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11.05.2022

09:06

Motorrad-Test

Cruiser mit Kraft – eine Ausfahrt mit der Harley-Davidson Low Rider ST 117

Von: Ulf Böhringer
Quelle:Spotpress

Der gewaltige Motor Milwaukee-Eight mit 117 Kubik-Inch Hubraum wird erstmals in ein Softail-Modell verbaut. Mit so viel Kraft wird der Cruiser zum Powerbike.

Fahrbericht: Harley-Davidson Low Rider ST 117 - Dickes Ding Harley-Davidson

Harley-Davidson Low Rider ST 117

Harley verpasst dem Modell den stärksten Motor, den man im Angebot hat.

Girona Auf neun Modelle ist mittlerweile die Softail-Familie von Harley-Davidson angewachsen. Wichtigstes gemeinsames Kennzeichen der Baureihe ist das ungefedert erscheinende Hinterrad dieser Bikes, die allesamt zur Gattung der Cruiser zu zählen sind.

Bislang hatten die Kunden innerhalb dieser Modellfamilie die Auswahl unter zwei Motoren, nämlich dem Milwaukee-Eight 107 und der hubraumgrößeren und stärkeren 114er Version. Nun findet erstmals das größte, von Harley-Davidson jemals für Serienmotorräder gebaute Triebwerk den Weg auch in ein Cruiser-Modell: Der Milwaukee-Eight 117 mit 1.923 Kubikzentimetern Hubraum und einer Leistung von 78 kW/106 PS.

Installiert wird dieses Triebwerks-Monument außer in der Low Rider S in der neuen Low Rider ST. Sie ist ab 21.595 Euro zu haben. Die beiden Buchstaben ST stehen für Sport-Touring. Praktisch bedeutet das, dass die beliebte Low Rider S eine ausladende, am Rahmen befestigte Cockpitverkleidung sowie zwei schmale Seitenkoffer erhalten hat und kleine Modifikationen am Fahrwerk über sich ergehen lassen musste.

Dadurch steigt die Sitzhöhe geringfügig an, weshalb auch der Lenker ein wenig höher montiert worden ist. Die zusätzliche Komfortausstattung treibt das S-Gewicht von 308 auf 327 Kilogramm bei der ST.

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    Wichtigstes Ausstattungsmerkmal der Low Rider ST ist fraglos der 117 Kubik-Inch große V2. Der 45-Grad-Twin legt einen fulminanten Auftritt hin, optisch wie akustisch und natürlich auch unter Leistungsgesichtspunkten. Unübersehbar reckt sich der abgewinkelte Ansauglufttrakt mit dem freigelegten Filterelement, komplett schwarz lackiert, auf der rechten Motorseite in den Fahrtwind. Die Ziffernfolge 1-1-7 signalisiert die überlegene Motorisierung.

    Zusammen mit der komplett schwarzen Lackierung des V2 und dessen blankpolierter Verrippung der beiden Zylinder wird das wie ein Denkmal des klassischen Verbrennungsmotors. Weil sich der Kühler des teil-flüssigkeitsgekühlten Milwaukee-Eight-Triebwerks dezent zwischen den beiden Rahmenrohren versteckt, wirkt der Motor in der Seitenansicht, als sei er ganz klassisch luftgekühlt.

    Die gebotene Schräglagenfreiheit reicht gut aus für vergnügliches, flüssiges Fahren Harley-Davidson

    Gut durch die Kurven

    Die gebotene Schräglagenfreiheit reicht gut aus für vergnügliches, flüssiges Fahren.

    Unübersehbar reckt sich der abgewinkelte Ansauglufttrakt mit dem freigelegten Filterelement, komplett schwarz lackiert, auf der rechten Motorseite in den Fahrtwind Harley-Davidson

    117 steht für Leistung

    Unübersehbar reckt sich der abgewinkelte Ansauglufttrakt mit dem freigelegten Filterelement, komplett schwarz lackiert, auf der rechten Motorseite in den Fahrtwind.

    Wie nicht anders zu erwarten, geht der 117er mit Macht zu Werke. Ab 1.200 Umdrehungen nimmt er Gas an, ab 1.500 baut sich Druck auf, ab 2.000 zieht es dem Fahrer die Arme lang. Bei 3.500 Touren ist der Zenit der Drehmomententwicklung erreicht; höhere Drehzahlen liegen sehr selten an, weil einen Gang höher ja dasselbe, überaus erfreuliche Spiel noch einmal absolviert werden kann. Man ist deshalb zumeist im Bereich zwischen 1.500 und 3.500 Umdrehungen unterwegs.

    Diese Werte optisch zu erfassen, ist mit gewisser Mühe verbunden, denn Harley-Davidson hat die Instrumentierung bewusst so dezent gehalten, dass man sie nach dem erstmaligen Aufsteigen bewusst suchen muss. Wirklich erforderlich ist der kleine Drehzahlmesser an der Lenkstange freilich nicht: Der Triebwerkssound reicht im Grunde für den Info-Input vollkommen. Kernig und mächtig, aber nicht lästig hört sich die ST an.

    Optisch dominierend an der Low Rider ST ist die ausladende Verkleidung; als Vorbild wählten die Designer die klassische Sport Glide, die bei den Customizern der US-Westküste besonders beliebt ist. Der runde Zentralscheinwerfer der ST, natürlich mit LEDs bestückt, und die zwei seitlichen Lüftungsöffnungen schlagen die optische Brücke zum Original.

    Aerodynamisch ist die ST-Verkleidung aber deutlich ausgereifter als das Vorbild: Es gibt bei Landstraßentempo keine Verwirbelungen am Helm und auch kein Getöse. Um die Schräglagenfreiheit der ST zu vergrößern, hat Harley-Davidson das Heck des Fahrzeugs etwas höher gelegt; dazu wurde das in der Vorspannung per Handrad einstellbare, versteckt unter dem Sitz platzierte Federbein verlängert.

    Die Buchstaben ST stehen für Sport-Touring. Entsprechend verfügt die ST über eine am Rahmen befestigte Cockpitverkleidung sowie zwei schmale Seitenkoffer  Harley-Davidson

    ST steht für Sport-Touring

    Entsprechend verfügt die ST über eine am Rahmen befestigte Cockpitverkleidung sowie zwei schmale Seitenkoffer

    Auf kurvigen Landstraßen erweist sich die Low Rider ST in ihrer Gewichtsklasse als gut beherrschbares Motorrad; die Sitzposition mit stark konturiertem Einzelsitz und noch bequem abgewinkelten Unterschenkeln sowie der angenehm geformte Lenker machen zielgenaues Einlenken leicht.

    Die gebotene Schräglagenfreiheit reicht gut aus für vergnügliches, flüssiges Fahren. Die beiden recht hoch montierten, sehr schmal gehaltenen Seitenkoffer stören dabei keineswegs. Dank eines leicht bedienbaren Schnellverschlusses sind sie bei Bedarf leicht demontierbar. Viel mehr als das nötigste Wochenendgepäck fassen die beiden Behälter mit zusammen knapp 54 Litern Volumen allerdings nicht.

    Insgesamt ist das Fahrverhalten der Low Rider ST erfreulich: Die Federungsqualität ist auch halbwegs ordentlichem Asphalt gut, die drei Scheibenbremsen verzögern mit bescheidenem Kraftaufwand verlässlich und gut dosierbar, das ABS hält das Bike notfalls sauber in der Spur und regelt ausreichend schnell.

    Ausgesprochen erfreulich ist die blitzartige Reaktion des automatischen Blinkerrückstellers; die von Harley-Davidson verwendete Sensorik ist unerreicht. Wie auch das Feeling im Sattel der Low Rider ST ein einzigartiges ist: Die Kombination des größten und stärksten Serientriebwerks der 119 Jahren alten Motor Company mit einem ziemlich puristischen Chassis ohne viel Firlefanz-Ausstattung übt einen bemerkenswerten Reiz aus. Power Biking mit Grins-Garantie.

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