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22.01.2019

17:49

Weltwirtschafsforum

Brasiliens Präsident Bolsonaro gibt sich in Davos plötzlich als Umweltschützer

Von: Christian Rickens

Der Rechtspopulist überrascht bei seinem ersten großen internationalen Auftritt: Er will den CO2-Ausstoß senken und die Menschenrechte achten.

Davos: Brasiliens Präsident Bolsonaro gibt den Umweltschützer dpa

Jair Bolsonaro

Der brasilianische Präsident will vor allem gegen Korruption und Kriminalität kämpfen.

Davos Und plötzlich war er der Star. Dass der Auftritt des brasilianischen Präsidenten unvermittelt in den Mittelpunkt des Treffens von Davos gerückt ist, liegt auch an den Absagen von anderen prominenten Regierungschefs – allen voran US-Präsident Donald Trump. Doch tatsächlich gab es gute Gründe, gespannt zu sein auf die Rede von Jair Bolsonaro, der mit zweitem Vornamen tatsächlich Messias heißt.

Es war schließlich sein erster Auftritt in Europa seit seinem Amtsantritt am 1. Januar.

Ohne ein Lächeln betrat der Ex-Hauptmann die Bühne des Davoser Kongresszentrums. Ohne ein Lächeln beschwor er das „neue Brasilien, das wir aufbauen möchten“. Die Kernpunkte seiner Reformagenda: Kampf gegen Korruption und Kriminalität. Ferner „werden wir uns für Steuersenkungen einsetzen, Bürokratie abbauen und den Staatshaushalt ausgleichen“.

Die Wirtschaft solle stärker für ausländische Investoren geöffnet werden. Bolsonaros Ziel: Brasilien unter die Top 50 der wettbewerbsfähigsten Staaten der Erde zu führen.

Im vom World Economic Forum (WEF) erstellten Global Competitiveness Report belegt Brasilien derzeit Rang 72. Mit welchen konkreten Schritten Bolsonaro seine Agenda umsetzen und dem Ziel näher kommen will – die Antwort auf diese Frage blieb der Präsident auf Nachfrage von WEF-Gründer Klaus Schwab schuldig.

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Hervorgetreten ist der neue Präsident bislang vor allem mit seinen rabiaten Ansichten zu Rechtsstaatlichkeit und Umweltschutz. Den Schutz des Regenwalds und seiner indigenen Bewohner will der Präsident drastisch einschränken, ebenso die Rechte von Verdächtigen in Polizeigewahrsam. Sogar Folter hat Bolsonaro schon befürwortet.

Davon war in Davos keine Rede mehr. Stattdessen beschwor er das Naturerbe seines Landes: „Wir wollen mit anderen Staaten in Harmonie zusammenarbeiten, um den CO2-Ausstoß zu senken.“ Allerdings sagte er auch, dass die Fläche, die Brasilien für Landwirtschaft zur Verfügung stehe, zu klein sei.

Und dass dem bekennenden Law-and-Order-Politiker bei seinem Bekenntnis „Wir wollen die Menschenrechte achten“ als Erstes das Grundrecht auf Eigentum einfällt, lässt die Frage offen, wo wir nun den wahren Bolsonaro erlebt haben: im heißen brasilianischen Wahlkampf oder im winterkühlen Davos vor einem Auditorium voller potenzieller Investoren.

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