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06.06.2019

17:53

Großbritanniens bekanntester Fondsmanager hat das Vertrauen seiner Anleger verloren.  Bloomberg

Neil Woodford

Großbritanniens bekanntester Fondsmanager hat das Vertrauen seiner Anleger verloren.

London Neil Woodford steht vor dem Ende seiner schillernden Karriere als Fondsmanager. Nach drei schlechten Jahren sah sich der einstige Superstar diese Woche gezwungen, seinen wichtigsten Fonds, den Equity Income Fund, zu sperren, um weitere Abflüsse zu verhindern. Das versetzte die Anleger in Panik.

Am Mittwoch kündigte der Vermögensverwalter St. James Place die Zusammenarbeit auf. Woodford verlor damit auf einen Schlag die Zuständigkeit für 3,5 Milliarden Pfund (knapp vier Milliarden Euro) – 40 Prozent des von ihm verwalteten Kapitals.

Beobachter in der Londoner City gehen davon aus, dass seine Firma Woodford Investment Management den Vertrauensentzug nicht überlebt. Sollte er seinen Hauptfonds jemals wieder öffnen, wird eine Massenflucht der Anleger erwartet.

Es ist ein tiefer Fall für Woodford, der nach seinem Vorbild Warren Buffett, dem „Orakel von Omaha“, auch als „Orakel von Oxford“ bezeichnet wird. Beim Fondsgiganten Invesco machte er sich einen Namen als geschickter „Stock-Picker“ und verwaltete zu Hochzeiten 25 Milliarden Pfund. 2014 machte er sich selbstständig.

Binnen kürzester Zeit hatte er 16 Milliarden Pfund von loyalen Anlegern gesammelt, die ihm von Invesco folgten. Der begeisterte Reiter gründete die Firma in Oxford, nicht zuletzt, weil er in der Provinz leichter seinem Hobby nachgehen konnte.

Nach der Schule wollte Woodford zunächst eine Ausbildung zum Kampfpiloten machen, doch er fiel durch den Eignungstest der Royal Air Force. Er landete stattdessen in der Londoner City, erst in der Versicherungsbranche, dann in der Vermögensverwaltung. Mit seinen Luxusanwesen schaffte er es auch in die Boulevard-Spalten.

Zuletzt fehlte Woodford das goldene Händchen, und nun scheint ihn das gleiche Schicksal zu ereilen wie eine ganze Reihe anderer aktiver Manager. Die schlechte Performance hat Woodford jedoch nie auf seinem privaten Konto gespürt. Selbst im Verlustjahr 2018 zahlte er sich und seinem Partner noch 37 Millionen Pfund Dividende aus.

Mehr: Kühne Fondsmanager streichen oft höhere Erträge ein als Konkurrenten, die ihre Gelder breit streuen. Doch wenige können den Vorsprung auf Dauer verteidigen.

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