeugen, der seit der letzten Finanzierungsrunde am Unternehmen beteiligt ist. Mit der Ladeplattform Greenflux ist den Niederländern schon ein Exit im Bereich der Ladesäuleninfrastruktur gelungen.

    Mit seinem Start-up will der Gründer einen neuen Standard der Industrie schaffen. Easelink

    Easelink-Gründer Hermann Stockinger

    Mit seinem Start-up will der Gründer einen neuen Standard der Industrie schaffen.

    Easelink-Chef Stockinger will das konduktive Laden mit einem klaren Plan langsam etablieren. Es müssten ja nicht von Beginn an Supermarktparkplätze oder normale Tankstellen damit ausgerüstet werden. „Im ersten Schritt ist unser System eine perfekte Lösung für daheim im Premiumbereich.“ Als Zubehör könne der Kunde die Ausrüstung beim Neuwagenkauf dazubuchen. Die heimische Garage sei dann aufgeräumt, für den Anschluss reiche eine Starkstromsteckdose.

    Das Fahrzeug sei dann immer verbunden, wenn es in der Garage stehe. So könne es auch besser zur Optimierung des heimischen Energiesystems genutzt werden, zum Beispiel in Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach.

    Etliche Initiativen für induktives Laden

    Die Suche nach perfekten Ladelösungen wird derzeit auf vielen Ebenen vorangetrieben, weil der Aufbau der Infrastruktur bislang nur langsam vorankommt. Einen weiteren Rückschlag gab es zuletzt, als bekannt wurde, dass das geplante „Deutschlandnetz“ aus 1100 Schnellladeparks gegen europäisches Recht verstoßen könnte. Mit einem Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro ist es eines der größten Infrastrukturprojekte Deutschlands.

    Schnelllademöglichkeiten vor allem entlang der Autobahnen sind das eine Thema, die Suche nach den optimalen Lademöglichkeiten in Städten und Privatgaragen ist ein anderes. Derzeit nehmen viele Unternehmen vor allem Anläufe in Richtung induktives Laden. Auch hier wird eine aufwendige Infrastruktur benötigt. Zudem ist der Wirkungsgrad in der Regel geringer, und das Laden dauert länger als mit Kabel.

    Taxis, die auf neue Kunden warten, sollen künftig einfach über Ladepads im Boden geladen werden können. Easelink

    Laden beim Parken

    Taxis, die auf neue Kunden warten, sollen künftig einfach über Ladepads im Boden geladen werden können.

    Dennoch gibt es viele Initiativen in der Industrie, die nach einer Alternative zum Kabel suchen: So ist Siemens kürzlich beim US-Start-up Witricity eingestiegen. Gemeinsam wollen die Unternehmen globale Standards für das induktive Laden vorantreiben. „Das kabellose Laden ermöglicht es dem Fahrer, einfach zu parken, wegzugehen und zu einem aufgeladenen Fahrzeug zurückzukehren“, sagte Witricity-CEO Alex Gruzen.

    Die Firma Magment entwickelt magnetischen Beton, der induktives Laden ermöglicht. Das israelische Start-up Electreon wiederum setzt Induktionsspulen in den Straßenbelag ein.

    Andere Start-ups wie zum Beispiel Prodrive Technologies aus den Niederlanden arbeiten wie Easelink ebenfalls an konduktiven Lösungen. Bei den Niederländern ragt der Ladestecker aus dem Boden.

    Und auch Continental glaubt an konduktive Ladelösungen. Der Autozulieferer entwickelt seit Jahresbeginn gemeinsam mit dem Start-up Volterio einen Laderoboter, der aus zwei Komponenten besteht: einer Einheit am Unterboden des Fahrzeugs sowie einer auf dem Garagenboden platzierten Einheit. Sobald das Auto geparkt ist, verbinden sich beide Komponenten mit einer smarten Automatik über Steckverbindungen. Das Fahrzeug kann dabei bis zu 30 Zentimeter von der optimalen Parkposition entfernt stehen, muss also nicht akkurat abgestellt werden.

    Die Serienfertigung der Conti-Lösung ist in Deutschland geplant und soll 2024 starten. „Unser Laderoboter ist ein echter Evolutionsschritt, um die Elektromobilität komfortabler und alltagstauglicher zu machen“, sagte Christoph Falk-Gierlinger, Geschäftsführer von Continental Engineering Services.

    Welche Anbieter und Lösungen sich am Ende durchsetzen, ist noch offen. Easelink setzt vor allem auf eine Lizenzierung seiner Technologie an große Partner, die das System dann eigenständig vermarkten und vertreiben sollen. Die Technologie wurde von Easelink in 20 Patentfamilien gesichert. Stockinger ist optimistisch: „Mittelfristig streben wir dreistellige Millionenumsätze an.“

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