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10.01.2017

10:17 Uhr

Jury hat entschieden

„Volksverräter“ ist Unwort des Jahres

Nach „Gutmensch“ ist „Volksverräter“ das neue Unwort des Jahres. Mit der Aktion will die Jury für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen.

Heute entscheiden vier Sprachwissenschaftler und ein Journalist über das „Unwort des Jahres“ 2016. dpa

Unwort des Jahres

Heute entscheiden vier Sprachwissenschaftler und ein Journalist über das „Unwort des Jahres“ 2016.

DarmstadtDas „Unwort des Jahres 2016“ lautet „Volksverräter“. Das gab die Sprecherin der „Unwort“-Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, am Dienstag in Darmstadt bekannt. Das Wort sei ein „Erbe von Diktaturen“ unter anderem der Nationalsozialisten.

1064 Einsendungen waren eingegangen, weniger als 2015 (1644) sowie in den Jahren 2014 (1246) und 2013 (1340). Zum „Unwort des Jahres 2015“ war der Begriff „Gutmensch“ gewählt worden. Davor war „Lügenpresse“ zum „Unwort“ gekürt worden, 2013 lautete es „Sozialtourismus“, 2012 „Opfer-Abo“. Die „Unwort“-Aktion gibt es seit 1991.

Zeitgeister in der Sprache: Die Unwörter des Jahres

2017

Alternative Fakten: Dies sei der verschleierende und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen“, sagte die Jury-Sprecherin, Linguistik-Professorin Nina Janich. Der Ausdruck geht auf Donald Trumps Beraterin Kellyanne Conway zurück.

2016

Volksverräter: Das Wort sei ein „Erbe von Diktaturen“ unter anderem der Nationalsozialisten.

2015

Gutmensch: Der Vorwurf diffamiere Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv und dumm, begründete die „Unwort“-Jury.

2014

Lügenpresse: Diese pauschale Verurteilung „verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit“, betonte die Jury.

2013

Sozialtourismus: Der Ausdruck diskriminiert laut Jury Menschen, „die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu.“

2012

Opfer-Abo: Das Schlagwort hatte Wetter-Moderator Jörg Kachelmann geprägt. Er meinte damit, dass Frauen immer wieder die Opferrolle zugesprochen werde. Die Jury kritisierte, der Begriff stelle Frauen pauschal unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterinnen zu sein.

2011

Döner-Morde: Dieser Begriff war für die Mordserie der rechtsextremistischen NSU-Terroristen verwendet worden. Mit der „sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung“ würden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt, erklärte die Jury.

2010

Alternativlos: Das Wort suggeriere zu Unrecht, dass keine Diskussion mehr notwendig sei.

2009

Betriebsratsverseucht: Damit würden Arbeitnehmer-Interessen in völlig unangemessener Weise als Seuche dargestellt.

2008

Notleidende Banken: Der Begriff stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf.

2007

Herdprämie

Die „Unwort“-Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Die Aktion mit Sitz in Darmstadt will für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen. Neben dieser Jury wählt davon getrennt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das „Wort des Jahres“. Für 2016 entschied sie sich für den Begriff „postfaktisch“.

Die Wörter des Jahres 2016

Platz 1

Postfaktisch

Erst zum zweiten Mal überhaupt hat es ein Adjektiv zum Wort des Jahres gebracht, das erste war 1971 „aufmüpfig“. Die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat insgesamt zehn Wörter oder Wendungen, die den sprachlichen Nerv in den vergangenen zwölf Monaten am meisten getroffen haben, auf ihre Hitliste gestellt.

Platz 2

Brexit

Platz 3

Silvesternacht

Platz 4

Schmähkritik

Platz 5

Trump-Effekt

Platz 6

Social Bots

Platz 7

Schlechtes Blut

Platz 8

Gruselclown

Platz 9

Burkiniverbot

Platz 10

Oh wie schön ist Panama.

Die „Unwort“-Aktion gibt es seit 1991. Zum „Unwort des Jahres 2014“ war die Parole „Lügenpresse“ gewählt worden. Sie wird vor allem vom fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis genutzt. Im Jahr 2013 war „Sozialtourismus“ das „Unwort“, davor „Opfer-Abo“ (2012) und „Döner-Morde“ (2011).

Infografik: Die Unwörter des Jahres | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Von

dpa

Kommentare (14)

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G. Nampf

10.01.2017, 08:56 Uhr

Ich halte es für nicht zweckmäßig, jährlich ein "Unwort" (= linkes Sprachverbot) zu wählen:

Die Bürger dieses Landes lassen sich nicht mehr die Sprache verbieten.

Die Wahl von "Gutmensch" als Unwort des Jahres hat viele Menschen auf die Idee gebracht, es erst Recht zu verwenden.

Herr Heinz Keizer

10.01.2017, 10:30 Uhr

Ich wäre ja eher für "Populismus" gewesen.

Account gelöscht!

10.01.2017, 10:47 Uhr

Wieso?...was ist am Wort "Volksverräter" so schwer zu verstehen....? Ein Politiker, der durch sein Handeln dem Volk schaden zugefügt hat, der ist ein Volksverräter. Ganz einfach, oder?!
Und Merkel hat mit ihrer willkürlichen Öffnung der Deutschen Grenze und ihrer Willkommensparty für illegale Einwanderung das Recht gebrochen und damit Schaden für das Deutsche Volk verursacht. Somit ist Merkel ganz einfach eine Volksverräterin.

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