MenüZurück
Wird geladen.

09.08.2018

15:43 Uhr

Kunstinvestment

Die Fine Art Group expandiert nach Deutschland

VonSabine Spindler

Das britische Unternehmen Fine Art Group gehört zu den führenden Unternehmen, die in Kunst investieren. Nun will es auch in Deutschland Fuß fassen.

Philip Hoffman, CEO der Fine Art Group, posiert vor Roy Lichtensteins Emaille-Siebdruck „Wasserlilien mit Wolke“ (1992). Fine Art Group, VG Bild-Kunst, Bonn

Philip Hoffman

Philip Hoffman, CEO der Fine Art Group, posiert vor Roy Lichtensteins Emaille-Siebdruck „Wasserlilien mit Wolke“ (1992).

München„Die größte Veränderung der letzten 20 Jahre erlebte der Kunstmarkt dadurch, dass der Kauf eines Kunstwerks als Investition verstanden wird.“ So äußerte sich der Kunstmarktkenner Philip Hoffman kürzlich auf einer Podiumsdiskussion zum Wert der Kunst im Münchner Auktionshaus Karl & Faber.

Hoffman ist Gründer und CEO der in London ansässigen Art Investment Firma Fine Art Group. Sein Auftritt in München war nicht ohne Hintergedanken. Das Unternehmen, das eigenen Angaben zufolge derzeit Vermögenswerte in Höhe von 500 Millionen US-Dollar von Klienten in über 20 Ländern betreut, will seine Aktivitäten auch auf Deutschland, die Schweiz und Österreich ausweiten. Das würde auch bedeuten, dass es nach neuen Investoren sucht.

Ein Zwerg im internationalen Vergleich

Im Vergleich zu China und dem Nahen Osten, wo das Interesse an europäischer Kunst gewachsen und das britische Unternehmen bereits involviert ist, ist der deutsche Kunstmarkt ein Zwerg. Nur zwei Prozent des weltweiten Umsatzes von 63,7 Milliarden Dollar wurden laut dem Report The The Art Market Basel für das Jahr 2017 in Deutschland realisiert.
Aber Deutschlands Sammler haben in den letzten 50 Jahren bedeutende Kollektionen mit Werken von Picasso bis Warhol zusammengetragen. Und deutsche Künstler wie Albert Oehlen, Günter Uecker, Gerhard Richter oder Katharina Grosse genießen internationale Reputation.

Hoffman sieht Potenzial sowohl als Kunstberater als auch auf anderen Geschäftsfeldern. „Kunst nicht nur als Liebhaberwert, sondern auch als Asset zu sehen, wird auch in Deutschland von einer jüngeren Sammlergeneration nicht als Gegensatz, sondern als komplementär gesehen“, sagte er dem Handelsblatt. Einige vermögende Familien in München und Frankfurt seien bereits an das britische Unternehmen herangetreten.

Tefaf Report 2018: Die Kunst zu finanzieren

Tefaf Report 2018

Die Kunst zu finanzieren

Der neue Tefaf-Art-Market-Report widmet sich nicht mehr dem Gesamtmarkt. 2018 stellt er Kunst als Objekt von Finanztransaktionen vor. Ein Trend, der in den USA erstarkt, aber in Europa noch nicht angekommen ist.

Schätzungen zufolge werden weltweit 50 Prozent aller Kunsttransaktionen von der Art-Finance-Industrie getätigt. Art Consultant ist da nur ein bescheidener Service, den auch viele deutsche Kunstberater anbieten.

Rendite ist das große Ziel und Versprechen der Fine Art Group. Schon 2001, als das Unternehmen als Fine Art Fund Group gegründet wurde, legte es mit Hilfe finanzstarker Investoren Kunstfonds auf.

Wie sehr Kunstfonds von der Liquidität und damit von der Bereitschaft ihrer Investoren abhängen, zeigte sich in der Bankenkrise 2008. Etwa 40 Prozent der Anfang des neuen Jahrtausends zahlreich gegründeten Kunstfonds wie etwa der „Art Trading Fund“ mussten wieder schließen, schätzte zwei Jahre nach der Lehman-Brother-Pleite die Londoner Beratungsfirma Fine Art Wealth Management. Die Geldgeber waren selbst in die Bredouille geraten.

Nach dem Finanzmarktcrash wurde es etwas stiller um die vermeintliche Investitions-Goldgrube. Der Fine Art Group wird nachgesagt, dass sie ihre Transaktionen geheim hält. Der in den Medien zitierte Verkauf von Peter Doigs Gemälde „Iron Hill“, das für 880.000 Dollar angekauft und für 2 Millionen Dollar bei Sotheby´s veräußert wurde, liegt mehr als zehn Jahre zurück.

In welchen Dimensionen die Gruppe aktiv ist, verrät eine Umsatzzahl: Im Jahr 2016 hat die Fine Art Group bei Christie´s und Sotheby´s als einer der zehn Top-Kunden dieser Häuser nach eigenen Angaben fast 300 Millionen US-Dollar umgesetzt.

Inzwischen setzt das Unternehmen nicht nur auf die klassischen Kunstfonds mit Impressionisten, Moderne und zeitgenössischer Kunst. Es zählt mit seinen Garantie-Funds auch zu den sogenannten Garantiegebern des Auktionsgeschäftes. Damit werden Einlieferern spektakulärer Werke vor der Auktion bestimmte Summen zugesichert. Der Profit liegt in den Beträgen, die über diese Garantie hinaus erzielt werden.

Raubkunst: Wenn Museen bewusst die Herkunft von Gemälden verschleiern

Raubkunst

Wenn Museen bewusst die Herkunft von Gemälden verschleiern

Deutsche Museen haben jahrzehntelang die Augen verschlossen, wenn es um die Herkunft ihrer Schätze ging. Kenner fordern jetzt ein verpflichtendes Gesetz.

Dass Kunst im extrem hochpreisigen Bereich ein profitables Geschäftsfeld sein kann, reizt auch deutsche Investoren. Philipp Hoffman sagte im Gespräch: „Unternehmen sind bisher vorwiegend an uns herangetreten im Rahmen ihrer Investmentaktivitäten, da wir in diesem Bereich durchaus nennenswerte Renditen erzielt haben.“

In einem Informationspapier spricht das Unternehmen von 13 Prozent Effektivzins pro Jahr im Hinblick auf die Summe aller Investitionen. 90 Prozent aller Geschäfte seien erfolgreich.

Kunst kann beliehen werden

Hoffmann zufolge stößt in Deutschland das vorwiegend in den angelsächsischen Ländern praktizierte kunstgestützte Kreditwesen, auch Art-backed lending genannt, auf großes Interesse. Konkret: Kunst mit Investment-Qualität und im Wert von 500.000 bis 5 Millionen US-Dollar kann bei der Fine Art Group beliehen werden.

Laut Ex-Verleger Andreas Langenscheidt, der seit gut drei Jahren im Firmen-Beirat sitzt, betragen die Zinsen sechs bis sieben Prozent. Finanziert wird dieser Bereich unter anderem von der Art-Backed Lending Company, einer auf den Cayman-Inseln registrierten Firma mit einem Finanzvolumen von 150 Millionen US-Dollar. Anders Petterson von der Beratungsfirma ARTTactic schätzt laut Tefaf-Art-Market-Report 2018 den weltweit kunstgestützten Kreditmarkt auf 17 bis 20 Milliarden Dollar (Siehe HB online vom 4.5.2018).

Deutschland sieht die Fine Art Group als einen ihrer Top-5-Märkte. Insider betrachten die Expansionspläne eher mit Skepsis. Frank M. Berndt, Kunstvermittler in Köln, sagte dem Handelsblatt: „Es gibt hierzulande immer noch die starke Bindung an den Galeristen. Und Sammlungsberatung durch externe Firmen hat durch den Fall Achenbach einen sehr schlechten Ruf erhalten.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×