MenüZurück
Wird geladen.

12.02.2018

07:08 Uhr

Höhepunkt im Straßenkarneval

Rosenmontagszüge am Start

Die Mottowagen in den Karnevalshochburgen stehen in den Startlöchern. In Köln, Düsseldorf und Mainz bekommen die Mächtigen ihr Fett weg.

In Düsseldorf gilt der dortige Umzug als besonders bissig und provozierend. dpa

Rosenmontagsumzug

In Düsseldorf gilt der dortige Umzug als besonders bissig und provozierend.

Köln Zum Höhepunkt des Straßenkarnevals müssen sich die Mächtigen warm anziehen: Die großen Rosenmontagszüge in Köln, Düsseldorf und Mainz nehmen wieder die Politik aufs Korn - allen voran Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump. Allein in Köln werden mehr als eine Million Jecken erwartet. Unter dem Motto „Mer Kölsche danze us der Rieh“ („Wir Kölner tanzen aus der Reihe“) soll sich der bunte Zug mit rund 100 Wagen und erwarteten mehr als 10 000 Teilnehmern um 10.00 Uhr in Gang setzen. Auf die Kostümierten am Straßenrand werden rund 300 Tonnen Süßigkeiten, gut 700 000 Tafeln Schokolade und massenweise Pralinen und Strüßje (Sträußchen) herabregnen.

In Düsseldorf geht es gegen 12.00 Uhr los. Der dortige Umzug gilt als besonders bissig und provozierend. Mit Spannung werden die Motive von Wagenbauer Jacques Tilly erwartet. „Jeck erst recht!“ lautet das Motto in der Landeshauptstadt, die mit mehreren Hunderttausend Narren rechnet. Erstmals will sich die Jüdische Gemeinde Düsseldorfs mit einem eigenen Mottowagen beteiligen und koschere Kamelle werfen. In Mainz fällt der Startschuss um 11.11 Uhr. Rund 550 000 närrische Zuschauer werden laut Prognose zu dem Spektakel kommen. Und fast 9000 Teilnehmer laufen, fahren oder reiten mit.

Auch bei der schwäbisch-alemannischen Fastnacht geht es hoch her. In Rottweil springen Hunderte Hästräger beim sogenannten Narrensprung schon ab 8.00 Uhr morgens durch das Schwarze Tor und die Straßen von Baden-Württembergs ältester Stadt. Es werden mehrere tausend Zuschauer erwartet. Nach 13.00 Uhr wagen sich im wenige Kilometer entfernten Schramberg wagemutige Frauen und Männer mit verzierten Holzzubern in den Fluss Schiltach.

Karneval

„Wer hat den Größten?“ – So kriegen Trump & Co ihr Fett weg

Karneval: „Wer hat den Größten?“ – So kriegen Trump & Co ihr Fett weg

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Auch in diesem Jahr verfolgen Tierschützer das Treiben mit Sorge. Nachdem in der vergangenen Session in Köln und Bonn drei Pferde verunglückten, werde man kostümiert und lautstark vor Beginn des Rosenmontagszugs in der Domstadt gegen den Einsatz von Pferden trommeln, kündigten mehrere Gruppen an. In einigen Stadtteilen von Essen und Bochum soll es zwar erneut den Brauch des Gänsereitens geben. Aber: Die reitenden Teilnehmer schlagen überall nur noch Attrappen den Kopf ab - nicht mehr echten, toten Gänsen.

Die deutschen Karnevalszüge gehen auf Maskenzüge aus mittelalterlicher und vermutlich sogar heidnischer Zeit zurück. Ursprünglich sollten damit böse Geister und der Winter ausgetrieben werden. Die großen Figuren kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf.

Noch bis in die 1950er Jahre wurden die Wagen von Pferden gezogen. Immer mal wieder ist es vorgekommen, dass die Züge abgesagt wurden, etwa 1991 wegen des Golfkrieges, aber auch schon wegen schlechten Wetters, Weltwirtschaftskrise und nicht zuletzt wegen Gezänks unter den Karnevalsvereinen. 2016 war es wieder mal das Wetter - zumindest in Düsseldorf und Mainz.

Die Rosenmontagszüge sind eine Kölner Erfindung. Im Winter 1822/23 setzten sich in einem Weinhaus hinter der romanischen Kirche St. Ursula einige grundsolide Vertreter der Kölner Oberschicht zusammen und überlegten, wie das rohe Fastnachtstreiben domestiziert werden könnte. Ihr Vorbild war der kultivierte venezianische Karneval. Deshalb importierten sie als erstes den Namen und tauften die Fastnacht in Karneval um. Als Zweites erfanden sie einen romantischen Maskenzug.

Wahrscheinlich wurden sie dabei von Triumphzügen der Fürsten und Feldherren inspiriert, vor allem aber von der jährlichen Fronleichnamsprozession der katholischen Kirche. Zur Organisation des Zuges bildeten die Initiatoren im Januar 1823 ein „festordnendes Comité für die Carnevalslustbarkeiten“. Obwohl bis zum Rosenmontag nur noch zwei Wochen Zeit waren, gelang den Organisatoren schon mit dem ersten Zug ein großer Erfolg. Im nächsten Jahr waren an den Karnevalstagen schon alle Zimmer in sämtlichen Gasthäusern der Stadt ausgebucht. Deshalb dauerte es auch nicht lange, bis andere Städte das Kölner Vorbild kopierten.

Karneval im Rheinland

Feiern bei Eiseskälte – Weiberfastnacht läutet Straßenkarneval ein

Karneval im Rheinland: Feiern bei Eiseskälte – Weiberfastnacht läutet Straßenkarneval ein

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×