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02.02.2022

10:41

Motorsport

Supersprint mit über 1000 PS – Eine Rennfahrt im Porsche Mission R

Quelle:dpa

Elektrischen Rennwagen fehlte bislang häufig die Seele. Der Porsche Mission R soll es besser machen - und beweist seine Qualitäten auf der Rennstrecke.

Noch gibt es den Mission R lediglich als Testwagen für die Rennstrecke. Doch Porsche dürfte die Studie auch als Vorlage für einen elektrischen Straßensportwagen nutzen. dpa

Porsche Mission R

Noch gibt es den Mission R lediglich als Testwagen für die Rennstrecke. Doch Porsche dürfte die Studie auch als Vorlage für einen elektrischen Straßensportwagen nutzen.

Stuttgart Schon mit dem Taycan hat Porsche eines der besten Elektroautos am Markt gebaut, und jetzt wollen die Schwaben mit dem Mission R zeigen, wie man nach einer sportlichen Limousine auch einen echten Sportwagen elektrifizieren kann.

Der Flachmann mit dem fortgeschriebenen Elfer-Design und dem Format eines Cayman ist bisher nur eine Studie. Und wenn die in drei, vier Jahren tatsächlich in Serie geht, dann erst einmal nur als Kundensport-Rennwagen für den eigenen Markenpokal.

Doch weil bei keinem anderen Hersteller Sport und Serie so nahe beieinanderliegen wie bei Porsche, taugt das Auto auch als Blaupause für einen elektrischen Straßensportwagen. Daher belässt es Porsche nicht bei einem Messe-Schaustück, sondern hat von Hand einen Prototypen aufgebaut, der erstaunlich funktionsfähig ist - und das bei einer ersten Ausfahrt bereitwillig unter Beweis stellt.

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    Also schnell die Hochvolt-Schulung abhaken und sich in den schraubstockgleichen Fahrersessel schnallen lassen. Dann kommt über Funk die Freigabe, man legt ein paar Schalter um, und erlebt da schon die erste Überraschung: Während andere E-Autos beim Anlassen allenfalls surren wie ein Computer beim Booten, pfeifen und heulen hier die Lüfter so laut, dass man schon im Stand kaum mehr sein eigenes Wort versteht.

    Je ein Motor pro Achse, vorn mit bis zu 320 kW/453 PS und hinten 480 kW/653 PS, katapultieren den Fahrer mit einer Vehemenz und einem von Elektroautos völlig ungewohnten Lärm in die Rennwelt von morgen, dass es fast schon schmerzhaft ist: Nur 2,8 Sekunden dauert der Sprint von 0 auf 100 km/h. Und wenn nicht gleich schon wieder die nächste Kurve käme auf der verwinkelten Teststrecke und die Porsche-Truppe nicht so viel Angst hätte um ihren Prototypen, wären sicher mehr als 300 km/h drin.

    Rausch des Rasens

    Aber selbst, wenn hier und heute nicht viel mehr als 100 Sachen drin sind, fühlt sich der Mission R lebendiger und engagierter an als jeder Elfer - und authentischer. Denn während der Elfer mit all seinen Assistenzsystemen mittlerweile narrensicher ist, fühlt sich ausgerechnet der erste elektrische Rennwagen von Porsche wunderbar analog an. ESP, Servolenkung oder gar Torque Vectoring sucht man vergebens.

    Stattdessen hat der Fahrer sein Schicksal wieder selbst in der Hand bzw. im Fuß. Sogar beim Bremsen. Anders als andere Elektroautos, wo man nur den Fuß lupfen muss, verzögert der Mission R erst, wenn man auch wirklich in die Eisen tritt. Dafür dann aber mit einer Macht, dass einem erneut der Atem stockt.

    Während die Reifen förmlich auf dem glatten Asphalt kleben und der Porsche mit seinen gerade mal 1500 Kilo perfekt die Balance hält, werden die Sprints auf den wenigen Geraden deshalb mit jeder Runde engagierter, die Bremspunkte verschieben sich nach hinten und der Abstand zu den Scheitelpunkten schrumpft Runde um Runde.

    Auch innen ist der Mission R für Rennfahrten ausgelegt. Das Lenkrad erinnert an einen Gaming-Controller. dpa

    Pures Renngefühl

    Auch innen ist der Mission R für Rennfahrten ausgelegt. Das Lenkrad erinnert an einen Gaming-Controller.

    Ein elektrischer Sportwagen, der sich noch anfühlt wie in alten Zeiten: ESP, Servolenkung oder gar Torque Vectoring sucht man im Porsche Mission R vergebens. dpa

    Wie in alten Zeiten

    Ein elektrischer Sportwagen, der sich noch anfühlt wie in alten Zeiten: ESP, Servolenkung oder gar Torque Vectoring sucht man im Porsche Mission R vergebens.

    Schnell und immer schneller surrt der Sportler über den Kurs, duckt sich mit seiner ausgefeilten Aerodynamik tief unter dem Wind hindurch und nimmt die verzwickten Schikanen wie in Trance - so muss er sein, der Rausch des Rasens. Und bleibt diesmal (fast) ganz ohne Klima-Kater.

    Fast dankbar schaut der Fahrer dabei auf den sinkenden Akkustand. Denn viel mehr als eine halbe Stunde geben die zusammen 80 kWh großen Zellen, die wie früher der Motor in Mittellage hinter den Sitzen montiert sind, nicht her. Im Alltag natürlich absolut unzureichend, freut man sich hier förmlich über die bescheidene Reichweite. Schließlich zwingt sie zu einer wohlverdienten Pause, wenn der Sportler an den Stecker muss - selbst wenn es nur für 15 Minuten ist.

    Er ist zwar nur ein Einzelstück und obendrein alles andere als alltagstauglich. Aber er hat trotzdem seine Berechtigung. Bislang zwar meistens schnell und scharf, aber immer steril, bekommt der elektrische Sportwagen mit dem Mission R endlich eine Seele und damit eine Eigenschaft, die auch in Zukunft gefragt sein dürfte.

    Von

    dpa

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