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30.03.2016

16:20 Uhr

AfD-Chefin  im Politiker-Ranking

Horst Seehofer sticht Frauke Petry aus

VonDietmar Neuerer

Nach den Brüssel-Anschlägen steigt die Zustimmung für die Union, während es für die AfD bergab geht. Auch für Parteichefin Petry läuft es nicht rund. Anhänger ihrer Partei vertrauen CSU-Chef Seehofer mehr als ihr.

Frauke Petry, Bundesvorsitzende der AfD (Alternative für Deutschland): Bei den AfD-Anhängern läuft ihr CSU-Chef Horst Seehofer den Rang ab. dpa

Frauke Petry

Frauke Petry, Bundesvorsitzende der AfD (Alternative für Deutschland): Bei den AfD-Anhängern läuft ihr CSU-Chef Horst Seehofer den Rang ab.

BerlinFrauke Petry hat es nicht leicht in diesen Tagen. In den sozialen Medien machen sich User über den Auftritt der AfD-Bundesvorsitzenden in einem TV-Interview lustig, ihrem Pressesprecher kündigt sie die Zusammenarbeit und im Parteivorstand hat sie einen immer schwereren Stand. Und jetzt entziehen ihr auch noch die AfD-Anhänger das Vertrauen.

Im Politiker-Beliebtheitsranking, das Forsa im Auftrag des „Stern“ ermittelt, genießt der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bei den Rechtspopulisten einen deutlich größeren Rückhalt als Petry. Die AfD-Chefin wird demnach von ihren eigenen Anhängern mit nur 47 Vertrauenspunkten bedacht. Der CSU-Chef dagegen steht bei AfD-Sympathisanten offenbar besonders hoch im Kurs: Von denen bekam der CSU-Mann 69 Punkte - sieben weniger als von den eigenen Anhängern.

Bei der Befragung konnten Punkte zwischen 0 (kein Vertrauen) und 100 (sehr großes Vertrauen) vergeben werden, aus denen dann der Mittelwert errechnet wurde.

Das Ranking führen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (63 Punkte), Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann (62), Finanzminister Wolfgang Schäuble (62) und Kanzlerin Angela Merkel (61) an.

Nordrhein-Westfalens SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (54) rangiert vor SPD-Chef Sigmar Gabriel (49), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (48) und CSU-Chef Horst Seehofer (46). Auf den hinteren Plätzen: FDP-Vorsitzender Christian Lindner (42), Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt (41) und Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht (36). Das Schlusslicht mit 19 Punkten bildet AfD-Chefin Frauke Petry.

Die Gesichter der AfD

Alexander Gauland, Bundesvorsitzender

Gauland gilt als gewiefter Taktiker und mächtigster Mann der AfD. Als Vorsitzender der Bundestagsfraktion hält er bereits viele Fäden in der Hand. Gauland ist dem rechtsnationalen Flügel verbunden. Flügel-Gründer Höcke ist aus seiner Sicht ein „Nationalromantiker“. Für das ehemalige CDU-Mitglied Gauland ist die AfD die dritte Karriere. Als junger Politiker war er die rechte Hand des CDU-Politikers und früheren hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann. Später wurde Gauland in Potsdam Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen“.

Jörg Meuthen, Co-Bundesvorsitzender

Meuthen arbeitete vor seinem Einstieg in die Politik als Professor für Volkswirtschaft an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. Im Juli 2015 wurde er auf einem stürmischen Parteitag in Essen als Repräsentant des wirtschaftsliberalen Flügels zum Co-Vorsitzenden der AfD neben Frauke Petry gewählt. 2016 zog er als AfD-Spitzenkandidat in den Landtag von Baden-Württemberg ein. Später näherte sich Meuthen dem rechtsnationalen Flügel um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke an. Anfang November kündigte er seinen Wechsel von Stuttgart ins Europäische Parlament an.

Georg Pazderski, Parteivize

Pazderski ist Landes- und Fraktionschef der Berliner AfD. Dem Bundesvorstand gehörte er bisher als Beisitzer an. Schrille Töne sind dem ehemaligen Oberst im Generalstab der Bundeswehr genauso ein Graus wie politische Korrektheit. In einer Rede im Berliner Abgeordnetenhaus erzählte er, wie sein polnischer Vater als Jugendlicher für die Deutschen Zwangsarbeit leisten musste. In dem Vorstoß für einen Parteiausschluss von Höcke sah er eine „große Chance für die AfD, im bürgerlichen konservativ-liberalen Lager Fuß zu fassen“.

Albrecht Glaser, Parteivize

Glaser war früher CDU-Mitglied und Stadtkämmerer in Frankfurt am Main. Der AfD-Spitze gehörte der Bundestagsabgeordnete aus Hessen schon bisher als Stellvertreter an. In der Partei ist Glaser durch seine Arbeit als Leiter der Programmkommission gut vernetzt. Die damalige Parteivorsitzende Frauke Petry schlug ihn 2016 als Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten vor. Bei der Wahl durch die Bundesversammlung erhielt der chancenlose Glaser mindestens sieben Stimmen aus anderen Parteien. Im Oktober kandidierte er für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten und fiel dreimal durch. Die anderen Parteien begründeten ihre Ablehnung mit Äußerungen Glasers zur Religionsfreiheit und zum Islam.

Kay Gottschalk, Parteivize

Gottschalk ist Mitglied im größten AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Der Bundestagsabgeordnete galt als Verbündeter von Frauke Petry. Nach ihrem Rückzug twitterte er: „Frauke Petry will also nicht unserer Fraktion angehören. Das ist schade!“ Mittlerweile er auf die Gauland-Linie eingeschwenkt. Beim Parteitag in Hannover wurde er vor dem Kongresszentrum von Demonstranten an der Hand verletzt. Daraufhin sprach er vor den Delegierten von „Linksfaschisten“. Deren Gesichter seien „stumpf und empathielos“, rief Gottschalk den laut klatschenden und johlenden AfDlern zu. „Die hätten auch (...) ein KZ führen können.“

Die große Begeisterung der AfD-Anhänger für Seehofer dürfte auch dem Umstand geschuldet sein, dass er in der Flüchtlingspolitik teilweise ähnliche Positionen vertritt wie die Petry-Partei. Die Grünen haben dem CSU-Chef deshalb auch schon mal den Parteiwechsel nahegelegt. Doch die AfD winkte umgehend ab. Für Seehofer hätte man nicht mal als „Hofnarr im Kanzleramt“ mit Petry Verwendung, erklärte kürzlich der NRW-Landeschef Marcus Pretzell. Ob das die AfD-Anhänger genauso sähen, wenn man sie fragte?

Bei den drei Landtagswahlen Mitte März war die AfD mit zweistelligen Ergebnissen in die Parlamente eingezogen. In Sachsen-Anhalt erhielt die Partei fast ein Viertel der Stimmen - Bestwert für die Rechtspopulisten. Auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stimmten mehr als zehn Prozent der Wähler für die AfD.

Umfragen von Infratest-dimap für die ARD hatten am Wahlsonntag allerdings gezeigt, dass viele AfD-Wähler gern der CSU ihre Stimme gegeben hätten - wenn die Partei bundesweit und nicht nur in Bayern wählbar wäre. Zwischen 57 und 72 Prozent der AfD-Wähler fänden es demnach gut, wenn die Partei von Horst Seehofer, die immer wieder die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert, in ganz Deutschland auf dem Stimmzettel stünde. Von allen Befragten waren nur zwischen 24 und 31 Prozent dieser Meinung.

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