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15.10.2018

14:53

Bayernwahl

Warum es die FDP in Bayern schwer hat und bis in die Nacht zittern musste

Von: Dana Heide

Die FDP hat nur ganz knapp den Wiedereinzug in den bayerischen Landtag geschafft. Die Gründe dafür sind vielfältig. Insgesamt spricht die Partei von einem Erfolg.

Martin Hagen (Mitte) bei der Wahlparty der FDP nach der Bayernwahl. dpa

Wiedereinzug geschafft

Martin Hagen (Mitte) bei der Wahlparty der FDP nach der Bayernwahl.

Berlin FDP-Chef Christian Lindner sieht müde aus, als er am Montagmorgen nach der Landtagswahl in Bayern vor die Hauptstadtjournalisten in Berlin tritt. Aber er grinst breit – da er weiß, dass auch die Stunden nach der Wahl darüber entscheiden, wie ein Ergebnis interpretiert wird. Für die Liberalen war es bis zum Schluss eine Zitterpartie, ob sie den Wiedereinzug in den bayerischen Landtag überhaupt schaffen.

Um 1.12 Uhr in der Nacht zum Montag sieht es noch sehr knapp aus für die FDP. 89 von 91 Stimmkreisen sind ausgezählt, die Partei liegt bei 5,02 Prozent der gültigen Gesamtstimmen. Dann um 1.15 Uhr kommen die letzten Ergebnisse: Die FDP ist mit 5,1 Prozent ganz knapp wieder zurück im bayerischen Landtag.

Am Morgen danach sitzen Lindner und der bayerische Spitzenkandidat Martin Hagen zusammen in Berlin. Hagen, schlank wie Lindner, kurze Haare, eng sitzender, blauer Anzug, wie Lindner erst Ende 30, wertet den Wiedereinzug als Erfolg – trotz „Herzschlagfinale“, wie er es nennt. Bayern ist traditionell ein schwieriges Land für die FDP. In 37 Jahren, so Hagen, habe es nur zwei Landtagswahlen gegeben, „wo die FDP erfolgreich war“.

Die CSU kann sich nun aussuchen, mit welcher Partei sie regieren will. Es reicht sowohl für eine Koalition mit den Grünen als auch für eine Koalition mit den Freien Wählern. Die FDP werde nicht für eine Regierungsbildung gebraucht, so Hagen. „Der Wähler hat der FDP einen Oppositionsauftrag gegeben.“ Dabei, so betont Lindner, hätte er eine Koalition aus CSU, Freien Wählern und FDP „interessant“ gefunden.

Lindner und Hagen reden dagegen an, dass das äußerst knappe Ergebnis für die FDP in Bayern als Niederlage gewertet wird. Die Prognosen hatten die Partei in den vergangenen Monaten meist zwischen fünf und sechs Prozent gesehen. Manch einer wie der Sprecher der FDP-Fraktion für Forschung und Innovation, Thomas Sattelberger, hatte jedoch Hoffnungen auf ein besseres Abschneiden geäußert. Zumal die Große Koalition und insbesondere die CSU auf Bundesebene ein schlechtes Bild abgegeben hatten. Der größte Teil der CSU-Wähler, die sich für eine andere Partei entschieden, wanderten jedoch zu den Freien Wählern (220.000), Grünen (190.000) und der AfD (160.000), nur 80.000 machten ihr Kreuzchen bei der FDP.

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Warum konnte die FDP nicht mehr CSU-Wähler auf ihre Seite ziehen? Hagen führt personelle Veränderungen bei der bayerischen FDP als Grund dafür an. Auch die „Illusion“, wie FDP-Chef Lindner es nennt, einer sogenannten Regenbogenkoalition in Bayern aus Grünen, FDP, SPD und Freien Wählern habe „manchen verunsichert“. „Uns ist da ein Stück Momentum am Schluss verloren gegangen“, so Lindner. Im Interview mit dem Handelsblatt hatte Lindner der CSU vorgeworfen, diese Option gezielt aus Wahltaktik gestreut zu haben.

Seitdem sie die Verhandlungen für eine Jamaika-Koalition auf Bundesebene abgebrochen hat, kämpft die FDP zudem gegen den Eindruck an, regierungsunwillig zu sein. Beobachter sehen darin eine weitere Ursache für den geringen Anteil der Stimmen für die Liberalen in Bayern. „Dieses Jamaika-Argument werden wir, bis wir wieder in der Bundesregierung sind, immer wieder hören“, sagt Lindner. „Das war uns bewusst, als wir diese Entscheidung getroffen haben.“

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