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15.03.2022

08:32

Oldtimer

Mercedes das Fürchten lehren – der BMW 5er wird 50

Von: Wolfram Nickel
Quelle:Spotpress

Stardesigner Paul Braqc zeichnete vor 50 Jahren den ersten BMW 5er, der zum Statussymbol für geschäftlichen Erfolg wurde. Ein neuer Mercedes-Gegner war geboren.

Mit dem BMW 525 debütiert 1973 auf der IAA Frankfurt ein 145 PS starkes Sechszylinder-Modell mit knapp 2,5 Liter Hubraum und Scheibenbremsen auch hinten BMW Group Archiv

Debüt eines Erfolgsmodells

Mit dem BMW 525 debütiert 1973 auf der IAA Frankfurt ein 145 PS starkes Sechszylinder-Modell mit knapp 2,5 Liter Hubraum und Scheibenbremsen auch hinten.

Köln Es war der ultimative Showdown in der Businessklasse: Vor genau 50 Jahren zündete BMW die erste Generation des 5er (E12). Dynamische Limousinen, die im Umfeld der Olympischen Spiele von München starteten und die den Gipfel der oberen Mittelklasse stürmen sollten. Jenen Zenit, auf dem die von Stardesigner Paul Braqc geformten Mercedes-Strich-Acht-Modelle uneingeschränkt herrschten.

Um die Dominanz der Sternträger zu brechen, bedienten sich die Bayern eines besonderen Coups: Auch der agile BMW 5er war vom genialen Franzosen Paul Bracq konturiert worden, natürlich nicht ohne markentypischen Hofmeister-Knick an der C-Säule und die seit dem sportiven BMW 2002 ikonischen Doppelscheinwerfer.

Dieses erste Design-Duell Bracq vs. Bracq, bzw. BMW 5er gegen Benz Strich-Acht, entschied zwar nach Verkaufszahlen der gesellschaftlich fest verankerte Mercedes für sich. Aber der vollkommen neue 5er katapultierte sich aus der von den „Neue-Klasse“-Vorgängern 1800/2000 besetzten Marktnische zwischen Massenware und Premium und zeigte das Potential, mit dem der BMW 5er später weltweit auf Pole Position fahren sollte.

Dazu beigetragen haben seidenweiche Sechszylinder und sportliche Höhepunkte wie der furiose 160 kW/218 PS freisetzende M535i der BMW Motorsport GmbH, die schnellste Mittelklasselimousine der Welt. Voll auf Angriff setzten auch die von der Motorsport GmbH aufgebauten BMW 530i, mit denen etwa Jean Pierre Beltoise den Titel „Französischer Produktionswagenmeister 1977“ gewann.

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    Am Ende seiner fast zehnjährigen Produktionszeit konnte der erste 5er (E12) den Markterfolg seines Neue-Klasse-Vorgängers bereits mehr als verdoppeln. Und Paul Braqcs bahnbrechende Couture spiegelte sich sogar noch in dem von Claus Luthe 1981 finalisierten zweiten 5er (E28), der sich vor allem durch ein voluminöses Heck von seinem filigraneren Vorgänger differenzierte.

    Der agile BMW 5er war vom genialen Franzosen Paul Bracq konturiert worden, natürlich nicht ohne markentypischen Hofmeister-Knick an der C-Säule  BMW Group Archiv

    Klassiker

    Der agile BMW 5er war vom genialen Franzosen Paul Bracq konturiert worden, natürlich nicht ohne markentypischen Hofmeister-Knick an der C-Säule.

    1975: Neues Topmodell ist der BMW 528 mit 121 kW/165 PS Leistung BMW Group Archiv

    Leistungsträger

    1975 ist der BMW 528 mit 121 kW/165 PS Leistung das neue Topmodell

    Die großen Glasflächen und klaren Linien des E12 blieben dagegen ebenso erhalten wie das neuartige, auf den Fahrer konzentrierte Cockpit mit aus dem Flugzeugbau inspirierter Lichttechnik. Nicht zu vergessen die ungewöhnliche Motorhaube mit Sicherheitsverriegelung, wie sonst nur beim Saab 99.

    „Komfort als sportliches Erlebnis“, lautete 1972 die Werbebotschaft für die neuen Typen 520 und 520i, die gegenüber dem abgelösten BMW 2000 um 19 Zentimeter auf 4,62 Meter Länge wuchsen und mit 1.230 Kilogramm Leergewicht sogar den avantgardistischen NSU Ro 80 unterboten.

    Dennoch fehlte es dem anfangs angebotenen Vierzylinder-Duo 520 und 520i an Muskelkraft, um als König der linken Spur Kontrahenten wie Opel Commodore, Mercedes 230, Citroen DS, Alfa Alfetta oder Ro 80 zu vertreiben.

    Konfrontation nur auf Augenhöhe, das genügte im Jahr der Olympischen Spiele nicht, die bundesdeutsche Leistungsgesellschaft verlangte mehr von BMW. Während Kanzler Willy Brandt 1972 mit dem Slogan „Deutsche wir können stolz sein auf unser Land“ für seine Wiederwahl warb und bei einem Besuch des BMW-Werks versicherte, dass seine Frau ihn in einem weiß-blauen Auto fahre, dominierten den Fuhrpark der Bundesregierung und des Managements in der Wirtschaft weiterhin Mercedes-Modelle.

    Der BMW-Vertriebsvorstand, Kampfjet-Pilot und Car-Guy Bob Lutz, wusste, was zu tun war, seit er 1970 die Nachfolge von „Nischen-Paule“ Hahnemann – einst Entdecker der Neuen Klasse – angetreten hatte. Zunächst versah Lutz die Münchener Hoffnungsträger mit einer ikonischen Nomenklatur, die an frühere V8-Modelle wie 501 und 507 erinnerte, aber auch die Melodie „Take Five“ aufgriff, jene bis heute meistverkaufte Jazz-Single, die bereits in Werbefilmen zum Jingle der Neuen-Klasse-BMW mutiert war.

    Der BMW 5er verkörperte über viele Jahre hinweg als Einsatzfahrzeug vor allem das Image Bayerns in der Welt BMW Group Archiv

    Immer im Einsatz

    Der BMW 5er verkörperte über viele Jahre hinweg als Einsatzfahrzeug vor allem das Image Bayerns in der Welt.

    Im Sommer 1977 debütiert der BMW 520 mit neu entwickeltem 122 PS starkem Sechszylinder (Typ M20).  BMW Group Archiv

    Neuer Antrieb

    Im Sommer 1977 debütiert der BMW 520 mit neu entwickeltem 122 PS starkem Sechszylinder (Typ M20).

    520 lautete die Typnummer der ersten Limousine, gesprochen „fünf-zwanzig“, wie eine Presseinformation erklärte. Fortan stand bei jedem BMW die erste Ziffer für die Fahrzeugklasse und die folgenden Ziffern symbolisierten Hubraum oder Leistung. Eine Systematik, die manch andere Marke adaptierte.

    Als nächstes spendierte Lutz dem 5er die temperamentvollen Sechszylinder aus den Oberklasselimousinen 2500 bis 3.3 (E3) – und geboren waren Tarnkappenjäger, die es mit Muscle-Cars wie Mercedes 280 E oder Rover 3500 V8 aufnahmen und konventionellen Sechszylindern á la Volvo 164 keine Chance ließen.

    Ob der lange Zeit vor allem Volvo-affine schwedische König Carl XVI. Gustav seine bis heute andauernde Liebe zu schnellen BMW damals bei seinen Besuchen in München entdeckte, ist nicht verbürgt. In der Populärkultur war es jedenfalls die ab 1974 ausgestrahlte TV-Krimiserie „Derrick“, in der BMW 5er über Jahre die automobile Hauptrolle besetzten. Ob Polizei, Feuerwehr oder Notärzte, auch als agiles Einsatzfahrzeug gewann er Beliebtheit.

    Sechs macht mehr Laune als vier und fünf Zylinder (ab 1976 beim Audi 100), fanden auch die Kunden, und deshalb beeilte sich BMW dem 1973 eingeführten 525 mit 107 kW/145 PS Leistung zeitnah den noch flotteren 2,8-Liter-Sechszylinder BMW 528 mit 121 kW/165 PS zur Seite zu stellen.

    Als Antwort auf die 1976 lancierte neue Mercedes W-123-Serie mit den Vierzylinder-Basistypen 200 und 230 erleichterte BMW obendrein den preiswerten Einstieg in den feinen Club der Sechszylinder: Im Sommer 1977 debütierte der BMW 520 mit neu entwickeltem 122 PS starkem und laufruhigem Reihen-Sechser (Typ M20), da hatte der E12 sein einziges Facelift (größere Heckleuchten, die Niere streckt sich weiter nach oben in die Motorhaube) bereits hinter sich.

    1976 erprobt BMW einen 520 mit Wasserstoffantrieb BMW Group Archiv

    Wasserstoff-Pionier

    1976 erprobt BMW einen 520 mit Wasserstoffantrieb.

    Zur großen Gala für sportliche Genießer spielte der 160 kW/218 PS starke M535i auf BMW Group Archiv

    Kraftprotz

    Zur großen Gala für sportliche Genießer spielte der 160 kW/218 PS starke M535i auf.

    Es war der gelungene Spagat zwischen Sportwagen und braver Familienlimousine, mit dem BMW schon mit Neue-Klasse-Typen zur Hausmarke fahrdynamisch ambitionierter Kunden aufgestiegen war, mit dem 5er kamen nun Komfort und noch mehr Leistung hinzu. Aber ein Diesel, wie bei Mercedes und ab Ende der 1970er auch bei Audi im Angebot, den hatten die Münchner erst ab Mitte der 1980er – natürlich als Sechszylinder. Zu ruppig schien den BMW-Ingenieuren zuvor die Selbstzünder-Laufkultur, zu bescheiden das Temperament.

    Stattdessen erprobte BMW einen 520 mit Wasserstoffantrieb und wagte damit einen Blick in die Zero-Emission-Zukunft des 21. Jahrhunderts. Gegen die Absatzflaute der ersten Ölkrise von 1973/74 sollte der Spartyp BMW 518 helfen, ein 66 kW/90 PS Vierzylinder, der sich mit preiswertem Normalbenzin betanken ließ und dessen Knauser-Charakter am Verzicht auf Ausstattungsfinessen und Chromornamente zu erkennen war.

    Zur großen Gala für sportliche Genießer spielte 1980 der 160 kW/218 PS starke M535i aus den Hallen von BMW Motorsport auf. Dort hatten sie bereits Renntourenwagen fit gemacht, vorzugsweise mit 3,0-Liter-Motoren. Jetzt gab es Vmax 222 km/h in Serie für die Straße. Das war damals eine Ansage auf dem Niveau von V12-Jaguar, aber nicht für Alpina.

    Da geht noch was, sagten sich die Ingenieure in Buchloe und boten 1981 mit dem 243 kW/330 PS starken Alpina B7 S Turbo die Eintrittskarte ins Supercar-Segment: 265 km/h konnte nicht einmal der Porsche 911 Turbo toppen. Ein würdiges Feuerwerk zum Finale des 5ers E12, während sich der Nachfolger E28 bereits warmlief, erstmals auch als M5.

    Chronik

    • 1968: Die Entwicklung eines Nachfolgers für die Neue Klasse beginnt
    • 1970: Pietro Frua und Nuccio Bertone schicken 1:1-Modelle möglicher Mittelklasselimousinen nach München, die sich am ersten Entwurf der hauseigenen Designabteilung unter Wilhelm Hofmeister messen lassen müssen. Das endgültige Design des 5ers zeichnet Paul Bracq, der nach Hofmeister neuer Chefdesigner bei BMW wird. Im März 1970 zeigt Bertone die Studie Garmisch auf dem Genfer Salon, die Elemente des 5ers vorwegnimmt
    • 1972: Am 13. September debütiert der erste BMW 5er (Baureihe E12) als Nachfolger der Neuen Klasse (Typen 1500 bis 2000), dies als BMW 520 und BMW 520i. Die Vierzylinder (Typ M10) leisten 115 beziehungsweise 130 PS. Bei der Modellbezeichnung wird eine neue Systematik eingeführt, die bis heute die Nomenklatur von BMW Automobilen bestimmt, mit der für die Baureihe stehenden 5 am Anfang und den beiden folgenden Ziffern zunächst als Hinweis auf den Hubraum, später die Leistung des jeweiligen Modells. Die Namensgebung soll zugleich an frühere V8-Modelle wie den „Barockengel“ BMW 501 und den Sportwagen BMW 507 erinnern. Das Design des BMW 5ers beinhaltet die seit dem 2002 markentypischen Doppelscheinwerfer und einen neu gestalteten Hofmeisterknick in der C-Säule. Zur Ermittlung der Karosserie-Knautschzonen setzte BMW erstmals Computertechnologie ein. Wie sonst nur beim Saab 99 besitzt die Motorhaube des 5er eine Sicherheitsverriegelung. Zum Marktstart gibt es verschiedene Sicherheitsfeatures wie Dreipunktgurte und Kopfstützen nur gegen Aufpreis
    • 1973: Im September Produktionsanlauf für den 5er im Werk Dingolfing, zwei Jahre später endet die Produktion in München und alle 5er kommen aus Dingolfing. Montagefertigungen erfolgen zusätzlich in Thailand, Portugal, Uruguay, Indonesien und vor allem Südafrika. Mit dem BMW 525 debütiert auf der IAA Frankfurt ein 145 PS starkes Sechszylinder-Modell mit knapp 2,5 Liter Hubraum und Scheibenbremsen auch hinten. Optische Kennzeichen sind (wie später beim 528) der Typen-Schriftzug am Kühlergrill und ein erhöhtes Mittelsegment der Motorhaube
    • 1974: Zum Ende der ersten Ölkrise ergänzt die Einsteigerversion BMW 518 mit 90 PS leistendem 1,8-Liter-Benziner (Typ M10, wie im Vorgänger BMW 1800) das Motoren-Angebot
    • 1975: Neues Topmodell ist der BMW 528 mit 121 kW/165 PS Leistung. Zum Jahresende zeigt Mercedes die neue W123-Reihe der Typen 200 bis 280 E und Mitte 1976 debütiert ein neuer Audi, erstmals mit Fünfzylinder-Motoren, beides frische Wettbewerber für den 5er
    • 1976: BMW erprobt einen BMW 520 mit Wasserstoffantrieb. Im August zum Modelljahr 1977 debütiert der 5er mit einem Facelift, zu dem das Motorhaubendesign durch eine Mittelhutze und eine hochgesetzte Doppelniere modifiziert wird. Außerdem erhalten die Sechszylinder eine Chromumrandung des Kühlergrills, die Heckleuchten werden vergrößert und das Interieur durch neue Details aufgewertet. Doppelregistervergaser erhöhen die Leistungswerte bei 525 und 528 um je 5 PS
    • 1977: Im Sommer debütiert der BMW 520 mit neu entwickeltem 122 PS starkem Sechszylinder (Typ M20). Neu ist außerdem der Einspritzer 528i (Motorentyp M30) mit 177 PS Leistung. Mit einem von der BMW Motorsport GmbH aufgebauten BMW 530i wird Jean Pierre Beltoise „Französischer Produktionswagenmeister“
    • 1978: Die Leistung beim 528i steigt auf 184 PS. Im Dezember legt Alpina den B7 Turbo auf mit KKK-Turbolader und 221 kW/300 PS Leistung. Mit 250 km/h Vmax gilt der B7 Turbo damals als schnellste Limousine der Welt, gebaut werden innerhalb von drei Jahren 149 Einheiten, dies zu Preisen ab 59.920 Mark. Ab 1981 entstehen außerdem 60 Exemplare des 330 PS starken Alpina B7 S Turbo, der 265 km/h schnell ist und in nur 5,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt
    • 1980: Die 1972 gegründete BMW Motorsport GmbH präsentiert im April den neuen 222 km/h schnellen Spitzentyp BMW M535i mit 160 kW/218 PS starkem Sechszylinder (M30), der aus dem 735i bekannt ist
    • 1981: Generationenwechsel beim BMW 5er. Die Baureihe E12 wird im Juli nach 699.094 Einheiten (ungefähr doppelt so viele Einheiten wie von der Neuen Klasse) vom neuen E28 abgelöst, der allerdings teilweise auf dem Vorgänger basiert. So entspricht die Fahrgastzelle weitgehend der des Vorgängers. Insgesamt werden von der zweiten 5er Generation 722 000 Einheiten gefertigt. Nach Einstellung des E12 in Deutschland wird der erste 5er von BMW Südafrika weiterhin angeboten als 520 mit Vierzylinder (115 PS), 528 mit Sechszylinder (170 PS) und 530 mit Sechszylinder (177 PS)
    • 1985: Produktionsauslauf des 5ers der Baureihe E12 in Südafrika und Serienstart des E28 in Südafrika 2011: Alle 5er der Baureihe E12 sind Kandidaten für das H-Kennzeichen und genießen somit Oldtimerstatus 2017: Die siebte und bis heute aktuelle Generation des 5ers (G30) debütiert 
    • 2022: Die BMW 5er Reihe wird 50, ebenso wie die BMW Motorsport GmbH, der die Baureihe E12 ihre schnellsten Vertreter verdankt. In Europa ist der BMW 5er in den meisten Ländern Marktführer in seinem Segment vor Mercedes E-Klasse und Audi A6

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