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04.01.2019

19:32

+++ Newsblog +++

Sicherheitskreise: Hackerangriff flog durch Anrufe bei Martin Schulz auf

Von: Lisa Oenning, Dietmar Neuerer, Anis Mičijević, Stefan Kaufmann, Dana Heide, Alexander Möthe

Hacker haben sensible Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern und Prominenten via Twitter ins Netz gestellt. Wer hinter der Aktion steckt, ist noch unklar.

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Alexander Möthe
Die Erkenntnisse des Freitags: Bei Cyberangriffen auf Politker und Prominente wurden zahlreiche persönliche Daten wie Telefonnummern, Ausweis-IDs oder Fotos erbeutet. Die Daten wurden über Twitter vor Weihnachten öffentlich gemacht und blieben tagelang unentdeckt.

Systeme des Bundestags waren nicht betroffen. Der Innenausschuss wird kommende Woche zusammenkommen, mehrere Politiker erstatteten Anzeige.

Wir verabschieden uns mit diesem Zwischenstand an diesem Punkt aus unserem Liveblog, behalten die weitere Entwicklung jedoch fortwährend im Auge.
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Alexander Möthe
Grünen-Chef Robert Habeck und der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz haben wegen der Veröffentlichung von Daten im Internet Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Die beiden gehören zu den Betroffenen, von denen besonders viele Daten ins Netz gelangt sind.

Er habe den Fall am Freitagmorgen angezeigt, sagte von Notz der Deutschen Presse-Agentur. Wie es zu dem Datendiebstahl habe kommen können, sei bisher nicht exakt nachvollziehbar. „Die Daten sind divers, aus unterschiedlichen Zeiträumen. Es ist sehr ärgerlich.“ Ein Parteisprecher sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und der dpa, auch Habeck habe Anzeige erstattet. (dpa)
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Alexander Möthe
Die in der Cyberattacke erbeuteten Daten standen eine Zeit unbemerkt im Netz – bis Unbekannte beim ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz anriefen. Dies berichtet nun die Nachrichtenagentur dpa.

Angaben aus Sicherheitskreisen zufolge hätte ein Mitarbeiter Politkers am Donnerstag der Polizei in Aachen mitgeteilt, Schulz sei von Fremden auf seiner nicht öffentlich zugänglichen Nummer angerufen worden. Daraufhin wurde demnach auch das Landeskriminalamt aktiv. Der Bundestag erfuhr dann in der Nacht, dass auch zahlreiche andere Abgeordnete betroffen sind.

Ein kleiner Trost: Die Anrufe seien „weder bedrohlich noch beleidigend“ gewesen.
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Alexander Möthe
Es gibt inzwischen Hinweise darauf, dass der Angriff auf das Ausspähen von Zugangsdaten ausgerichtet war. „Nach einer ersten Analyse deutet vieles darauf hin, dass Daten durch die missbräuchliche Nutzung von Zugangsdaten zu Clouddiensten, zu E-Mail-Accounts oder zu sozialen Netzwerken erlangt wurden“, erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer am Freitagnachmittag.

Allerdings lägen keine Indizien vor, dass Systeme des Bundestages oder der Bundesregierung kompromittiert worden seien. „Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, den Urheber der Veröffentlichung ausfindig zu machen“, versicherte der Minister.
Bild: AP
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Alexander Möthe
Wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtet, wird kommende Woche der Innenausschuss des Bundestags zu einer Sondersitzung zusammentreffen. Bei dem Treffen mit Vertretern von Sicherheitsbehörden werde es darum gehen, „nähere Informationen aus erster Hand über den Ermittlungsstand zu bekommen“, so die Zeitung. Nach Angaben der Ausschuss-Vorsitzenden Andrea Lindholz (CSU) hätten demnach Union, SPD, Grüne und FDP nahezu zeitgleich eine Sondersitzung beantragt.
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Alexander Möthe
Hunderte Politiker und Prominente sind von dem Datenleck betroffen, aber: „Nach dem derzeitigen Stand liegen den ermittelnden Behörden keine Erkenntnisse dazu vor, dass Politikerinnen oder Politiker der AfD von der Veröffentlichung betroffen sind“, erklärte das Bundesinnenministerium am Freitagnachmittag.
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Alexander Möthe
Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Linken, hält mit seiner Meinung zu den Cyber-Attacken nicht hinter dem Berg.
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Alexander Möthe
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak erklärte am Freitag in Berlin: „Nach einer ersten Analyse haben wir keinen Anlass zur Annahme, dass die veröffentlichten Daten aus der Parteizentrale der CDU stammen.“ Die CDU habe für ihre Funktions- und Mandatsträger eine Hotline eingerichtet, wo sie sich über den Umfang der über sie veröffentlichen Daten informieren können.

Dieser Vorgang zeige erneut, „dass das Digitalzeitalter politische Parteien vor neue Herausforderungen stellt. Das gilt insbesondere mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen im Jahr 2019.“ Er sei schockiert über das Ausmaß der gestohlenen und veröffentlichten persönlichen und privaten Daten. „Dies ist ein krimineller Akt.“ (dpa)
Bild: dpa
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Alexander Möthe
Der CDU-Generalsekretär äußert sich auch bei Twitter klar.
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Lisa Oenning

Der Digitalisierungsminister von Schleswig-Holstein, Jan Philipp Albrecht (Grüne), sieht eine Mitverantwortung bei Internetunternehmen. „Der Vorfall zeigt, wie groß noch immer die Sicherheitslücken bei IT-Kommunikationsdiensten sind“, sagte Albrecht dem Handelsblatt. „Der Bund muss nun zügig dafür sorgen, dass Mindeststandards für die IT-Sicherheit und strengere Haftungsregeln für Sicherheitslücken EU-weit eingeführt werden.“ Hier hätten Bundesregierung und EU-Kommission „schon viel zu lange gepennt und dem Druck der Internet- und Softwareanbieter nachgegeben“.

 

Für die Betroffenen sei der Vorfall ein „tiefer Eingriff und teilweise eine Gefährdung bis ins familiäre Umfeld“, sagte Albrecht weiter. „Für sie braucht es schnelle Unterstützung, aber auch für alle anderen muss es umfassende Hinweise zum Selbstschutz geben.“ Es helfe dabei nicht, nur bei Amts- oder Mandatsträgern anzusetzen. „Sicherheit bemisst sich immer an der schwächsten Stelle“, betonte der Grünen-Politiker. „Daher braucht es insgesamt hohe Sicherheitsmerkmale, wie etwa verpflichtende Ende- zu-Ende-Verschlüsselung.“ (dne)

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Lisa Oenning
Für den Linken-Politiker ist noch vieles ungeklärt.
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Stefan Kaufmann

Die Telekom-Tochter T-Systems, die sich zum Teil um den technischen Betrieb des Datennetzes des Bundes kümmert, ist nach eigenen Angaben nicht von einem Hackerangriff betroffen. „Wir haben keine Hinweise, dass bei uns Daten abgegriffen wurden“, sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt. „Und wir möchten uns auch nicht an Spekulationen beteiligen.“ Die Großkundentochter der Telekom hält mehrere Sicherheitsaufträge der Bundesregierung und betreibt in Bonn ein eigenes Cyber-Abwehrzentrum. Nach dem Hackerangriff auf den Bundestag im Jahr 2015 hatte T-System zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Strategie ausgearbeitet, um künftig besser gegen Angriffe geschützt zu sein.

 

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Stefan Kaufmann
Der Geheimdienstexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Patrick Sensburg (CDU), vermutet rechtsgerichtete Personen hinter der massenhaften Veröffentlichung von Daten im Internet. „Ich gehe von einer Hackerattacke aus dem AfD-nahen-Spektrum aus“, sagte Sensburg dem Handelsblatt. Viele Daten seien aus sozialen Medien gewonnen worden. „Dazu kommen möglicherweise Dokumente, die im Darknet ergattert wurden und bei Hackerangriffen im letzten Jahr abgeflossen sind“, so Sensburg, der auch dem Parlamentarischen Kontrollgremium für die Kontrolle der Nachrichtendienste des Bundes angehört. Die Cyber-Sicherheitsbehörde des Bundes BSI und die Staatsanwaltschaften müssten nun gut arbeiten. 
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Anis Mičijević
Jimmy Schulz (FDP), Vorsitzender des Bundestagsausschusses Digitale Agenda, fordert angesichts des Hackerangriffs, dass IT-Sicherheit bei allen Parteien zur Priorität erklärt wird. Die FDP-Fraktion habe bereits im November einen Antrag mit der Forderung eingebracht, Telekommunikations- und Telemedienanbieter dazu zu verpflichten, ihre Dienste standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt anzubieten. Zudem erwarte seine Partei von der Bundesregierung die Abkehr vom Prinzip der Offenhaltung von „Hintertüren“ im IT-Bereich und eine klare Aussage, sich nicht an digitalen Grau- und Schwarzmärkten für Sicherheitslücken zu beteiligen. 

„Jede Sicherheitslücke, die unser Staat ausnutzt, kann auch von anderen Angreifern genutzt werden. Daher muss die Bundesregierung sich verpflichten, Sicherheitslücken sofort zu schließen und nicht für eigene Zwecke – so gut gemeint sie auch sein mögen – offen zu halten“, sagt Schulz.

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Lisa Oenning
Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) nimmt derzeit an, dass die Daten aus öffentlichen Bereichen des Internets – aus Telefonbüchern, sozialen Medien und Webauftritten – und teilweise aus privaten Clouddaten stammen. 

Die Bundestagsverwaltung geht davon aus, dass die veröffentlichten Daten nicht aus den IT-Systemen des Bundestages stammen und nicht das Ergebnis eines Hackerangriffes auf den Bundestag sind.
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Stefan Kaufmann
Der Generalbundesanwalt hat sich in die Prüfung des großangelegten Online-Angriffs eingeschaltet. Dazu sei in der Behörde in Karlsruhe ein sogenannter Beobachtungsvorgang angelegt worden, sagte eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums. Damit untersucht der Generalbundesanwalt die Bedeutung des Falls und die kriminelle Relevanz und prüft, ob er weiter tätig wird. Die Bundesanwaltschaft wäre insbesondere für Ermittlungen bei „geheimdienstlicher Agententätigkeit“ zuständig, also wenn sich herausstellen sollte, dass eine ausländische Macht hinter den Vorgängen stecken könnte.
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Stefan Kaufmann
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Lisa Oenning
Bild: dpa

Die Grünen sprechen von einem „sehr ernstzunehmenden Versuch, unsere Demokratie zu destabilisieren“. Das genaue Ausmaß und die Hintergründe seien zwar noch weitgehend unklar, sagte die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Britta Haßelmann. Schon jetzt sei aber klar: „Es handelt sich um einen massiven Eingriff in demokratische Grundrechte, Persönlichkeitsrechte und die Meinungsfreiheit.“ Viele seien „Opfer eines umfangreichen Leaks geworden, bei dem nicht nur persönliche Daten von uns erbeutet wurden, sondern auch von Familienangehörigen und vielen anderen“. Von diesem Angriff werde man sich jedoch nicht einschüchtern lassen. (dne)

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Anis Mičijević
Mike Hart, Vizepräsident Mittel- und Osteuropa beim Netzwerksicherheitsdienstleister FireEye, bezeichnet den Hackerangriff als „alarmierend, aber nicht überraschend“. Hinter den Angriffen könne Hacktivismus stehen, also eine politisch motivierte Aktion, es könne sich aber ebenso um staatlich geförderte Spionage handeln, sagte Hart dem Handelsblatt. 
„Sicher ist, dass dieser Angriff eindeutigen Schaden angerichtet hat. Er unterstreicht die Notwendigkeit, dass die deutsche Regierung Cybersicherheit sehr ernst nehmen muss“, sagte Hart.

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Brexit 2019

Kommentare (2)

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Herr Christian Jäger

04.01.2019, 13:05 Uhr

Ist doch schön. Politiker sind eben auch Menschen. Da gehtś ihnen wie jedem Anderen auf diesem Planeten ..

Mit ein wenig Fleiss und Recherchetalent kann also Jeder seine eigene Datenkrake basteln - so wie es früher eben auch immer möglich war. Nur hat das damals niemanden gestört.

Herr Helmut da Silva

04.01.2019, 13:59 Uhr

Wie großzügig und laissez-faire sind doch die Politiker wenn es um Daten von uns Bürgern geht und wie empört sind die gleichen Politiker wenn es um ihre eigenen Daten geht.
Auf dem AfD-Parteitag in Stuttgart wurden die Daten von 2000 Teilnehmern gehackt. Es war bei eben diesen Politikern nur ein scheinheiliges ist aber nicht korrekt und wobei die scheinheilige Freude darüber überwog, wohl wissend über die Folgen durch die ANTIFA für diese Personen.
Wenn aber nur Fleiss und Recherchetalent dazu nötig waren die Daten zu beschaffen, was soll dann die Empörung??? Reine Heuchelei! Hier wurden scheinbar frei zugängliche Daten zusammengeführt, was soll daran strafbar sein?? Was für einen Rat kriegen wir Bürger von der Politik? Sorgsamer mit unseren Daten umzugehen, ja das hätten die wohl mal selber tun sollen. Was ganz schlimm für die ist, es scheint kein AfD-Politiker dabei zu sein was natürlich gleich zu einer Verschwörungstheorie führt. Aber keine Sorge, eure Freunde von der Antifa werden das unverzüglich nachholen.

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