Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

30.08.2022

17:10

Corona

Biontech rechnet ab Herbst mit steigender Impfstoff-Nachfrage

Von: Siegfried Hofmann

Eine überarbeitete Corona-Impfung soll den Schutz gegen die Omikron-Variante verbessern. Biontech setzt auf eine weitere Booster-Kampagne im Herbst.

Biontech kündigt Omikron-Impfstoff für Oktober an Reuters

Biontech

Der vielfach verabreichte Corona-Impfstoff wird für die Omikron-Variante angepasst.

Frankfurt Nach einem spürbaren Umsatzrückgang im zweiten Quartal rechnet das Mainzer Biotechunternehmen Biontech mit einer wieder steigenden Nachfrage nach Covid-Impfstoffen im vierten Quartal des Jahres. Ebenso wie der Partner Pfizer und der Konkurrent Moderna hält daher auch Biontech an der Prognose für das Gesamtjahr fest.

Erwartet werden weiterhin 13 bis 17 Milliarden Euro Umsatz, wie aus dem am 8. August vorgelegten Zwischenbericht für das zweite Quartal hervorgeht.

Grundlage für die Prognose sind die bisherigen Bestellungen und die Aussicht auf neue Covid-Vakzine, die an die Omikron-Variante des Virus angepasst sind. „Wir erwarten wegen unserer Fortschritte rund um die variantenangepassten Covid-19-Impfstoffkandidaten, vorbehaltlich einer behördlichen Genehmigung, einen Anstieg der Nachfrage in unseren Schlüsselmärkten im vierten Quartal“, erklärte Finanzchef Jens Holstein.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft einen Biontech-Impfstoff gegen eine Omikron-Variante derzeit. Mit einer Zulassung wird in Kürze gerechnet. Das an den Virustyp BA.1 angepasste Vakzin könnte Biontech erstmals Anfang September ausliefern.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Biontech: Prognose wegen angepasstem Corona-Impfstoff weiter positiv

    Für das zweite Quartal meldete Biontech allerdings einen relativ starken Umsatzrückgang auf 3,2 Milliarden Euro gegenüber 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Nettogewinn reduzierte sich um 40 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis hat sich mit 2,2 Milliarden Euro nahezu halbiert. Dazu trug ebenso wie schon beim Partner Pfizer auch die Abwertung von Vorratsbeständen im Volumen von etwa 400 Millionen Euro bei.

    Investoren reagierten am Montag enttäuscht auf diese Zahlen. Die Biontech-Aktie, die seit Mitte Juni rund ein Drittel zugelegt hatte, verlor sowohl in Frankfurt als auch im frühen New Yorker Handel bis zum Nachmittag mehr als neun Prozent.

    Grafik

    Analysten hatten für das zweite Quartal überwiegend mit höheren Erlösen und Erträgen im Covid-Geschäft gerechnet. Zudem dürften viele Investoren auch auf eine Anhebung des Ausblicks für das Gesamtjahr gehofft haben, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der starken Aufwertung des Dollars.

    Omikron-Impfstoffe: Größere Mengen von Biontech ab Herbst verfügbar

    Biontech und der US-Partner Pfizer wollen im Herbst mit zwei kombinierten Impfstoffen antreten: Zum einen ein Mittel, das auf den Wildtyp und die Omikron-Variante BA.1 ausgerichtet ist und das sich inzwischen im Prüfverfahren bei der europäischen Arzneimittelagentur Ema befindet, aber nicht bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht wurde.

    Zum anderen ein Vakzin, das mRNA-Sequenzen des Wildtyps und der Omikron-Subvariante BA.4/5 enthält. Diesen Impfstoff wollen Biontech und Pfizer bei der FDA und zusätzlich auch bei der Ema einreichen. Klinische Studien für dieses Vakzin sollen im laufenden Monat anlaufen. Größere Mengen beider Impfstoffe wollen Biontech und Pfizer ab Herbst verfügbar haben.

    Diese zweigleisige Strategie ergibt sich vor allem aus den bisher etwas unterschiedlichen Signalen der Zulassungsbehörden. Die FDA hat sich klar für einen sogenannten bivalenten Impfstoff mit Elementen der Subvariante BA.4/5 ausgesprochen, während die EMA in dieser Hinsicht noch keine Präferenz äußerte und sich offen für beide Versionen zeigte.

    Quartalsbericht: Biontech macht mehr Gewinn als Bayer und Boehringer

    Für 2022 haben Biontech und Pfizer nach eigenen Angaben bisher Aufträge für die Lieferung von rund 2,5 Milliarden Dosen unterzeichnet, wovon im ersten Halbjahr rund 1,2 Milliarden Dosen in Rechnung gestellt wurden. Der Marktanteil im globalen Covid-Impfstoffgeschäft habe sich dabei von 52 auf 63 Prozent verbessert.

    „Unser Ziel ist es, die Marktposition weiter auszubauen, und wir glauben, dass uns Sars-CoV-2 auf absehbare Zeit begleiten wird“, sagte Biontech-Chef Ugur Sahin in einer Telefonkonferenz mit Analysten. In Erwartung von modifizierten Impfstoffen haben viele Länder, darunter auch die EU, den Bezug von Vakzinen auf den Herbst verschoben, was sich aktuell in den Umsatzzahlen von Biontech deutlich niederschlägt.

    Für das gesamte erste Halbjahr dagegen kann das Unternehmen dank der hohen Auslieferungen im ersten Quartal weiter kräftiges Wachstum ausweisen. Der Umsatz legte in diesem Zeitraum um 30 Prozent auf knapp 9,6 Milliarden Euro zu.

    Der Betriebsgewinn verbesserte sich im Halbjahr um 19 Prozent auf knapp sieben Milliarden Euro, der Reingewinn um mehr als ein Drittel auf rund 5,4 Milliarden Euro. Biontech bleibt damit vorerst weiter das umsatz- und ertragsstärkste deutsche Pharmaunternehmen vor Bayer und Boehringer.

    Covid-19-Impfstoff: Biontech verbucht direkte Umsätze nur in zwei Ländern

    Auch die Finanzkraft des Unternehmens hat sich dank der hohen Impfstofferträge weiter verbessert. Per Ende Juni weist Biontech eine Cash-Position von 9,3 Milliarden Euro sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 10,4 Milliarden Euro aus. Letztere ergeben sich in erster Linie aus den Ansprüchen von Biontech gegenüber dem Partner Pfizer, mit dem sich Biontech den Bruttoertrag aus dem Covid-Impfstoff-Geschäft teilt.

    Auch der Löwenanteil der Umsätze von Biontech besteht aus den Gewinnanteilen aus der Partnerschaft. Direkte Impfstoffumsätze verbucht Biontech nur in Deutschland und der Türkei, während Pfizer den Rest der Welt außer China beliefert.

    Biontech investiert in Forschung zu Krebsmedikamenten

    Die hohen Finanzreserven geben dem Biotechunternehmen weiterhin großen Spielraum zum Ausbau der Produktentwicklung sowohl im Covid-Bereich als auch in der Onkologie. Was Krebsmedikamente angeht, testet Biontech inzwischen 18 Substanzen in 23 klinischen Studien. Für zwei neue Produktkandidaten wurden in den vergangenen Monaten Phase-1-Studien gestartet.

    Unter anderem trifft das Unternehmen nach eigenen Angaben Vorbereitungen für zulassungsrelevante Studien mit einem Vakzin gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs und einer neuer neuartigen Zelltherapie gegen verschiedene andere Tumorarten. Für diese Projekte wurden in den vergangenen Wochen ermutigende Daten aus frühen klinischen Studien publiziert. Seine Kooperation mit der belgischen Biotechfirma Genmab hat Biontech vor wenigen Tagen erweitert.

    Corona-Impfstoff: Erste Studien von Biontech zur nächsten Impfstoff-Generation

    Im Covid-Bereich haben Biontech und Pfizer unterdessen jüngst erste klinische Studien mit einem Impfstoffkandidaten der nächsten Generation aufgenommen. Ziel ist es hier, Vakzine zu entwickeln, die einen längeren und breiteren Schutz gegen diverse Sars-CoV-Varianten bieten. Weitere Produktkandidaten dieser Art wollen die beiden Unternehmen im zweiten Halbjahr in ersten klinischen Studien testen.

    Erstpublikation: 08.08.2022, 12:09 Uhr (zuletzt aktualisiert am 08.08.2022, 16:21 Uhr).

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×