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15.09.2017

12:33 Uhr

Deutscher Buchpreis

Warum Hitlisten weniger bringen als gedacht

Ob ein Buch sich verkauft, hängt nicht nur davon ab, ob es auf einer Shortlist steht. Wichtig ist auch, ob die Buchhandlungen es gut platzieren. Gerade da hapert es bei Werken, die für den Buchpreis ausgewählt wurden.

Sechs Romane, die es auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft haben. Von oben nach unten: "Außer sich" von Autorin Sasha Marianna Salzmann, "Die Kieferinseln" von Autorin Marion Poschmann, "Die Hauptstadt" von Autor Robert Menasse, "Romeo oder Julia" von Autor Gerhard Falkner, "Das Floß der Medusa" von Autor Franzobel und "Schlafende Sonne" von Autor Thomas Lehr. dpa

Shortlist für den Deutschen Buchpreis

Sechs Romane, die es auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft haben. Von oben nach unten: "Außer sich" von Autorin Sasha Marianna Salzmann, "Die Kieferinseln" von Autorin Marion Poschmann, "Die Hauptstadt" von Autor Robert Menasse, "Romeo oder Julia" von Autor Gerhard Falkner, "Das Floß der Medusa" von Autor Franzobel und "Schlafende Sonne" von Autor Thomas Lehr.

DüsseldorfSechs Autoren können sich freuen. Ihre Bücher wurden auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis platziert. Die Liste ist die letzte Etappe, die Schriftsteller bestehen müssen, um den Deutschen Buchpreis in den Händen halten zu können. Der wird, wird jedes Jahr, zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben.

25.000 Euro erhält der Buchpreisträger – und damit viel Aufmerksamkeit von Handel und Medien. Dass über die Shortlist-Autoren so viel berichtet wird, kann Christoph Grieger erklären. Er ist selbstständiger Verkaufsberater und hält den Buchpreis vor allem für ein gut durchdachtes Marketing-Instrument. „Es wird mehr von einer Ware nachgefragt, wenn man das Angebot verknappt“, so Grieger.

Erklären kann man das laut Grieger so: Bücher würden über das Qualitäts-Kriterium verkauft. Wenn die Buchpreis-Jury aus 174 Romanen die 20 besten für die Longlist auswählt, sende das schon ein starkes Signal an die Käufer. Verknappe man das Angebot nochmal auf sechs Finalisten, wirke sich das erneut auf die Verkaufszahlen aus.

Deutscher Buchpreis: Die Sechs von der Shortlist 2017

Gerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag)

Der Roman Romeo oder Julia (Berlin Verlag) handelt von Schriftsteller Kurt Prinzhorn, dem seltsame Dinge passieren. Das Puzzle löst sich erst durch Zufall auf – und führt Prinzhorn weit in die eigene Biographie zurück.

Franzobel: Das Floß der Medusa

Der Untergang der Medusa war die größte Schiffskatastrophe des 19. Jahrhundert. Franzobel beschäftigt sich in seinem Roman mit der Frage: Was bedeutet Moral, was Zivilisation, wenn es um nichts anderes geht als ums bloße Überleben?

Sasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp)

Die Heldin heißt Alissa beschäftigt sich mit dem Gedanken der transgenerativen Weitergabe von Identität durch die Vererbung von Verletzungen und Gewohnheiten. Dafür führt sie ihr Weg nach Moskau.

Marion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp)

Gilbert Silvester, Privatdozent und aktuell an Männerbärten forschend, hat geträumt, dass ihn seine Frau Mathilda betrügt. Da sie ihn ohnehin verlassen wird, kann er auch direkt gehen. Kurzerhand bucht er einen Flug nach Japan.

Thomas Lehr: Schlafende Sonne

Entlang der Biografie seiner Hauptfigur, der in der DDR aufgewachsenen Starkünstlerin Milena Sonntag, erzählt Lehr auf 640 Seiten von den politischen, ästhetischen und wissenschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts.

Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp)

In Brüssel laufen die Fäden zusammen - und ein Schwein durch die Straßen. Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europaischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie?

Verkaufsberater Grieger: „Das ist ein Qualitätsbooster, auf den Menschen reagieren. Sie können nun aus zwanzig schon guten Büchern die besten sechs auswählen – zum selben Preis.“ Außerdem würden die Titel durch die gestaffelte Wahl zum Buchpreisträger öfter genannt. So blieben die Autoren in Erinnerung.

Schaut man auf die Zahlen, zeigen sich tatsächlich erhebliche Auswirkungen. So hatte die Frankfurter Verlagsanstalt vor dem Buchpreis 23.000 Exemplare von Bodo Kirchhoffs Buch „Widerfahrnis“ verkauft. Nach der Auszeichnung waren es 150.000 – sechsmal so viele. Aber auch schon der Platz auf der Shortlist scheint die Leser zum Kauf zu ermutigen.

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Ob Côte d’Azur, Jakobsweg oder die deutschen Alpen: Krimis aus Reiseregionen gelten in Buchverlagen als Hit. In dem Eifelörtchen Hillesheim sind die Literatur-Touristen längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Nach Angaben des Verlages Jung & Jung wurden von Eva Schmidts Buch „Ein langes Jahr“ nach der Platzierung 8000 Stück verkauft – ebenfalls sechsmal so viele. „Auch jetzt werden alle Augen auf die sechs Finalisten gerichtet sein“, sagt FAZ-Literaturkritiker Andreas Platthaus. Doch nicht alle Verlage sind von der Marketing-Wirkung der Shortlist überzeugt.

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