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06.10.2021

00:01

Sharing

Israelis kaufen Emmy-Roller und wollen Carsharing-Flotte starten

Von: Christoph Kapalschinski

PremiumBerlin, Hamburg und München bekommen noch mehr Carsharing-Autos. Kern wird die Motorrollerflotte von Emmy.

Die Motorroller werden unter der Marke Go To Teil einer vielfältigen Flotte. imago images / snapshot

Emmy-Roller in Berlin

Die Motorroller werden unter der Marke Go To Teil einer vielfältigen Flotte.

Hamburg Das Feld der Sharing-Anbieter in den deutschen Großstädten wächst weiter: Der Anbieter Go To Global drängt auf den deutschen Markt. Dafür kaufen die Israelis den Berliner Motorroller-Sharer Emmy. Er soll Kern einer Flotte aus Autos, Mopeds sowie E-Rollern oder E-Fahrrädern werden. Das sagte Go-To-Global-Chef Gil Laser dem Handelsblatt.

Emmy startete bereits 2015 mit roten E-Vespas in Deutschland – also deutlich vor den Anbietern der leichteren E-Roller. Allerdings gibt es das Emmy-Angebot nur noch in Berlin, Hamburg und München. Zuletzt sammelte Emmy Ende 2020 in einer Finanzierungsrunde unter anderem beim Münchener Impact-Investor Bonventure einen „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ ein, teils als Kredit für neue Mopeds. Zugleich ließ Emmy Kooperationen etwa mit den Stadtwerken Düsseldorf auslaufen.

Nun verkaufen die Investoren, darunter auch der Berliner Förderer IBB und Business Angels, das Unternehmen an Go To Global. Den Preis nennen die Partner nicht. „Der Verkauf stützt unsere Vision, das eigene Auto überflüssig zu machen“, begründete Emmy-Mitgründer Valerian Seither den Schritt.

Der 35-Jährige soll an Bord bleiben und den Umbau auf das Go-To-Modell in den drei Emmy-Städten umsetzen. Der Anbieter Go To mit 200 Mitarbeitern und 5000 Fahrzeugen ist bislang in Israel, Madrid und Malta aktiv.

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    Für den Käufer seien vor allem die 300.000 Bestandskunden von Emmy interessant, sagte Laser. Sie sollen ab Mitte kommenden Jahres auch Autos leihen können – entweder minutenweise wie bei Share Now, We Share und Miles oder auf Vorbestellung. Dazu soll eine Mikromobility-Lösung wie E-Roller oder E-Räder kommen. Laser will auch Unternehmenskunden ansprechen.

    Harte Konkurrenz

    Go To wagt sich damit in einen umkämpften Markt. Share Now bereitet seinen Investoren Daimler und BMW anhaltende Verluste, auch VW verzeichnet mit We Share in Berlin und Hamburg Anlaufverluste. Der unabhängige Anbieter Miles meldete vergangenes Jahr stolz einen profitablen Monat. Miles kam 2020 auf etwa 20 Millionen Euro Umsatz. Auch Emmy verdient mit seinen 3000 Mopeds und 120 Mitarbeitern noch kein Geld und litt wie die anderen Anbieter unter den Coronamaßnahmen. Laut Bundesanzeiger fiel schon zuvor, nämlich 2019, bei dem Emmy-Betreiber Electric Mobility Concepts knapp 9,5 Millionen Euro Verlust an.

    Go-To-Chef Laser sagte, er wolle sich durch ein „besseres Produkt“ von der Konkurrenz absetzen. Durch die Kombination verschiedener Fahrzeuge vom Kleinbus bis zum Roller verspricht sich der 44-Jährige tieferes Wissen über die Kundenbedürfnisse und die Möglichkeit, ein eigenes Ökosystem aufzubauen. Möglich seien etwa Gutscheine quer über die Fahrzeugtypen. Zugleich werde die Marke Go To für die Nutzer in der Stadt durch die vielfältigen Fahrzeugtypen sichtbarer sein als die Konkurrenz.

    Allerdings trifft Go To auf ähnliche Konzepte: Free Now, die frühere Mytaxi-App, versammelt inzwischen die Angebote verschiedener Anbieter wie Sixt Share und Tier in seiner App. Bislang ist auch Emmy dabei, könnte sich unter der neuen Marke aber bald zurückziehen. Auch die regionalen Verkehrsverbünde haben eigene Apps, die für Partner offen sind. Der Hamburger Verbund HVV integriert etwa in dieser Woche nach Sixt und dem VW-Shuttle Moia auch Tier-Roller und Miles-Autos in seine App „HVV Switch“. Die Berliner App „BVG Jelbi“ vereint noch mehr Partner.

    Für die Expansion nach Deutschland wirbt Go-To-Chef Laser derzeit frisches Geld bei Investoren ein – zusätzlich zu den bisher eingesammelten 23 Millionen Dollar Risikokapital. Wie groß diese dritte Wachstumsrunde (Series C) werden soll, ließ Laser offen. Das deutsche Team um Seither und Emmy-Co-Chef Alexander Meiritz soll anschließend auch die Expansion in die Niederlande leiten. Zudem will Laser nach Italien und Portugal gehen.

    Ziel sei, Marktführer bei multimodalen Sharing-Angeboten in Europa zu werden, sagte Laser. Dafür seien weitere Zukäufe nicht ausgeschlossen. Der Umsatz soll sich 2022 auf 50 Millionen Dollar verdoppeln. 2023 sollen es nach seinen Vorstellungen 100 Millionen Dollar sein.

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