Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

21.07.2022

04:00

Quartalszahlen für Q2

Tesla steigert mit höheren Preisen Gewinn - Grünheide produziert 1000 Autos pro Woche

Von: Felix Holtermann

PremiumTesla hat die Preise für seine Elektroautos in diesem Jahr mehrmals erhöht. Das treibt das Quartalsergebnis. Analysten loben die Zahlen – fürchten aber neue Kapriolen von Chef Elon Musk.

Tesla präsentiert Quartalszahlen für Q2 Reuters

Tesla

Der Hersteller von Elektroautos konnte insgesamt gute Zahlen präsentieren.

New York Ohne Elon Musk geht es nicht: Bereits zum dritten Mal hat der Tesla-Chef in diesem Jahr durch die Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen geführt – und das, obwohl er das eigentlich künftig seinem Finanzvorstand überlassen wollte. Offenbar gab es aus seiner Sicht zu viele gute Nachrichten.

„Wir haben Produktionsrekorde in Fremont und Schanghai aufgestellt. Das zweite Halbjahr könnte weitere Rekorde bringen“, sagte Musk am Mittwochabend. Und das trotz vieler Probleme: „Wir haben einige Jahre in der Lieferketten-Hölle hinter uns.“

Tatsächlich hat der Elektroautobauer Tesla auch dank Preisanhebungen seinen Gewinn gesteigert. Im abgelaufenen Quartal standen unter dem Strich 2,3 Milliarden Dollar, verglichen mit 1,1 Milliarden vor Jahresfrist, teilte der Konzern am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit. Nur im ersten Quartal 2022 hatte der Gewinn noch höher gelegen. Auch Analysten hatten zuvor gute Zahlen für das zweite Quartal 2022 erwartet.

Tesla hat die Preise für seine Fahrzeuge in diesem Jahr mehrmals angehoben. Damit sollten unter anderem höhere Kosten für Lithium, das in den Batterien verwendet wird, und für Aluminium ausgeglichen werden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Umsatz sank im zweiten Quartal von 18,7 auf 16,9 Milliarden Dollar und lag damit unter den Erwartungen von Analysten. Damit endete eine Serie von Rekordumsätzen, da Tesla sein Werk in Schanghai wegen eines Covid-Lockdowns vorübergehend schließen musste. Laut Finanzvorstand Zach Kirkhorn drückte das die Bruttomarge.

    Tesla: Börse reagiert positiv auf starke Gewinne im 2. Quartal 2022

    Zudem gab es Produktionsprobleme in neuen Werken. Die Produktion in Grünheide bei Berlin und in Texas fährt erst langsam hoch. In Berlin konnte zumindest ein „wichtiger Meilenstein“ erreicht werden, wie Musk erklärte: „Wir haben im Juni 1000 Autos pro Woche produziert.“ Die neue Fabrik in Texas werde diese Marke „erst in einigen Monaten“ erreichen.

    An der Börse kamen die starken Gewinne gut an. Die Tesla-Aktie legte nachbörslich rund vier Prozent zu, nachdem sie seit Jahresbeginn rund 38 Prozent verloren hatte.

    Das Ergebnis sei besser ausgefallen als von Tesla erwartet, erklärte Wedbush-Analyst Dan Ives dem Handelsblatt. „Die Wiederholung des 50-prozentigen Gewinnwachstums wird künftig ein Hauptaugenmerk für bullishe Investoren sein.“ Zwar habe der Autobauer noch viele Hausaufgaben zu erledigen. „Aber insgesamt hat Tesla im zweiten Quartal die Probleme bei den Margen und der Lieferkette besser gemeistert, als viele Börsianer befürchtet hatten.“

    Positiv sei auch, dass Tesla seinen Ausflug in die Kryptowelt abgeschrieben habe, so Ives. „Das beendet ein dunkles Kapitel für Tesla.“ Der Konzern erklärte am Mittwochabend, zum Ende des zweiten Quartals „etwa 75 Prozent unserer Bitcoin-Käufe in die Fiat-Währung umgetauscht“ zu haben.

    Trotz Probleme um Gigafactory Grünheide: Verkaufszahlen bei Tesla steigen

    Autoexpertin Alyssa Altman vom Beratungshaus Publicis Sapient erklärte: „Tesla hatte kein einfaches Quartal mit der Schließung in Schanghai, die die Produktion in der Gigafactory beeinträchtigte, den Herausforderungen des Bitcoin-Marktes und den Auswirkungen der Chipkrise und der Lieferkettenprobleme auf die gesamte Automobilindustrie.“

    Musk hatte in einem im Mai geführten Interview erklärt, die neuen Fabriken in Grünheide bei Berlin und Texas würden derzeit „Milliarden“ verlieren. Grund seien ein Mangel an Batterien und Lieferkettenprobleme wegen der Lage in den chinesischen Häfen.

    Die vergangenen zwei Jahre seien ein „absoluter Albtraum“ gewesen wegen Unterbrechungen der Lieferketten und immer neuen Problemen. „Und wir sind noch nicht damit durch.“ Die größte Sorge für Tesla sei die Frage, wie die Fabriken am Laufen gehalten werden könnten, um die Mitarbeiter bezahlen zu können und nicht pleitezugehen, so Musk damals. Am Mittwochabend begründete er auch den Bitcoin-Umtausch mit der Stärkung der Liquidität.

    An den Märkten werde aber vor allem die Zukunft bewertet, so Altman. „Die Verkäufe von Elektroautos in Australien nehmen zu, Tesla arbeitet weiter an seinem Autopiloten und Panasonic setzt auf den Bau einer vier Milliarden Dollar teuren Batteriefabrik in Kansas.“

    Positiv käme der voraussichtliche Wegfall des Twitter-Abenteuers hinzu, weswegen sich Musk nun wieder stärker auf Tesla konzentrieren könnte. Der Autobauer sei langfristig ausgerichtet und „auch in schwierigen Zeiten erfolgreich“, so ihre Einschätzung.

    Marke Tesla wegen Elon Musk unter Druck

    Doch nicht alle Marktbeobachter blicken so rosig in die Zukunft. Für Mario Natarelli, Partner bei der Markenberatung MBLM in New York und langjähriger Musk-Beobachter, haben sowohl Twitter als auch Tesla Schaden genommen durch die Kapriolen rund um die von Musk erst angekündigte und dann wieder abgeblasene Übernahme des Kurzmitteilungsdiensts.

    Tesla sei vor allem aus einem Grund beschädigt: „Die Frage ist, ob man Musk von Tesla trennen kann. Ich glaube nicht. Der Mann und das Auto sind miteinander verflochten.“ Musk habe in drei futuristischen Branchen – Payment, Raumfahrt und E-Mobilität – die Menschheit aufgerüttelt und Erfolg gehabt. „Das ist wirklich beeindruckend und erstaunlich“, sagte Natarelli dem Handelsblatt.

    „Aber es hat sich etwas verändert. Der Herausforderer, der Underdog ist zu einer Art Hausherr geworden. Er ist jetzt der reichste Mensch der Welt. Und wenn er sich weiter so provokant und exzentrisch verhält wie früher, fühlt sich das nicht mehr sympathisch an, sondern bedrohlich.“ Und das wirke zunehmend auch auf Tesla zurück.

    Mit neuen Vorstößen und Übernahmeideen Musks sei zu rechnen, so Natarelli. Aufgrund des erschütterten Marktvertrauens in seine Verlässlichkeit würden diese jedoch teurer und schwieriger zu realisieren sein.

    Mit Material von Reuters.

    Erstpublikation: 20.07.22, 22:46 Uhr (zuletzt aktualisiert: 21.07.22, 04:00 Uhr).

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×