MenüZurück
Wird geladen.

15.09.2017

11:42 Uhr

Abwärts in ARD, aufwärts im ZDF

Umfrage-Achterbahnfahrt für SPD

Die SPD liegt weiter abgeschlagen hinter der CDU. Doch während die Partei im ARD-„Deutschlandtrend“ an Zustimmung verliert, gewinnt sie im neuen ZDF-„Politbarometer“ hinzu. Eng ist der Kampf um Platz drei.

Die Sozialdemokraten liegen inzwischen nur noch bei 20 Prozent. Reuters

SPD-Umfragewerte

Die Sozialdemokraten liegen inzwischen nur noch bei 20 Prozent.

BerlinKnapp eine Woche vor der Bundestagswahl haben die Zustimmungswerte für die Sozialdemokraten einer neuen Umfrage zufolge wieder zugelegt. Wie am Freitag aus dem ZDF-„Politbarometer“ hervorging, stieg die SPD in der Sonntagsfrage um einen Prozentpunkt auf 23 Prozent. Die Union hingegen sackte auf 36 Prozent ab (minus 2). Auf Platz drei lagen FDP und AfD gleichauf mit jeweils 10 Prozent (beide plus 1). Linke und Grüne verharrten unverändert bei 9 beziehungsweise 8 Prozent.

Neben einer großen Koalition wäre den Angaben nach auch eine sogenannte Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen möglich. Für alle anderen realistischen Möglichkeiten gibt es der Umfrage zufolge keine Mehrheit. Beide Koalitionen werden allerdings in den Umfragen von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt. Nur 25 Prozent der Befragten würden eine Jamaika-Koalition gut finden. 52 Prozent lehnen sie ab. Eine Fortsetzung der großen Koalition kommt immerhin auf 40 Prozent Zustimmung. 42 Prozent der Befragten finden sie schlecht.

Kuriose Parteien bei der Bundestagswahl – und was sie fordern

Dutzende Kleinparteien

Sie wollen den Formationstanz fördern oder mit dem jährlichen Zwangsabstieg des Hamburger SV für mehr Gerechtigkeit im Sport sorgen: Bei der Bundestagswahl treten Dutzende Kleinparteien an – mit kuriosen Forderungen.

Magdeburger Gartenpartei

Der Name klingt zwar eher provinziell. Doch die Partei steht für gleich zwei gesamtdeutsche Phänomene, die an Gemeindegrenzen nicht halt machen: Kleingärtner und Wutbürger. Entsetzt über Pläne der Stadt, eine Kleingartenanlage einem Bauprojekt zu opfern, wurden die Kleingärtner erst zu Wutbürgern und schließlich zur Partei. Seit 2013 hat der Schutz von Schrebergärten für die Gruppe höchste Priorität und steht im Wahlprogramm an erster Stelle - noch vor Positionen zur Rentenpolitik, Migration oder Energiethemen.

Die Violetten

Die Violetten wünschen sich mehr Spiritualität in der Politik. Zu den zentralen Forderungen der Esoteriker-Partei gehört die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Das befreit von Existenzängsten und schafft Zeit und Raum, sich der individuellen spirituellen Entwicklung zu widmen. Daneben wollen die Violetten alternative Energiequellen wie die „Raumenergie“ erschließen, das „Wir-Gefühl stärken“ und aus der Nato austreten. Das Partei-Wappen ist ein lila Schmetterling.

Die V-Partei

Parteien, die Naturschutz oder Tierwohl in den Vordergrund stellen, gibt es viele. Doch die Partei der Vegetarier und Veganer ist die einzige, die vorrangig dafür kämpft, Fleisch aus den Supermarktregalen zu verbannen. Dabei sollen niedrige Steuern für pflanzliche Bio-Lebensmittel helfen.

Die Urbane

Er liebe es, „mit dem Fahrrad durch Berlin zu cruisen“, schreibt Frithjof Zerger, Direktkandidat der Hiphop-Partei in Berlin-Friedrichshain. Das klingt stark nach dem Langzeit-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele (Grüne), der nach fast zwei Jahrzehnten im Bundestag nicht mehr zur Wahl antritt. Auch dessen berühmter Aufruf „Gebt das Hanf frei“ findet sich so ähnlich im Programm der Urbanen: Es könnte schlechtere Vorzeichen für die Aussichten auf ein Direktmandat im Szene-Kiez geben. Weitere Probleme der Menschheit lösen sich dann bei tiefenentspannten Breakdance-Sessions oder Rap-Battles in Rauch auf.

Die Bergpartei

Mit Sprüchen wie „Fehlbar aber wählbar“ oder „Pleite aber auf Deiner Seite“ wirbt die Gruppe um die Mitglieder „einer entpolitisierten Spaß/Party/Kunst-Gesellschaft“, um diese mit „Spaß, Party und Kunst“ wieder für aktuelle politische Entscheidungen zu interessieren. Dabei will die „BergPartei“ genau das nach eigener Auskunft nicht sein: eine Spaß-Partei. Allerdings betonen auch Vertreter von Sonneborns Satire-Partei, die sich unter anderem für eine Bierpreisbremse stark macht, bei öffentlichen Auftritten, es mit dem Machtstreben „bierernst“ zu meinen. Die „BergPartei“ fordert neben dem Austritt aus der Nato unter anderem die „Förderung des Formationstanzes.“

Die Partei

Die Satire-Partei unter Führung des Europaabgeordneten und Ex-Chefredakteurs des Titanic-Magazins, Martin Sonneborn, setzt ganz auf die Gruppe der Nichtwähler. „Wenn es dir egal ist, wer im Bundestag sitzt, wäre es dann nicht schön von jemandem vertreten zu werden, dem es egal ist, dass er im Bundestag sitzt?“, fragt der Berliner Spitzenkandidat Nico Semsrott. Als „Kancler“-Kandidat schickt die Partei den Comedian Serdar Somuncu ins Rennen. Die Gruppe fordert unter anderem „universelle Gesamtgerechtigkeit“, den jährlichen Zwangsabstieg des Hamburger SV, eine „Bierpreisbremse“ sowie eine Rückkehr zum Notabitur aus Kriegszeiten.

Sozialistische Gleichheitspartei

Wie „Die Partei“, strebt auch die Sozialistische Gleichheitspartei nach einer Form von „universeller Gesamtgerechtigkeit“. In ihr sammeln sich trotzkistische Gruppen, die sich als marxistische Opposition zum Stalinismus sehen. Was damit genau gemeint ist, verstehen nur Absolventen eines Soziologie-Studiums. Gegen - und für - welche linken Strömungen sich die Partei ansonsten positioniert, versteht wiederum niemand so genau.

Quelle: dpa

In einem am Donnerstag veröffentlichten „Deutschlandtrend“ der ARD lag die SPD nur noch bei 20 Prozent. Dies ist ihr schwächster Wert seit Januar und zugleich im „Deutschlandtrend“ generell. Die CDU kam auf 37 Prozent. Drittstärkste Fraktion würde demnach die AfD, wenn bereits am kommenden Sonntag und nicht erst am 24. September Bundestagswahl wäre: Sie gewann einen Punkt auf zwölf Prozent hinzu. Die FDP legte einen halben Punkt auf 9,5 Prozent zu, während die Linke einen Punkt auf neun Prozent verlor. Die Grünen büßten einen halben Punkt auf 7,5 Prozent ein.

Der Umfrage zufolge sind Unions- und SPD-Anhänger gespalten, wenn es um künftige Koalitionen geht. Bei einer Entscheidung zwischen einer Großen Koalition und einem Jamaika-Bündnis nach der Wahl würden sich demnach 45 Prozent der Unions-Anhänger für ein erneutes Bündnis mit der SPD entscheiden, während 46 Prozent für Jamaika wären. Bei den SPD-Anhängern wäre eine knappe Mehrheit von 50 Prozent für eine große Koalition mit der Union, während 46 Prozent für den Gang in die Opposition wären.

Kommentare (34)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peer Kabus

14.09.2017, 18:33 Uhr

Na also, lieber Schulz.

Geht doch sicher auch noch, die SPD locker unter 20 % zu bringen. Zumindest in Umfragen.

Herr Norman Fischer

14.09.2017, 18:36 Uhr

Tja, liebe Altparteien, jetzt ist Eure Politik bald nicht mehr alternativlos.

Enrico Caruso

14.09.2017, 18:38 Uhr

Die Nazi-Äußerung Gabriels vor zwei Tagen könnte als historisches Ereignis in die Geschichte eingehen, da sie das Zeug dazu hat, die AfD zur drittstärksten Fraktion zu machen!

So deutlich wie Gabriel hat meines Wissens noch kein Bundespolitiker klargemacht, was er von regierungsabweichenden Meinungen hält.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×