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29.12.2021

08:21

Automarkt

Gebrauchtwagen kosten so viel wie nie – Besserung nicht vor 2023

Gerade wer einen Verbrenner sucht, muss aktuell viel Geld ausgeben. Das gilt besonders für einen Antrieb, der eigentlich an Beliebtheit verloren hat.

Der Chipmangel sorgt für Automangel – der schlägt nun mit höheren Preisen auf den Gebrauchtmarkt durch. dpa

Gebrauchtwagenhändler

Der Chipmangel sorgt für Automangel – der schlägt nun mit höheren Preisen auf den Gebrauchtmarkt durch.

Ostfildern/Bonn Autokäufer müssen aktuell mit sehr hohen Preisen rechnen, gerade wenn sie nicht auf einen Neuwagen warten wollen. „Gebrauchtwagen sind derzeit so teuer wie noch nie – auch im Verhältnis zu ihren Neupreisen“, sagt Martin Weiss von Marktbeobachter Deutsche Automobil Treuhand (DAT). „Die Verteuerung liegt oft bei fünf bis 15 Prozent. In Einzelfällen kann es auch deutlich mehr sein. Es ist schon verrückt, was man da sieht.“

Die DAT beobachtet seit 90 Jahren die Gebrauchtwagenpreise in Deutschland. Ihr Tagesgeschäft dreht sich um nüchterne Zahlen und Daten, ein Wort wie „verrückt“ lässt aufhorchen.

Die Preisentwicklung ist wie in so vielen Branchen auf die Coronakrise und den Chipmangel zurückzuführen. Doch auf dem Gebrauchtwagenmarkt schlagen sie gleich doppelt zu: Einerseits ist die Nachfrage höher, weil Neuwagenkunden wegen längerer Lieferzeiten am Ende doch öfter einen Gebrauchten kaufen. Andererseits ist das Angebot an gebrauchten Fahrzeugen deutlich dünner als sonst.

„Es sind einfach sehr viel weniger Autos in den Markt gekommen“, sagt Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).

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    „Schon das zweite Jahr hintereinander fehlen Neuzulassungen von Dienstwagen, Tageszulassungen, Mietwagen, die normalerweise relativ schnell als junge Gebrauchte in den Markt kommen“, erklärt er. Die Folge: „Momentan haben wir weniger Gebrauchtwagen als Kunden.“

    „Wohl dem, der zufrieden mit seinem Fahrzeug ist“

    Auch Peckruhn sieht einen deutlichen Preisanstieg bei Gebrauchten, auch wenn er ihn mit fünf bis zehn Prozent etwas niedriger einschätzt. „Momentan ist nicht die Zeit für Gebrauchtwagenschnäppchen“, sagt er. Ganz im Gegenteil: „Teilweise gibt es bei sehr gefragten Fahrzeugen zurzeit sogar Fälle, wo junge Gebrauchte mehr kosten als ein entsprechender Neuwagen, der aber nur mit langer Lieferzeit verfügbar wäre.“

    Dabei sind auch Neuwagen teurer geworden. „Wir kommen aus einer Zeit der Fahrzeug-Überproduktion in eine Zeit des Fahrzeug-Mangels. Das lässt die Preise steigen – auch bei Neuwagen gibt es derzeit weniger Rabatt“, sagt DAT-Experte Weiss. Und Peckruhn betont: „Auch Neuwagen sind durch die Halbleiterkrise teilweise noch immer knapp. In manchen Monaten hat der Handel nur halb so viele Fahrzeuge bekommen wie normal.“

    Eine schnelle Entspannung ist daher nicht in Sicht. Die fehlenden Neuwagen von heute werden in Zukunft auch auf dem Gebrauchtmarkt fehlen. „Die hohen Gebrauchtwagenpreise werden wir auch 2022 haben“, sagt Peckruhn und fügt hinzu: „Für den Handel muss man sagen: Gott sei Dank. Denn die Halbleiterkrise trifft uns noch einmal härter als Corona.“

    Auch Weiss rechnet frühestens 2023 mit dem Beginn einer Normalisierung auf dem Markt. „Wohl dem, der glücklich und zufrieden mit seinem Fahrzeug ist und derzeit nicht auf einen Wechsel angewiesen ist“, fasst er die aktuelle Lage zusammen.

    Gebrauchte Elektroautos bleiben günstiger – und ein Nischenprodukt

    Allerdings sind nicht alle Bereiche des Gebrauchtwagensektors gleichermaßen betroffen. „Bei Elektroautos sehen wir diese Steigerungen nicht – hier sind die Gebrauchtwagenpreise weiterhin unter Druck“, sagt Weiss. „Das liegt einerseits an der hohen Förderung für Neuwagen, andererseits daran, dass die Technik sich weiterentwickelt hat und die Kunden eher das Gefühl haben, ein veraltetes Produkt zu kaufen.“

    Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind E-Autos allerdings noch immer ein Nischenprodukt. Auch Plug-in-Hybride haben sich nicht so stark verteuert.

    Ganz anders dagegen gebrauchte Dieselfahrzeuge. Sie würden deutlich teurer verkauft als in den ersten Jahren nach dem Dieselskandal, sagt Weiss. „Auch weil von ihnen seitdem immer weniger Fahrzeuge in den Markt gekommen sind.“

    Die hohen Spritpreise spielen auf dem Gebrauchtwagenmarkt dagegen kaum eine Rolle, sagt Weiss: „Aktuell sehen wir nicht, dass wegen der hohen Spritpreise besonders sparsame Gebrauchtwagen stärker nachgefragt wären.“

    Von

    dpa

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