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09.06.2022

12:00

Elektromobilität

Siemens steigt bei US-Start-up ein – Standards für kabelloses Laden von Elektroautos geplant

Von: Axel Höpner

Der Dax-Konzern investiert durch die Beteiligung an Witricity in induktives Laden. In dem Segment könnte Siemens seine Nische in der E-Mobilität gefunden haben.

Die Simulation zeigt in etwa, wie eine Station aussehen könnte. Siemens

Induktives Laden

Die Simulation zeigt in etwa, wie eine Station aussehen könnte.

München Siemens setzt auf das kabellose Laden von Elektrofahrzeugen. Der Technologiekonzern steigt dazu mit einer Minderheitsbeteiligung bei dem US-Start-up Witricity ein. Die beiden Unternehmen wollen induktive Ladesysteme entwickeln und die Einführung offener Standards weltweit vorantreiben.

„Das kabellose Laden ermöglicht es dem Fahrer, einfach zu parken, wegzugehen und zu einem aufgeladenen Fahrzeug zurückzukehren“, sagte Witricity-CEO Alex Gruzen. Dies mache Elektroautos für Privatpersonen attraktiver und für gewerbliche Betreiber kostengünstiger.

Mit dem Thema induktives Laden beschäftigen sich viele Unternehmen, von Autobauern bis zu Stromversorgern. Gerade für das autonome Fahren könnte es in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen, wenn etwa die Autos am Zielort ohne äußeres Zutun zum Aufladen fahren können.

Allerdings ist der Wirkungsgrad geringer und das Laden dauert meist länger als per Kabel. Laut Siemens können die 11-kW-Ladestationen von Witricity aber genauso schnell laden wie eine vergleichbare kabelgebundene Station.

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    Siemens hatte sich in früheren Jahren selbst schon intensiv mit dem Thema beschäftigt. Beim induktiven Laden wird ein Magnetfeld erzeugt, über das die Batterie mit Strom versorgt werden kann. Die Spule ist an der Unterseite des Autos montiert.

    Inzwischen arbeiten Start-ups sogar an Lösungen, die Batterien während der Fahrt zu laden. Die Firma Magment entwickelt magnetischen Beton, der induktives Laden ermöglicht. Das israelische Start-up Electreon wiederum setzt Induktionsspulen in den Straßenbelag ein.

    Siemens investiert dafür nun 25 Millionen Dollar in die Beteiligung an Witricity. Der Markt werde nach Berechnungen von Siemens allein in Europa und Nordamerika bis 2028 ein Volumen von zwei Milliarden Dollar haben. „Die Kombination der globalen Präsenz von Siemens und unseres Portfolios zum Laden von Elektrofahrzeugen mit der innovativen Technologie von Witricity ist der erste Schritt zur Erweiterung unseres Angebots in den Bereich des kabellosen Ladens“, sagte Markus Mildner, CEO von Siemens eMobility.

    Wachstumsmarkt in der Infrastrukturentwicklung

    Siemens und Witricity wollen sich vor allem für eine stärkere Standardisierung einsetzen. Denn durchsetzen dürfte sich die Technologie nur, wenn die Systeme kompatibel sind.

    In Sachen Elektromobilität hatte Siemens in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht immer einen konsequenten Weg verfolgt. Der Konzern hatte zeitweise in mehreren Ecken des Konzerns Ladetechniken entwickelt und war schließlich kommerziell 2010 gestartet.

    Drei Jahre später stellte Siemens die Aktivitäten ein, um wiederum ein paar Jahre später mit einer neuen Produktpalette an den Markt zurückzukehren. Große Hoffnung machte sich der Konzern zeitweise auch, bei den Elektromotoren für E-Autos eine zentrale Rolle spielen zu können. In diesem Jahr aber kündigte Siemens an, die Anteile an einem Elektromotoren-Gemeinschaftsunternehmen an den französischen Partner Valeo zu verkaufen.

    Siemens baut am Standort Leipzig Ladesysteme für Elektromobilität. An dieser Säule vom Typ „Sicharge D“ können bis zu fünf Fahrzeuge sehr schnell geladen werden. dpa

    Schnellladesäule in Leipzig

    Siemens baut am Standort Leipzig Ladesysteme für Elektromobilität. An dieser Säule vom Typ „Sicharge D“ können bis zu fünf Fahrzeuge sehr schnell geladen werden.

    Doch soll das Thema in den nächsten Jahren eine größere und konsequentere Rolle in der Konzernstrategie spielen. „Elektromobilität ist ein bedeutender Wachstumsmarkt für Smart Infrastructure“, sagte Konzernchef Roland Busch.

    Der Konzern hat inzwischen eine breite Produktpalette aufgebaut. Diese reicht zum Beispiel von Wallboxen für zu Hause über Ladelösungen für Depots elektrischer Busse und Lkws bis hin zu Schnellladesäulen. So ging bei Hannover kürzlich eine Schnellladesäule von Siemens mit 180 Kilowatt Ladeleistung in Betrieb. Erstmals wurde diese mit einem vorgeschalteten Batteriespeicher von Siemens kombiniert.

    Auf diesem Weg soll künftig auch hohe Ladeleistung an Standorten ermöglicht werden, an denen der Stromnetzanschluss nicht für so hohe Leistungen ausgelegt ist. Das sei quasi eine „überdimensionale Powerbank“, sagte Projektleiterin Lea Tesch. Auf der Automesse IAA zeigte Siemens im vergangenen Jahr unter anderem, wie autonome Fahrzeuge von Laderobotern automatisch geladen werden können.

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