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25.09.2017

15:27 Uhr

Bundestagswahl

So hat Deutschland gewählt

VonKathrin Witsch

Damit hat Deutschland nicht gerechnet: Während Union und SPD eine historische Wahlschlappe erleben, wird die AfD drittstärkste Kraft. Und wirbelt die alteingesessene Parteienlandschaft ordentlich durcheinander.

Petry erteilt AfD-Bundestagsfraktion Absage

„Ich werde der AfD-Fraktion nicht angehören“

Petry erteilt AfD-Bundestagsfraktion Absage: „Ich werde der AfD-Fraktion nicht angehören“

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BerlinDass die Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag einziehen würde, war den meisten klar. Dass sie es aber mit 12,6 Prozent als drittstärkste Kraft tut, das hat am Sonntagabend für Furore gesorgt. Besonders CDU/CSU und SPD haben Stimmen an die rechtspopulistische Partei verloren.

Wie die einzelnen Wahlkreise in Deutschland abgestimmt haben, zeigt aber auch, wo die AfD besonders punkten konnte. Auffällig: Die Partei spaltet das Land wieder in Ost und West. Gut ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall gerät in den neuen Ländern das politische Gefüge aus der Zeit der Wiedervereinigung ins Wanken.

Die CDU unter Angela Merkel konnte sich zwar auch jetzt noch als stärkste Kraft (28,2 Prozent) in den neuen Bundesländern halten, aber die AfD ist im Osten mit 22,5 Prozent nicht weit entfernt. Im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erzielt sie ihr bestes Ergebnis überhaupt: 35,5 Prozent und ein Direktmandat für Frauke Petry. In Sachsen ist die rechtsnationalistische Partei sogar erstmals stärkste Kraft.

Zu verdanken hat die AfD dieses Ergebnis unter anderem 24 Gemeinden, in denen mehr als 40 Prozent der Wähler mit der Zweitstimme AfD wählten. In Dorfchemnitz, im Landkreis Mittelsachsen waren es sogar fast die Hälfte aller Wahlberechtigten. Hier stimmten 47,4 Prozent der Menschen für die AfD. Die Linke, die sich lange als Volkspartei des Ostens präsentierte, hat deutlich verloren und ist in den neuen Bundesländern auf Platz drei gerutscht.

Über die Hintergründe und Erklärungsansätze wird in den kommenden Tagen und Wochen viel debattiert werden. Dass es in Ostdeutschland mehr Sympathien für rechtsradikale Überzeugungen gibt, ist durch Studien belegt. Forscher der Uni Leipzig hielten 2016 fest, dass sich rechtsextreme Einstellungen „grundsätzlich in allen Bevölkerungsgruppen“ finden.

Im Westen zeigt sich trotzdem ein anderes Bild. Hier kommt die AfD auf Rang drei, ganz knapp vor der FDP. Mit fast 34 Prozent schneidet die Union in den alten Bundesländern zwar deutlich besser ab, hat im Vergleich zur letzten Bundestagswahl aber mehr als acht Prozent verloren. Auch die SPD gehört mit einem Verlust von knapp fünf Prozent zu den Verlierern im Westen. Die übrigen Parteien konnten allesamt zulegen, allen voran die AfD (+6,6) und die FDP (+5,8).

Insgesamt sind FDP und AfD klarer Sieger der Bundestagswahlen: Sie konnten in allen Bundesländern teils massiven Zuwachs verzeichnen. Die AfD ist in 13 Ländern sogar die am stärksten gewachsene Kraft. Die FDP sichert sich diese Kategorie zumindest in Hamburg (+ 6 Prozent), Nordrhein-Westfalen (+ 7,9 Prozent) und Schleswig-Holstein (+ 7 Prozent). Die AfD wächst in den meisten Ländern dagegen zweistellig. Am stärksten in Sachsen (+ 20,3 Prozent), Sachsen-Anhalt (+ 15,5 Prozent) und Thüringen (+ 20,6 Prozent), dem Landesverband des umstrittenen AfD-Politikers Björn Höcke.

Aber auch die Grünen zählen zu den Gewinnern der Wahl. Sie konnten mit 9,3 Prozent immerhin ihr zweitbestes Ergebnis seit Gründung einfahren – und vor allem deutlich mehr als die Umfrageinstitute prognostiziert hatten. Ein besseres Ergebnis gab es nur im Jahr 2009. Da wählten fast elf Prozent der Deutschen grün.

Union und SPD hingegen verloren ausnahmslos in jedem Bundesland. Für die Sozialdemokraten besonders bitter: Ausgerechnet in ihrer Hochburg, im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen, fuhren sie dramatische Verluste ein. Im Schnitt verlor sie in Wahlkreisen wie Gelsenkirchen und Unna bis zu sieben Prozent. Insgesamt kam die SPD in NRW auf 26 Prozent (- 6 Prozent). SPD-Landeschef Michael Groschek nannte das Abschneiden der Sozialdemokraten „eine historische Niederlage“. Die Partei sei in einer „existenziellen Krise“. Sie müsse im Bund – wie auch seit einigen Wochen schon in NRW – die Rolle der Oppositionsführerin annehmen.

Kommentare (15)

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Herr Holger Narrog

25.09.2017, 15:44 Uhr

Im Gegensatz zur Autorin kann ich keinen "Rechtsruck" in der Parteienlandschaft erkennen. Die CDU hat unter Merkel Rot-Grüne Positionen eingenommen mit dieser Mehrheit einen Amoklauf unternommen, ein Teil der CDU hat sich als AfD neu formiert und erhält 13% der Stimmen. Ich denke, Linksruck ist der passendere Begriff.

Novi Prinz

25.09.2017, 15:49 Uhr

Eine Frage der Blickrichtung . An der linken Hand ist der Daumen rechts !
Er ist der wichtigste Finger !

Herr Josef Hirsepp

25.09.2017, 16:20 Uhr

Germania ad primum!
Mit diesem Ergebnis fuer die AFD habe ich gerechnet & aktiv dazu beigetragen!
Wir brauchen eine Opposition aber eine Konstruktiv Gestalterische !
Keine reine Protest-Boebeleien !
diese Alternative fuer Deutschland entstand wegen der Auspluenderung von Privat- & Volksvermoegen, Vergeudung von Steuereinnahmen,
Effiziente Schulen und nachhaltige Ausbildung ist der wichtigste Teil des Volksvermoegens in Deutschland, neben einer funktionierenden Infrastruktur und Verkerhrswegen- & -Mitteln.
Das unvorhersehbare Fluechtlingsdilemma ist MERKEL-hausgemacht durch die diktatorischen Alleingaenge der IM ERIKA !
Die Konsequenzen muessen nun nolens-volens alle tragen und schultern!
die Ausgaben gehen zu Lasten des o.a. Volksvermoegens, der Basis unseres Erfolges & Wohlstands!

wo gross waere der Protest denn, wenn wir von den Abgeordneten eine Halbierung ihrer ueppigen Diaeten und Alterversorgung fordern wuerden.....
Keiner aber auch keener dieser Kaste wuerde auch nur einen cent zugestehen....!
Egoistisches Besitzstandsdenken wuerde ad Primum an den Tag kommen....!

die AFD muss nun, wie einst die Gruenen, zu einer Partei mutieren bzw umgebaut warden, um Regierungsverantwortung zu uebernehmen.
dabei sollen die nichtauf dem Grundgesetz rumtrampeln, wie IM Erika, sondern dieses als ALTERNITIVLOSE Grundlage von TUN & Handeln befolgen !
--> 2021 muss die AFD soweit sein!
dafuer muessen alle die Sympathisanten nun kaempfen, die die AFD nicht zu einer NEO-NPD verkuemmern sehen wollen !




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