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27.01.2022

01:35

Fahrrad-Industrie

„E-Bike-Boom steht erst am Anfang“: Cowboy sammelt weitere 80 Millionen Dollar ein

Von: Axel Höpner

PremiumCowboy gewinnt neue Investoren für seine E-Bikes. Mit Service und einer neuen Niederlassung will das Start-up nun mehr deutsche Kunden gewinnen.

Adrien Roose, Tanguy Goretti und Karim Slaoui wollen mit ihren E-Bikes expandieren.

Expansion mit E-Bike

Adrien Roose, Tanguy Goretti und Karim Slaoui wollen mit ihren E-Bikes expandieren.

München Die Fahrradbranche steht derzeit bei Investoren hoch im Kurs. Davon profitiert jetzt auch der belgische E-Bike-Spezialist Cowboy. Das Start-up sammelte in einer neuen Finanzierungsrunde weitere 80 Millionen Dollar ein. Mitgründer und CEO Adrien Roose ist überzeugt: „Der E-Bike-Boom steht erst am Anfang.“

Cowboy wurde 2017 von Roose, Karim Slaoui und Tanguy Goretti in Belgien gegründet. Das Unternehmen entwickelte als einer der ersten Anbieter chic designte E-Bikes für zahlungskräftige Stadtbewohner. „Die Elektrifizierung ist der große Gamechanger in der Branche“, ist Roose überzeugt. Die stark gestiegene Nachfrage nach E-Bikes sei kein coronabedingtes Strohfeuer. Der Trend habe bereits vor der Pandemie begonnen.

Mit dem E-Bike könnten ganz neue Kundengruppen erschlossen werden, etwa Menschen, die seit der Kindheit nicht mehr geradelt sind. „Die Branche kann so in eine ganz neue Größenordnung wachsen.“

Dazu sollen auch neue Technologien und Dienstleistungen beitragen. Die Cowboy-Kunden können sich über eine App vernetzen. Neuerdings gibt es zudem mit Cowboy Care für 20 Euro im Monat in 22 Städten einen Wartungs- und Reparaturservice für daheim.

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    Die neue Finanzierungsrunde wird von Siam Capital, HCVC und Exor angeführt. Insgesamt sammelte Cowboy damit bislang 120 Millionen Dollar ein. Das Unternehmen hat noch keine Umsatzzahlen veröffentlicht.

    Cowboy-CEO Roose ist überzeugt, dass mit dem Siegeszug der Elektromobilität die Karten in der Branche neu gemischt werden. „Die traditionellen Hersteller haben vor langer Zeit aufgehört zu innovieren.“ Cowboy könne daher eine dominierende Marke in der Branche werden und in einigen Jahren Millionen Fahrräder verkaufen.

    Die Perspektiven sind gut: In Deutschland stieg der Absatz von Fahrrädern mit Elektromotor im ersten Halbjahr nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) nochmals um neun Prozent auf 1,2 Millionen Euro.

    Ohne die Teileknappheit, mit der die gesamte Branche zu kämpfen hat, wäre der Zuwachs noch einmal deutlich stärker ausgefallen. „Auch wir hätten im vergangenen Jahr doppelt so viel Fahrräder verkaufen können“, sagte Roose. Das Management der Lieferketten sei derzeit für alle Anbieter die größte Herausforderung.

    Milliardendeals verändern die Branche

    Die Investoren sind überzeugt, dass die Hersteller die Probleme in den Griff bekommen können, und interessieren sich zunehmend für den Sektor. Zuletzt ging auch der deutsche Onlinehändler Bike24 an die Börse.

    Der niederländische Konzern Pon Holdings übernahm für 700 Millionen Euro die Fahrradtochter des kanadischen Mischkonzerns Dorel Industries. Damit sicherte sich Pon („Gazelle“, „Urban Arrow“) Marken wie Cannondale und Schwinn und verdoppelt den Umsatz im Fahrradgeschäft auf etwa 2,3 Milliarden Euro.

    Vor wenigen Tagen dann kündigte der Finanzinvestor KKR die Übernahme des niederländischen Herstellers Accell Group mit Marken wie „Batavus“ und „Sparta“ an. Die Offerte liegt bei rund 1,6 Milliarden Euro.

    Auch der E-Bike-Hersteller Vanmoof sammelte im vergangenen Herbst 108 Millionen Euro ein. Die Niederländer konkurrieren direkt mit Cowboy und verkaufen ebenfalls Designfahrräder für den urbanen Nutzer. Für das neue Highspeed-E-Bike Vanmoof V liegen bereits 10.000 Reservierungen vor. Das E-Bike, das ein Kennzeichen benötigt, soll bis zu 60 Kilometer pro Stunde erreichen und ist für lange Pendelstrecken optimiert.

    „Eine so hohe Zahl an Reservierungen in so kurzer Zeit zeigt, wie groß das öffentliche Interesse an einem ernst zu nehmenden Autoersatz für den urbanen Raum ist“, sagte Vanmoof-Mitgründer Ties Carlier.

    Das Cowboy Hero1 soll weltweit ein Bestseller werden.

    E-Bike mit Service

    Das Cowboy Hero1 soll weltweit ein Bestseller werden.

    Vanmoof hat bereits in einer Reihe von Großstädten eigene Niederlassungen. Auch Cowboy will hier weiter zulegen. In Berlin soll noch im Februar der erste deutsche Vorzeigeladen eröffnen, im Mai folgt der erste französische in Paris.

    Auch sollen mit dem Erlös aus der Finanzierungsrunde die Design- und Produktionskapazitäten ausgebaut werden. Ziel sei es, mehr als 50 Prozent der Fahrradteile in Europa zu produzieren, sagte Roose. Das sei auch ein Mittel gegen die Lieferschwierigkeiten.

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