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15.10.2018

07:25

Das Wahlergebnis in Bayern war für die CSU eine „Katastrophe mit Anlauf“, schreibt der „Standard“ aus Österreich. dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder

Das Wahlergebnis in Bayern war für die CSU eine „Katastrophe mit Anlauf“, schreibt der „Standard“ aus Österreich.

Internationale Presseschau

„Ergebnis der Bayern-Wahl ist eine Katastrophe mit Anlauf“

Von: Michael Stahl

CSU und SPD erleben bei der Bayern-Wahl einen historischen Tiefpunkt. Das Ergebnis beschäftigt Medien weltweit. Eine Auswahl an Reaktionen.

New York Das Ergebnis der Bayern-Wahl hat nicht nur das Bundesland und die gesamte Republik durchgerüttelt. Es fand auch große Beachtung weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus. Die internationale Presse ist sich weitgehend einig: Die desaströsen Ergebnisse von CSU und SPD schwächen die ohnehin bereits angeschlagene Große Koalition in Berlin und deren Chefin Bundeskanzlerin Angela Merkel noch weiter. Ein Überblick.

New York Times – „Politisches Erdbeben“

Die „New York Times“ (NYT) nennt das Wahlergebnis in Bayern ein „politisches Erdbeben“, das nicht nur den eklatanten Abstieg der Großparteien quer durch Europa bestätige. Es sei außerdem ein weiteres Zeichen für die wegbrechende Unterstützung für Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Das „vielleicht interessanteste Ergebnis“ der Wahl am Sonntag ist für die US-Zeitung, dass Anti-Einwanderungs-Slogans bei den Wählern nicht verfingen und weder der AfD noch der CSU den Monate zuvor vorausgesagten Schub in der Wählergunst bescherten. Stattdessen hätten die Grünen mit ihren Forderungen nach offenen Grenzen, liberalen Werten und dem Kampf gegen den Klimawandel viele Stimmen gewinnen können.

„In dem gegenwärtig polarisierenden politischen Klima ist die Wahl in Bayern ein Maß dafür, wie sehr die politischen Gefechtslinien in Deutschland und Europa neu gezeichnet worden sind“, stellt die NYT fest.

Financial Times – „Spektakulärer Fehlschlag“

Die „Financial Times“ (FT) sieht ebenfalls ein Scheitern der christsozialen Wahlkampf-Fokussierung, die sich gegen Einwanderung und offene Grenzen gerichtet hat. Diese Strategie habe sich als „spektakulärer Fehlschlag“ erwiesen, der Zehntausende von moderaten CSU-Wählern zu den Grünen hat wechseln lassen, die ihren Status als aufstrebende politische Macht damit bestätigt habe. Gleichzeitig werfe das desaströse Abschneiden von CSU und SPD ein Schlaglicht auf den wackeligen Untergrund, auf dem sich die Große Koalition befinde, so die FT.

Le Monde – Ende der Dominanz der deutschen Volksparteien

Auch die französische „Le Monde“ hält nach der Bayern-Wahl Implikationen auf Bundesebene für möglich. Das Wahlergebnis könne die Bundesregierung in Berlin implodieren lassen, schreibt die Zeitung. Zumindest eine Gewissheit gebe es nun: Die Wahl markiere das Ende der Dominanz der deutschen Volksparteien und damit auch deren Fähigkeit, absolute Mehrheiten zu gewinnen oder zumindest stabile Regierungskoalitionen zu formen.

Neue Zürcher Zeitung – Bayern auch weiterhin konservativer als der Rest der Bundesrepublik

Für die Schweizer „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) bleibt Bayern auch nach der Wahl das konservativste deutsche Bundesland – trotz des Erfolgs der Grünen. Denn was die CSU verloren habe, „gewannen die Freien Wähler und die rechte AfD hinzu“, schreibt das wirtschaftsliberale Blatt.

Kommentar: Das Ergebnis der Bayernwahl verändert die Tektonik in der deutschen Parteienlandschaft

Kommentar

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Die bayerischen Wähler strafen CSU und SPD bei der Landtagswahl gnadenlos ab. In Berlin taumelt daher die Koalition der Kanzlerin vor sich hin.

Umgekehrt relativiere sich der Triumph der Grünen „mit Blick auf das jämmerliche Abschneiden der Sozialdemokraten“. So gesehen sei es am Sonntag lediglich zu einer Umverteilung der Stimmen innerhalb des bürgerlichen bis rechten Lagers auf der einen und dem linken auf der anderen Seite gekommen. „Am Kräfteverhältnis zwischen den Lagern ändert sich dadurch nichts“, so die NZZ.

Der Standard – CSU muss nun kleinere Brezeln backen

Für den österreichischen „Standard“ ist das Ergebnis in Bayern eine „Katastrophe mit Anlauf“. Sehr viele Wählerinnen und Wähler hätten die CSU einfach satt, obwohl das Land wirtschaftlich boome.

Das „aktionistische Kreuzaufhängen in den Amtsstuben hing ihnen ebenso zum Hals heraus wie das umstrittene Polizeiaufgabengesetz“, analysiert die Zeitung. Unerträglich seien außerdem die gegenseitigen Attacken und peinlichen „Schmuseshows“ von Ministerpräsident Markus Söder und CSU-Chef Horst Seehofer gewesen.

Mit dem Ende der Quasimonarchie für die CSU sei für die Bayern gleichzeitig ein Stück Normalität wahr geworden. Auch im Freistaat müsse man künftig um Kompromisse ringen und als CSU ein paar kleinere Brezeln backen.

Keine Prognose macht der „Standard“ dahingehend, wie sich das Ergebnis auf die Bundespolitik auswirken wird. Jetzt gehe es für die CSU erst einmal „ums Wundenlecken, und das wird noch sehr lange dauern“, schreibt die Zeitung.

Wall Street Journal – Rebellion der Delegierten

Durch das miserable Abschneiden der CSU wird die Unzufriedenheit mit Angela Merkel weiter zunehmen, prognostiziert auch das „Wall Street Journal“. Die Wirtschaftszeitung rechnet mit einer Rebellion der Delegierten, wenn die CDU-Chefin im Dezember zur Wiederwahl antritt.

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