Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

26.09.2021

08:27

Annalena Baerbock im Fokus

Lebenslauf, Biografie und politische Karriere der Kanzlerkandidatin der Grünen

Nach 16 Jahren Angela Merkel wollten die Grünen die nächste Bundeskanzlerin stellen: Annalena Baerbock. Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten und Hintergründe zur Person.

Die Grünen-Chefin will Kanzlerin werden. dpa

Annalena Baerbock

Die Grünen-Chefin will Kanzlerin werden.

Düsseldorf Im Frühjahr sah es so aus, als würden die Grünen auf jeden Fall im Herbst ins Kanzleramt einziehen. Die Umfragewerte haben sich gedreht, die SPD liegt überraschend vorn. Wer also Angela Merkel beerbt, ist auch nach der Wahl noch offen.

Bei den TV-Triellen trafen die Spitzenkandidaten Olaf Scholz (SPD), Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock aufeinander. Sie war klar und freundlich, wieder fokussiert. Zuvor ist Baerbock wegen verschiedener Fehltritte und vermeidlicher Plagiatsvorwürfe in die Kritik geraten.

Aber wer ist die Frau, die erstmals die Grünen auf eine Kanzlerschaft hoffen lässt? Ein Überblick über ihre politische Karriere, ihre Fehltritte und ihre Familie.

Drei Fakten zu Annalena Baerbock

  • Derzeitiges Amt: Bundesvorsitzende der Grünen
  • Parteimitgliedschaft: seit 2005 bei den Grünen
  • Familienstand: verheiratet
Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Annalena Baerbock: Lebenslauf und politische Ämter

    seit 27.01.2018Parteivorsitzende Bündnis 90/Die Grünen
    2013 bis 2017Sprecherin für Klimapolitik und der Landesgruppe Ost, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie und im EU-Ausschuss, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
    2012 bis 2015Mitglied des Parteirats
    seit September 2013Mitglied des Deutschen Bundestags
    2009 bis 2013Parteivorsitzende in Brandenburg
    2009 bis 2012Vorstandsmitglied der Europäischen Grünen Partei
    2008 bis 2009Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik der Bundestagsfraktion
    2005 bis 2008Büroleiterin der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter
    2000 bis 2005Studium Politikwissenschaften, Recht und Wirtschaft

    Quelle: Partei

    Politisches Leben und Gehalt von Annalena Baerbock

    Annalena Baerbock ist so alt wie die Grünen: 40 Jahre. Seit Ende Januar 2018 bildet sie mit Robert Habeck die Grünen-Parteispitze, seit 2013 sitzt sie im Bundestag. Laut Webseite des Deutschen Bundestags verdient sie als Abgeordnete 10.083,47 Euro brutto pro Monat. Hinzu kommt eine jährliche Pauschale in Höhe von 4560,59 Euro für den zweiten Wohnsitz in Berlin, Büromaterial im Wahlkreis und Kosten der Wahlkreisbetreuung.

    Bei den Wahlen im Herbst tritt sie in Potsdam als Direktkandidatin gegen den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz an. Die Spitzenkandidatur wollte sie unbedingt. Im Dezember hatte Baerbock zu Protokoll gegeben, dass sie sich nicht nur die Kandidatur, sondern auch das Kanzleramt zutraue. Wenn es in der Politik mal anstrengend werde, helfe ihr als ehemaliger Leistungssportlerin die Erinnerung ans Trampolinspringen und ihren „Mut, sich immer wieder zu überwinden, Neues zu wagen“.

    Studiert hat sie Politikwissenschaften und öffentliches Recht in Hamburg, später noch Völkerrecht in London. Sie arbeitete in Straßburg und Brüssel, war Parteivorsitzende in Brandenburg sowie Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik, später Sprecherin für Klimapolitik der Grünen-Bundestagsfraktion in Berlin. Regierungserfahrung hat sie nicht.

    Sie ist thematisch breit und tief aufgestellt, Kollegen in Partei und Fraktion loben ihre inhaltliche Kompetenz, mit der sie auch die Wirtschaft beeindruckt – obwohl viele Unternehmer ihre Skepsis gegenüber den Grünen noch nicht ganz abgelegt haben.

    Sie brenne für eine Wirtschaft, „die sich neu erfindet“, heißt es in der Partei. Baerbock bezeichnet die deutsche Industrie schon mal als „das Rückgrat für unseren Wohlstand“. Die Grünen haben ihr Verhältnis auch zur energieintensiven Industrie in den vergangenen Jahren deutlich entspannt.

    Längst tauschen sie sich regelmäßig mit Unternehmern aus, etwa über ihren Wirtschaftsbeirat. Versöhnung von Ökologie und Ökonomie – das ist längst nicht nur das Credo von Baden-Württembergs grünem Regierungschef Winfried Kretschmann.

    Der Versuch einiger Delegierten, den Begriff der „sozial-ökologischen Marktwirtschaft“ im Grundsatzprogramm durch „sozial-ökologisches Wirtschaften“ zu ersetzen, scheiterte auf dem Parteitag im November 2020 – das ist auch ihr zu verdanken. Ebenso wenig wurde infrage gestellt, dass wirtschaftliches Wachstum nötig und erstrebenswert ist – auch, um die Klimaziele zu erreichen.

    Baerbock wird als sachorientiert und extrem interessiert und hartnäckig beschrieben, sie wisse, wovon und worüber sie redet. „Sie fragt so lange nach, bis sie einen Punkt wirklich verstanden hat“, heißt es in der Fraktion. „Sie lässt sich nicht abspeisen und geht bis zur Schmerzgrenze, wo wir uns vielleicht auch mal etwas vormachen.“

    Annalena Baerbock: Politische Fehltritte im Wahlkampf

    Der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber warf Baerbock vor, in ihrem neuen Buch abgeschrieben zu haben – etwa aus frei zugänglichen Quellen im Internet oder dem Magazin „Internationale Politik“. Später stellte sich heraus, dass es sich bei den betreffenden Stellen im Buch um Fakten handelte, die nicht urheberrechtlich geschützt sind. Wahlkampfmanager Michael Kellner sprach von „Rufmord“. Denn Medienwissenschaftler Weber hatte erst im Januar 2021 ebenfalls mit Plagiatsvorwürfen die österreichische Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) zu Fall gebracht.

    Doch die Plagiatsvorwürfe hatten ihre Wirkung und fielen in eine Zeit, in der eigentlich Ruhe in die Grünen-Kampagne eingekehrt war. Baerbock musste sich zuvor mehrmals wegen falscher Angaben in ihrem Lebenslauf erklären und sorgte mit unglücklichen Äußerungen – etwa zum Benzinpreis – für Debatten. Mehr dazu: Pleiten, Pech und Pannen: Entgleitet Baerbock der Grünen-Wahlkampf?

    Zuvor war bekannt geworden, dass Baerbock Sonderzahlungen der Partei verspätet an den Bundestag gemeldet hatte. Partei und Kandidatin mussten zudem Angaben in Baerbocks Lebenslauf korrigieren.

    Die Vorfälle sorgten für sinkende Zustimmungswerte für die Grünen. War die Partei nach Bekanntgabe der Kanzlerkandidatur Ende April noch im Umfragehoch – sie lag sogar vor der CDU –, sind die Grünen während des weiteren Wahlkampfs immer wieder unter Druck geraten. Zuletzt lagen die Umfragewerte der Grünen hinter denen von CDU und SPD. Mehr dazu: SPD baut Vorsprung vor der Union in zwei Umfragen aus

    Leben und Familie von Annalena Baerbock

    Baerbock wuchs in einem Dorf nahe Hannover auf, lebt aber seit Langem in Brandenburg. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder im Grundschulalter. Vor ihrer Kandidatur zur Bundesvorsitzenden hat sie nach eigenen Angaben lange überlegt, „ob das alles überhaupt gehen kann“: zwei kleine Kinder, ein Bundestagsmandat und dann auch noch der Parteivorsitz?

    Am Ende fand sie: Das muss möglich sein. „Für mich hieß das dann aber auch, gleich am Anfang zu sagen: Es gibt Tage, die gehören den Kindern, komme, was wolle“, so erzählt sie es selbst.

    Sie empfahl im Gespräch mit dem Handelsblatt den Blick ins Ausland, etwa nach Neuseeland oder nach Finnland. Die Regierungschefinnen dort haben ebenfalls kleine Kinder. „Meine Kinder wissen, wo mein Zuhause und mein Herz ist“, sagte Baerbock jetzt. „Meine Familie unterstützt mich voll und ganz.“

    Von

    aiv

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×