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21.09.2022

11:10

Nutzfahrzeug-Messe

Vom Wasserstoff-Transporter bis zum Luxus-Lkw – die wichtigsten Neuheiten der IAA Transportation 2022

Von: Holger Holzer
Quelle:Spotpress

Die IAA in Hannover zeigt, welche Neuheiten die Nutzfahrzeugbranche erwartet. Dieses Jahr stehen vor allem Batterien und die Brennstoffzelle im Mittelpunkt.

Schaeffler auf der IAA  - Wasserstoff im Fokus   Schaeffler

Schaeffler auf der IAA

Der Autozulieferer zeigt einen Wasserstoff-Transporter.

Hannover Normalerweise ist die IAA Transportation in Hannover so etwas wie der biedere Bruder der großen IAA in München. Statt Sportwagen und SUVs werden hier die neusten Trends der Nutzfahrzeug-Welt präsentiert. Doch in diesem Jahr ist die Messe besonders spannend: Denn auch die kostenbewusste Logistikbranche steht vor dem Umbruch.

Wo heute noch der Diesel dominiert, soll in wenigen Jahren der Elektroantrieb Einzug halten. Am Dienstag wird die Messe offiziell eröffnet. 1400 Aussteller aus 42 Ländern werden erwartet. Die Zahl der Neuheiten ist groß – vom Wasserstoff-Transporter bis zum Luxus-Lkw.

Zulieferer Schaeffler zeigt in Hannover die Studie eines Brennstoffzellen-Transporters. Elektrische Achse, Brennstoffzellen-Stack und Energiemanagement des Fahrzeugs stammen dabei aus eigener Entwicklung. Als Basis dient ein VW Crafter.  

Die Franken sehen vor allem auf der elektrisch gefahrenen Langstrecke eine Chance für die Wasserstoff-Technik. Gemeinsam mit der Michelin-Tochter Symbio will das Unternehmen ab 2024 in großer Stückzahl Biopolarplatten für Brennstoffzellen herstellen.

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    Darüber hinaus arbeitet Schaeffler auch an der direkten Nutzung von Wasserstoff in umgerüsteten Verbrennungsmotoren, entwickelt dafür unter anderem variable Ventiltriebsysteme.

    Bosch setzt ebenfalls auf die Brennstoffzelle

    Auch Konkurrent Bosch setzt auf Wasserstoff: Der Zulieferer will zwei straßenzugelassene Kleintransporter mit Brennstoffzellenantrieb vorstellen. Über die Basis der neuen Testträger, laut Pressetext wurden „frei am Markt erhältliche“ E-Transporter verwendet, schweigt sich Bosch aus. Die Fahrzeuge ohne Markenlogo weisen allerdings deutliche Ähnlichkeiten mit VWs e-Crafter auf.

    In Zusammenarbeit mit der Abt eLine GmbH wurden die Elektro-Transporter auf eine Stromversorgung per Brennstoffzelle umgerüstet. Die ursprünglich eingebauten Akkus samt Peripherie hat Bosch entsprechend gegen Brennstoffzelle, Wasserstofftanks und eine kleinere Lithium-Ionen-Batterie getauscht.

    Bosch stellt Brennstoffzellen-Transporter vor - Große Reichweite, kurze Tankzeiten Bosch

    Bosch stellt Brennstoffzellen-Transporter vor

    Auch Bosch verspricht Käufern große Reichweiten bei kurzen Tankzeiten.

    Das Brennstoffzellen-System besteht fast durchgängig aus Komponenten des Zulieferers. Bosch hat außerdem die entsprechende Ansteuerung entwickelt. Darüber hinaus wurden von Abt eLine Kühlung, Fahrzeugsteuerung und das elektrische Bordnetz auf die neue Technik angepasst. Die insgesamt fünf in den Fahrzeugboden integrierten Tanks können bis zu zehn Kilogramm Wasserstoff aufnehmen. Als Reichweite werden bis zu 540 Kilometer genannt, das Betanken mit Wasserstoff soll sechs Minuten dauern.

    Mercedes zeigt Elektro- und Luxustruck

    Doch auch viele batterieelektrische Neuheiten werden auf der IAA Transportation erwartet. Mercedes zeigt in Hannover den eActros Long Haul, einen batteriebetriebenen Fernverkehrs-Lkw, der 2024 auf die Straßen rollen soll. Den Antrieb übernehmen zwei E-Motoren mit einer Dauerleistung von gemeinsam 400 kW/544 PS, kurzzeitig sind 600 kW/816 PS möglich. Ihre Energie beziehen sie aus drei Akku-Packs mit insgesamt 600 kWh Kapazität, die Reichweite ist mit 500 Kilometern angegeben.

    Mercedes eActros Long Haul   - Elektrischer Langstrecken-Truck feiert Premiere   Daimler Truck

    Mercedes eActros Long Haul

    Der elektrische Langstrecken-Truck feiert Premiere.

    Für die Lithium-Ionen-Akkus nutzt Mercedes Batteriezellen mit Lithium-Eisenphosphat-Zelltechnologie (LFP), die eine besonders hohe Lebensdauer und mehr nutzbare Energie aufweisen. Die Akkus lassen sich an einer Megawatt-Ladesäule kaut Hersteller in deutlich unter 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufladen.

    Für Lkw-Fahrer, die Wert auf gestiegenen Komfort legen, zeigt Mercedes ein Sondermodell des schweren Lkws Actros L auf. In der „Edition 3“ sind unter anderem Armaturenbrett und Türgriffe in Nappaleder ausgeführt, im Cockpit finden sich Carbon-Zierteile und die Dachluke verfügt über eine Ambiente-Beleuchtung. Dazu gibt es eine in mandelbeigem Leder bezogene Sitzecke.

    Mercedes will den Komfort der Pkws auch in den Lkw bringen.

    Feinstes Leder, viel Komfort

    Mercedes will den Komfort der Pkws auch in den Lkw bringen.

    Außen gibt sich die auf 400 Exemplare limitierte Spezialausführung unter anderem durch Beklebungen an den Seitenwänden, LED-Zusatzscheinwerfern in der Sonnenblende und Edelstahl-Einstiegsstufen. Das Markenlogo an der weiß lackierten Front ist hinterleuchtet und in einem dunklen Chromton gehalten. Die Edition wird für alle Zwei- und Dreiachser mit Gigaspace- und Bigsace-Fahrerhaus als Links- und Rechtslenker angeboten. Für den Antrieb stehen Dieselmotoren der Typen OM 473 und OM 471 zur Wahl. Preise nennt der Hersteller nicht.

    MAN mit Megawatt-Lkw

    VW-Tochter MAN zeigt mit dem eTruck das seriennahe Konzept eines batterieelektrischen Sattelschleppers für den Fernverkehr. Der auf der Nutzfahrzeugmesse ausgestellte Prototyp soll eine Vorschau liefern, wie sich ein Lastwagen mit Batteriekapazität bestücken lässt, um genügend Reichweite für das Tagespensum mit langen Touren zu absolvieren.

    MAN eTruck - Schnell laden, weit fahren Pressebild

    MAN eTruck

    Der elektrische Truck für die Langstrecke soll nicht nur schnell laden, sondern auch weit fahren.

    Der eTruck lässt mit drei bis sechs Batteriepacks mit 300 bis 500 kWh Speicherkapazität ausstatten. Außerdem eignet sich das Fahrzeug fürs Megawatt-Charging und damit für ein sehr schnelles Nachtanken. Entsprechend stellt der Nutzfahrzeughersteller tägliche Reichweiten von 600 bis 800 Kilometer in Aussicht. Für eine spätere Ausbaustufe verspricht MAN sogar bis zu 1.000 Kilometer Reichweite.

    Angetrieben wird der eTruck von einem 300 bis 350 kW beziehungsweise 408 bis 476 PS starken E-Motor. Ende 2023 will MAN in die Produktion einer entsprechenden Serienversion einsteigen. 2024 sollen dann erste Fahrzeuge in Kundenhand gehen. 2025 will MAN das volle Portfolio des eTruck bereitstellen.

    Ford bietet den Bestseller mit Batterie

    Und auch bei den Transportern geht der elektrische Umbau weiter. Ford ist auch dank eines vielfältigen Angebots mit seiner Transit-Custom-Baureihe seit sieben Jahren die Nummer eins im europäischen 1-Tonnen-Segment. Jetzt wurde der Bestseller überarbeitet und die Produktpalette um ein vollelektrisches Modell und um einen Plug-in-Hybriden erweitert.

    Während das reine Elektromodell mit einer Reichweite von 380 Kilometern (nach WLTP) und Schnellladefähigkeiten von bis zu 125 kW punkten will, generiert der Plug-in aus seinem 11,8 kW/h großen Akku knapp 60 Kilometer rein elektrische Strecke, hat aber zusätzlich einen 2,5-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor für mehr Reichweite auf längeren Strecken an Bord.

    Ford Transit Custom  - Der Bestseller wird zum Teil- und Vollzeit-Elektriker  Ford

    Ford Transit Custom

    Der Bestseller wird zum Teil- und Vollzeit-Elektriker.

    Die gesamte Transit-Custom-Baureihe, auch die vier Dieselmodelle mit Leistungen von 81 kW/110 PS bis 125 kW/170 PS, wurden überarbeitet. Neben dem manuellen Sechsgang-Getriebe steht nun auch eine Achtgang-Automatik zur Verfügung, dank der die Anhängelast auf bis zu 2,5 Tonnen steigt und die in Kombination mit einem neuen Allradantrieb erhältlich ist.  

    Der neue Transit, der in der zweiten Jahreshälfte 2023 zu den Händlern kommt, soll Handwerker mit praktischen Vorteilen überzeugen: So gibt es gegen Aufpreis ein sogenanntes ProPower-Onboard-System. Dabei handelt es sich um Steckdosen im Heck des Fahrzeugs, mit deren Hilfe zum Beispiel Leuchten oder elektrische Werkzeuge mit einer Leistungsaufnahme von bis zu 2,3 kW mit Strom versorgt werden, der aus der Hochvolt-Batterie des Fahrzeugs entnommen wird. So können etwa Handwerker auch ohne Stromquelle vor Ort arbeiten.

    Elektrotransporter mit Campingoption

    Auch Renault baut das Angebot an Null-Emissions-Modellen in seiner Nutzfahrzeugsparte aus: Darum zeigen die Franzosen auf der IAA den Trafic E-Tech Elektric vor, der kommendes Jahr den Elektrovarianten von Master und Kangoo zur Seite stehen wird.

    Renaults Nutzfahrzeug-Chef Heinz-Jürgen Löw hat im Rahmen der IAA-Präsentation zudem Camping-Varianten auf Basis des Trafic E-Tech in Aussicht gestellt. Der E-Van wird mit 52 kWh das identische Batterieformat wie der in diesem Jahr überarbeitete Master E-Tech erhalten.

    Renault Trafic E-Tech Electric - Mit Master-Batterie Renault

    Renault Trafic E-Tech Electric

    Die Franzosen ergänzen ihr Angebot an elektrischen Transportern.

    Während der größere Master damit 200 Kilometer schafft, verspricht Renault beim Trafic E-Tech Electric 240 Kilometer WLTP-Reichweite. Zu den möglichen Fahrleistungen mit dem 90 kW/122 PS-Elektromotor macht Renault vorerst keine Angaben. Der Onboard-Lader erlaubt einphasiges Laden mit 7 kW sowie dreiphasiges Laden an Ladesäulen mit 22 kW. Mit optionaler Schnellladetechnik ist schnelles Nachtanken auf längeren Touren mit 50 kW Gleichstrom möglich.

    Neben den beiden Längen 5,08 und 5,48 Meter wird der Trafic E-Tech Electric wahlweise mit 1,97 oder 2,50 Meter hohen Aufbau erhältlich sein. Entsprechend variiert das Stauraumvolumen zwischen 5.800 und 8.900 Liter. Ist beim längeren L2 eine Durchladeklappe an der Stirnwand vorhanden, lassen sich im Frachtraum bis zu 4,15 Meter lange Gegenstände mitnehmen. Die Nutzlast beträgt 1,1 Tonnen, die Anhängelast wird mit 750 Kilogramm (gebremst) angegeben.

    Chinesen zeigen elektrischen Pick-up

    Und auch die chinesische Nutzfahrzeugmarke Maxus ist auf der IAA vertreten. Die Chinesen zeigen elektrisch angetriebenen Pick-up, der im ersten Halbjahr 2023 in Deutschland auf den Markt kommen soll. Der T90 EV wäre nach Angaben des deutschen Importeurs damit das erste Fahrzeug in diesem Segment mit reinem E-Antrieb.

    Motorisiert ist der Pick-up mit einem 150 kW/204 PS starken Elektroaggregat, der ein maximales Drehmoment von 310 Newtonmetern entwickelt. Die Akkus haben eine Kapazität von 89 kWh, was eine kombinierte WLTP-Reichweite von 330 Kilometern ermöglichen soll.

    Maxus T90 EV  - Elektrischer Pick-up kommt 2023  Maxus

    Maxus T90 EV

    Der elektrische Pick-up aus China kommt 2023.

    Wer eine Schnellladung vornimmt, kann den Akku innerhalb von 45 Minuten von 20 auf 80 Prozent füllen. Wer dreiphasig AC lädt, füllt sie innerhalb von rund 9 Stunden, also etwa über Nacht, von 5 auf 100 Prozent auf.

    Das 5,37 Meter lange Fahrzeug verfügt über eine Doppelkabine mit fünf Sitzplätzen. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 3,3 Tonnen, davon sind 925 Kilogramm (ohne Fahrer) für die reine Nutzlast vorgesehen. Zur Ausstattung des Pick-up zählen elektrisch verstellbare Sitze vorne und ein 10,25-Zoll-Display mit Apple-Car-Play-Einbindung, aber auch seitliche Trittbretter sowie ein Kunststoff-Ladeflächenschutz. Einen Preis für den E-Pick-up nennt Maxus noch nicht.

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