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23.04.2017

21:30 Uhr

Winebank

Weine hinter Gittern

VonJürgen Röder, Christoph Kapalschinski

Der Rheingauer Winzer Christian Ress expandiert europaweit mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee: Der Winebank – ein Business-Club rund um das Thema Wein. Mit einem klassischen Lagerraum für Weine hat das nichts zu tun.

Ungewöhnliche Geschäftsidee

So funktioniert die Wine-Bank

Ungewöhnliche Geschäftsidee: So funktioniert die Wine-Bank

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HamburgDer Keller der einstigen kaiserlichen Hauptpost in Hamburg birgt flüssige Schätze: Weinflaschen liegen hinter Gittern, eingepfercht in dunkelgraue Schließfächer bei ziemlich exakt 17 Grad. Zugang gibt es nur mit einer speziellen Chipkarte – das aber rund um die Uhr.

Die Winebank ist eine ungewöhnliche Geschäftsidee des Rheingauer Winzers Christian Ress. Seine Familie keltert bereits seit Gründung des Kaiserreichs Riesling. Der Chef in der fünften Generation, ein studierter Betriebswirt, baut das Geschäft aus: Einmal – ganz klassisch – durch bessere Qualität im Weinbau und die Umstellung auf Öko-Anbau. Andererseits investiert er ins Marketing: Bald startet ein eigener Online-Shop mit aufwendigen Video-Clips. Immer mehr zum zweiten Standbein entwickeln sich seine Winebanks. Sieben Standorte gibt es bereits, mindestens zwei – in Köln und auf Mallorca – kommen 2017 hinzu.

Am Mittwochabend erläuterte Rees sein Konzept vor Mitgliedern des Handelsblatt Clubs in der Hamburger Filiale zusammen mit dem dortigen Franchise-Nehmer Johannes Leusch. „Die Idee kam mir 2009 auf einer Flugreise. Ich habe von mir selbst auf meine Kunden geschlossen“, erzählte er. Er habe einen Ort gesucht, an dem Wein rund um die Uhr genossen – und gelagert – werden kann. Heraus gekommen sind die Winebanks an architektonisch interessanten Orten: etwa alten Weinkellern oder eben dem alten Postamt. Mit einer klassischen Wein-Bank, also einem Lagerraum für teure Weine, hat das wenig zu tun.

„Für diejenige Leute, die ihren Wein 20 Jahre lagern wollen, ist das nichts. Herausgekommen ist vielmehr ein Business-Club rund um das Thema Wein“, sagte Ress. Unternehmer könnten dorthin etwa ihre Kunden nach einem Geschäftsessen mitbringen. „Das ist dann das i-Tüpfelchen auf einem gelungenen Abend.“ Andere Clubmitglieder nutzen den Schankraum als Treffpunkt. „Man lernt hier super-interessante Leute kennen. Da geht es nicht nur um Wein – in einen Golfclub geht man ja auch nicht nur wegen des Sports“, sagte Ress.

Für seine Expansion sucht er lokale Franchisepartner, die wie Leusch ein eigenes Netzwerk mitbringen. 255 Mitglieder hat Leusch in Hamburg bereits akquiriert. Einige teilen sich davon ein Schließfach, in dem sie ihren Wein deponieren. Dafür können die Nutzer eigene Flaschen mitbringen – wenngleich Ress natürlich auch gern Wein von den 44 Hektar seiner Familie verkauft. Damit zählt das Gut Balthasar Ress zu den größten Familienweingütern Deutschlands.

Er selbst ist vor allem für den Export seiner Weine verantwortlich. Einer seiner größeren Kunden stammt aus Dubai – nicht gerade bekannt für einen hohen Alkoholkonsum. „Wir verkaufen viel am Flughafen des Landes“, erläutert er den anfänglichen Widerspruch.

Die wichtigsten Rotwein-Rebsorten in Deutschland

Spätburgunder

Was der Riesling qualitativ für die Weißweine bedeutet, verkörpert der Spätburgunder oder Pinot Noir unter den Rotweinen: die Spitze. In Deutschland sind 11.787 Hektar Rebfläche (Stand 2016) mit der Sorte Spätburgunder bestockt, das entspricht einem Anteil von 11,5 Prozent an der Gesamtrebfläche. Traditionell werden die besten Spätburgunder aus hochreifen Trauben gewonnen. Der Anbau der Rebsorte verlangt sehr viel Sorgfalt und stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. Seine Farbe ist rubinrot bis granatrot. Sein Geschmack erinnert an Brombeeren, Kirschen, Erdbeeren, Holunder und Pfeffer. Der Geschmack ist etwas gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.

Dornfelder

Längst ist die Neuzüchtung von 1955 zu einem deutschen Rotweinklassiker gereift und erfreut sich seit Jahren einer immensen Nachfrage. Heute sind 7741 Hektar mit der roten Traube bestückt (Stand 2016), das sind 7,6 Prozent der deutschen Rebfläche. Es gibt zwei unterschiedlich Ausbaustile. Der ersten betont die Fruchtaromen und wird jung auf den Markt gebracht. Andere Winzer bauen den Dornfelder im großen oder kleinen Holzfass aus und betonen mehr die Gerbstoffe. Die Farbe ist violett bis schwarzrot und sehr farbdicht, das Aroma erinnert an Holunder und Brombeeren. Der Geschmack ist gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.

Portugieser

Der Portugieser gilt als unkomplizierter, fruchtiger und frischer Wein für jeden Tag. Die Trauben sind im Alkohol meist leichter als andere Rotweine. Bei deutlicher Ertragsreduzierung sind auch tiefrote, füllige und kraftvolle Rotweine möglich. Die Anbaufläche liegt bei 3064 Hektar, rund drei Prozent der gesamten deutschen Rebfläche. Die Farbe ist hell- bis rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren und Erdbeeren. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper leicht bis mittelkräftig.

Trollinger

In Württemberg ist der Trollinger die meistangebaute Rotweinsorte und hat sich zu einem „schwäbischen Nationalgetränk“ entwickelt. Es ist ein frischer und unkomplizierter Wein für jeden Tag. Eine gewisse Restsüße verleiht den harmonischen Trinkweinen zusätzliche Süffigkeit. In der warmen Zeit sollte man Trollinger unbedingt leicht gekühlt servieren. Die Rebsorte wird auf einer Fläche von 2230 Hektar angepflanzt (Stand 2016, 2,2 Prozent der gesamten Anbaufläche). Die Farbe ist ziegelrot bis helles rubinrot, das Aroma erinnert an Erdbeeren, Johannisbeeren und Kirschen. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper (Gehalt) leicht bis mittelkräftig.

Schwarzriesling (Müllerrebe)

Insbesondere bei den Württembergern, aber nicht nur dort, erfreut sich der Schwarzriesling großer Beliebtheit. In offiziellen Rebsortenlisten findet man die Bezeichnung „Müllerrebe“. In Frankreich heißt die Müllerrebe „Pinot Meunier“ und gehört zu den drei Champagnerrebsorten. In Deutschland beschränkt sich der Schwarzriesling-Anbau weitgehend auf Baden-Württemberg. Dennoch erreicht die Sorte einen Anteil von zwei Prozent der deutschen Rebfläche (1995 Hektar).Die Farbe ist rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren, Kirschen, Himbeeren und Brombeeren. Der Geschmack weist mittlere Gerbstoffe auf, der Körper ist mittelkräftig und gehaltvoll.

Anhand eines Rundgangs sahen die Handelsblatt-Leser, wie unterschiedlich die Schließfächer von den Mitgliedern genutzten wurden. In manchen lagerten einfache Weine mit einem Wert um die zehn Euro, es war aber auch ein Chateau Petrus aus dem Jahr 1949 zu sehen. Solch ein Wein wurde zuletzt auf einer Aktion für 3300 Euro verkauft. Aber auch einige Weinhändler hatten ein Fach gemietet, um gezielt ihr Kunden anzusprechen.

Bei einer Weinprobe mit sechs Rieslingen führte Ress die Clubmitgliedern fachkundig und verständlich vom einfachen Cuvee über einen ausgefallenen Landwein bis hin zur edlen Großen Lage aus den Weinkellern seines Guts. Für den Winzer gibt es keine anderes Land weltweit, das besseren Riesling als Deutschland erzeuge. „Deutschland bietet mit seinem kühleren Klima beste Bedingungen für diese Rebsorte“, erläuterte er.

Diese Degustation gestaltete Ress vor dem interessierten Handelsblattpublikum zu einer Art kompakter, anschaulicher Weiterbildung. Von den unterschiedlichen Gärmethoden bis hin zu Herstellung von Schaumweinen erstreckte sich das Repertoire.

Die wichtigsten Weißwein-Rebsorten in Deutschland

Riesling

Riesling ist unbestritten die deutsche Vorzeige-Rebsorte und gehört zu den wirtschaftlichen Stützen der Weinwirtschaft. Mit einer Rebfläche von 23.700 Hektar (23,1 Prozent der gesamten Anbaufläche, Stand 2016) besitzt Deutschland die größte Rieslingrebfläche weltweit und verweist somit Australien und Frankreich mit großem Abstand auf die Plätze zwei und drei. Die Farbe des Rieslingweins ist grünlich gelb bis hell goldgelb. Sein Aroma erinnert an Äpfel, Pfirsiche oder Aprikosen. Geschmack: feinfruchtig, meist säurebetont. Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Müller-Thurgau (Rivaner)

2In der deutschen Weinlandschaft gab der Müller-Thurgau seine Führungsposition in den 1990er Jahren an den Riesling ab. Doch mit einem Flächenanteil von 12,3 Prozent (Stand 2016) hat der Rivaner nach wie vor eine überragende Bedeutung im deutschen Weinbau. Dass er heute auf ca. 12.623 Hektar wächst, verdankt er unter anderem seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und seiner Zugänglichkeit auf für Nichtweinkenner. Die unkomplizierten Müller-Thurgau-Weine sind geschmacklich leicht zugänglich. Meist sind es jugendliche. Leichte und frische Weine für jeden Tag. Farbe: helles Gelb, Aroma: erinnert an zarte Kräuter, Äpfel und Birnen. Geschmack: säuremild. Körper, Gehalt: mittelkräftig.

Grauburgunder

Grauburgunder zählt zu den besten Sorten in Deutschland. Hier hat die Rebsorte wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland nach Italien und den USA an dritter Stelle im Grauburgunderbereich. Zur Zeit sind mehr als 6170 Hektar – das entspricht sechs Prozent der deutschen Rebfläche (2016) – mit dieser Sorte bestockt. Farbe: farbintensiv, hell- bis goldgelb, Aroma: erinnert an Mangos, Nüsse, Mandeln. Der Geschmack ist mild bis säurebetont, der Körper (Gehalt) kräftig und gehaltvoll.

Weißburgunder

Weißburgunder zählt zusammen mit dem Grauburgunder zu den Weißweinsorten mit der derzeit größten Rebflächenzunahme. Mehr als 5160 Hektar oder fünf Prozent der deutschen Rebfläche sind montan mit der Sorte bestockt. Weißburgunder, trocken ausgebaut, mit frischer Säure und feiner Frucht sind ideale Menüweine, aber auch leichte Sommerweine. Farbe: hell- bis strohgelb. Geschmack: etwas säurebetont. Das Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen, Mangos, Nüsse und Quitten, der Körper (Gehalt) ist mittelkräftig.

Silvaner

,Silvaner galt bis Mitte des Jahrhunderts als wichtigste deutsche Rebsorte; mehr als jede zweite Rebe war ein Silvanerstock. Der kontinuierliche Anbaurückgang der letzten Jahrzehnte, insbesondere zugunsten des Müller-Thurgaus, ließ den Flächenanteil auf derzeit 4,8 Prozent (Jahr 2016) sinken. Insgesamt werden 4900 Hektar mit diesen Rebsorten bepflanzt. Silvanerreben liefern im Duft eher verhaltene Weine mit einer milden Säure. Farbe: sehr helles bis intensives Gelb, Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen oder frisches Heu, Geschmack: milde bis mittlere Säure, Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

„Woran erkennt man eine Schaumwein-Flasche, die nach Champagnerart hergestellt wurde, also mit einer Gärung in der Flasche?“, fragter er. Um gleich die Antwort zu geben: Der Hals ist wie eine Bierflasche, weil sie während der Gärung mit einem Kronkorken verschlossen wird. Erst später komme komme der Korkkorken zum Einsatz. Champagner und Kronkorken, das war für die Handelsblattleser neu.

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