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14.06.2018

18:51 Uhr

Kunstversteigerung

Polke-Fotografie avanciert zum heimlichen Star bei Münchener Auktion

VonSabine Spindler

Werke deutscher Zeitgenossen haben dem Münchner Versteigerer Karl & Faber beachtliche Erlöse eingebracht. Dabei spielte auch Timing eine wichtige Rolle.

Die übermalte Fotoarbeit (84 x 118,5 cm) von 1974 ließ ihre Schätzung schnell hinter sich und erzielte 400.000 Euro (inkl. Aufgeld). Karl & Faber; VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Sigmar Polkes „Quetta“

Die übermalte Fotoarbeit (84 x 118,5 cm) von 1974 ließ ihre Schätzung schnell hinter sich und erzielte 400.000 Euro (inkl. Aufgeld).

MünchenSigmar Polkes übermalte Fotografie „Quetta“ war am 6. und 7. Juni 2018 nicht das höchst dotierte Los von Karl & Faber. Aber es war schon im Vorhinein der heimliche Star der Auktionen mit zeitgenössischer Kunst und Klassischer Moderne. Das Bild entstand auf einer Reise in Afghanistan. Doch erst 1974 wurde daraus ein Kunstwerk, auf dem die zeitgenössische Malerei die traditionelle Reisefotografie durchkreuzt.

Die vieldeutigen Werke aus der Afghanistan-Serie sind selten auf dem Markt. Dass der Preis bei der Schätzsumme von 200.000 Euro bleibt, war kaum zu erwarten. Erst bei einem Erlös von 400.000 Euro (alle Preise inkl. Aufgeld) konnte das atmosphärische Bild von den Ausmaßen eines Gemäldes vom Museum für Gegenwartskunst Siegen übernommen werden. Dort wird es Teil der privat aufgebauten Sammlung Lambrecht-Schadeberg.

Werke deutscher Zeitgenossen haben dem Münchner Versteigerer noch einige beachtliche Erlöse eingebracht. Für 350.000 Euro ging eine kleine Leinwand Gerhard Richters aus der 115 Werke umfassenden Serie „Grün-Blau-Rot“ an einen asiatischen Sammler. Der Zuschlag erfolgte unter der Taxe. Und für 175.000 Euro wird demnächst das rätselhafte, 1987 auf Velin entstandene Bild „Ohne Titel (Auge)“ von Albert Oehlen in die USA verschifft. Der Schätzpreis lag bei 120.000 Euro.

Zuschlag zum richtigen Moment

Oehlen ist für seine kryptischen Motive bekannt. Der Zuschlag ist umso erstaunlicher, da das Bild vor einem halben Jahr das Cover eines anderen Münchner Auktionshauses zierte und nicht verkauft wurde. „Es ist wichtig, die Aufmerksamkeit der Sammler im richtigen Moment zu erwischen.“, kommentierte Rupert Keim, Geschäftsführer von Karl & Faber, dieses Phänomen.

Die Erfahrung des richtigen Timings machte Karl & Faber gleich ein weiteres Mal. Bei der Klassischen Moderne realisierte er mit dem energisch gemaltem Blumenstück „Tulpen Flieder und Calla“ von Lovis Corinth 337.000 Euro (Taxe: 250.000 Euro). Das Gemälde von 1915, das erst kürzlich in einem Kölner Auktionshaus durchfiel, gehört nun einem norddeutschen Sammler.

Interesse aus Asien rief nicht nur Gerhard Richter, sondern auch Jean Metzingers scharfkantig gemaltes Stillleben „Nature morte, miroir et masque“ von 1927 hervor. Das Gemälde, das vor fast 30 Jahren in diesem Auktionshaus 250.000 Mark erzielte, sicherte sich aber gegen die Konkurrenz aus Singapur ein süddeutscher Sammler für 150.000 Euro.

Die Bronze „Schlangenbändigerin“  (H: 145,5 cm) von Fritz Klimsch erforderte einen Einsatz von 127.000 Euro (inkl. Aufgeld). Neumeister, Christian Mitko, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Mit symbolistischer Note

Die Bronze „Schlangenbändigerin“  (H: 145,5 cm) von Fritz Klimsch erforderte einen Einsatz von 127.000 Euro (inkl. Aufgeld).

Die Rückgänge von Werken Gabriele Münters und Max Liebermanns erklärte Rupert Keim mit zu hohen Erwartungen der Einlieferer. „Die Nebenthemen sind für viele Sammler lukrativer.“ Frantisek Kupkas Aquarell „Geometrische Komposition“ etwa kletterte von taxierten 9.000 auf 35.000 Euro.

Dank guter Steigerungen im vier- und fünfstelligen Bereich bilanziert Karl & Faber mit einem Gesamtergebnis von 5,2 Millionen Euro eine solide Auktion. Damit liegt die wertbezogenen Quote bei ca. 75 Prozent, die losbezogenen Quote bei etwa 76 Prozent.

Die amerikanische Pop Art und eine Malerin aus Georgien bildeten im Auktionshaus Neumeister die preisliche Spitze. Hier wurden am 8. Juni „Postwar & Contemporary Art“ versteigert. Nicht ganz 37.000 Euro erzielte Andy Warhols Farbserigraphie „Flowers“. 50.000 Euro musste ein Interessent für das im Stil an die Malerei Wassily Kandinskys angelehnte Gemälde „Autumn“ von Natela Iankoshwili von 1979 investieren. Das Angebot war nur durch wenige Glanzlichter gekrönt.

Die interessanteren Offerten waren im Katalog Klassische Moderne zu finden. Gleich zu Beginn engagierten sich mehrere Telefonbieter für Fritz Klimschs Frühwerk „Die Schlangenbändigerin“ von 1899. Die Bronze wurde für 127.000 Euro weitergereicht (Taxe: 60.000 Euro).Gabriele Münters „Dorfstraße“ aus der progressivsten Murnauer Zeit war umkämpft und erzielte 228.600 Euro. Eine gute Steigerung brachte Josef Scharls neusachliches, subtiles Porträt „Das Monokel“ aus den 1920er Jahren mit 25.400 Euro.

Etwa 55 Prozent der 145 Lose der Klassischen Moderne konnte Neumeister absetzen. Gut zwei Drittel der Verkäufe bewegte sich unterhalb der 10.000-Euro-Grenze.

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