Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

19.11.2019

04:00

Afrika-Investitionen

Entwicklungsminister Müller: „Was ich zugesagt habe, habe ich geliefert“

Von: Donata Riedel

Bundeskanzlerin Merkel lädt zur Afrikakonferenz. Ihr Entwicklungsminister fordert von deutschen Unternehmen Mut zu Investitionen auf dem Kontinent.

Entwicklungsminister Gerd Müller fordert eine neue Aufbruchstimmung, was Investitionen in Afrika betrifft. imago images/Reiner Zensen

Entwicklungsminister Gerd Müller

Entwicklungsminister Gerd Müller fordert eine neue Aufbruchstimmung, was Investitionen in Afrika betrifft.

Berlin Die deutschen Unternehmer könnten aus Sicht von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bei Investitionen in Afrika mutiger sein. „Es liegt jetzt an der Wirtschaft, die neuen Chancen auf dem Nachbarkontinent zu sehen und zu nutzen“, sagte Müller im Interview mit dem Handelsblatt. Die Bundesregierung habe vor einem Jahr einen Entwicklungsinvestitionsfonds von einer Milliarde Euro versprochen und die Mittel inzwischen auch bereitgestellt. „Unsere Angebote können sich sehen lassen – auch im Vergleich zu anderen Regierungen“, sagte Müller.

Französische oder britische Unternehmen würden aber im Vergleich zu deutschen Firmen ein Vielfaches in Afrika investieren. „Da ist jetzt einfach eine neue Aufbruchsstimmung gefragt“, sagte Müller im Vorfeld einer großen Afrika-Konferenz, zu der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden zwölf afrikanische Staats- und Regierungschefs am Dienstag nach Berlin eingeladen hat.

Auf der Konferenz werden von den afrikanischen Regierungschefs und Unternehmern neue Investitionsprojekte vorgestellt, vom Wasserkraftwerk in Benin bis zur Schokoladenfabrik in Ghana. Müller kündigte zudem an, dass Deutschland seine EU-Ratspräsidentschaft in einem Jahr nutzen werde, einen neuen Vertrag zwischen der EU und der Afrikanischen Union auszuhandeln. „Das Ziel muss ein besserer Marktzugang für afrikanische Firmen auf den EU-Binnenmarkt sein“, sagte Müller. Außerdem müssten Lieferketten fairer gestaltet werden, mit mehr Wertschöpfung in Afrika.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Minister Müller, haben Sie nach den Haushaltsverhandlungen jetzt genug Geld?
Ich bin zufrieden, da ich 500 Millionen Euro zusätzlich für den internationalen Klimaschutz bekommen habe. Der Aufbau erneuerbarer Energien in Afrika kann der Wirtschaft einen Schub geben. Und es nutzt auch dem Klimaschutz, wenn dort nicht mehr nur neue Kohlekraftwerke entstehen.

Seit drei Jahren setzen Sie in der Entwicklungszusammenarbeit den Schwerpunkt stärker auf die Förderung der Wirtschaft in Afrika. Wie weit sind Sie gekommen?
Was ich zugesagt habe, habe ich geliefert. Die Hermes-Risikoabsicherung haben wir bereits verbessert. Der Marshallplan mit Afrika wird Schritt für Schritt umgesetzt. Ziel ist es, nicht nur Großinvestitionen den Weg nach Afrika zu ebnen, sondern in Afrika Mittelständler von unten und in der Breite aufzubauen, mit Mittelständlern aus Deutschland.

Funktioniert das?
Ja, das Interesse ist groß. Für unseren Entwicklungsinvestitionsfonds, den wir vor einem Jahr mit einer Milliarde Euro auf den Weg gebracht haben, liegen bereits über 240 Anträge von deutschen Mittelständlern vor. Das sind langfristig angelegte Programme, die natürlich erst mal klein anfangen. Dieses Programm erweitern wir jetzt um den Bereich erneuerbare Energien. Mir ist es wichtig, Wachstumsfelder zu identifizieren, in denen Investitionen besonders sinnvoll sind.

Grafik

Wie können denn auf diesem Weg afrikanische Unternehmen entstehen?
Wir bauen Brücken: Die Partner deutscher Investoren vor Ort profitieren von der Zusammenarbeit. Und wir fördern auch direkt afrikanische Mittelständler und Start-ups. Dieser Teil des Entwicklungsinvestitionsfonds war nicht ganz leicht umzusetzen, die KfW setzt diesen nun zusammen mit der Allianz als Fondsmanager um.

Sie fördern seit dem deutschen G20-Gipfel stärker einzelne Partnerländer, die sich im Gegenzug zu Reformen verpflichten müssen. Klappt das?
In den Compact-Ländern klappt das erstaunlich gut. Wir wollen Mittelständler in solche Länder begleiten, in denen es verlässliche Strukturen gibt, die Regierungen für Rechtssicherheit und Good Governance sorgen und Korruption bekämpfen. Deswegen bieten wir Ländern, die diesen Reformweg mit uns gehen, eine vertiefte Partnerschaft an. Den Erfolg sehen wir im „Doing Business“-Report der Weltbank, da haben sich unsere drei Reformpartner Ghana, die Elfenbeinküste und Tunesien gleich um mehrere Plätze verbessert.

Finden deutsche Mittelständler denn hinreichend qualifizierte Mitarbeiter vor Ort?
Da ist noch viel zu tun, deshalb verbinden wir unsere Förderprogramme mit Berufsbildungsprogrammen. Allein in Ghana fördern wir so bis zu 20 000 Ausbildungsplätze. Wir bauen mit den staatlichen Stellen Strukturen für eine moderne berufliche Bildung auf, deutsche Firmen können sich dann anschließen. Und wir reden mit den Regierungen, mehr in betriebliche und handwerkliche Ausbildung zu investieren, anstatt nur auf die Universitäten zu schauen. 

Grafik

Sind diese Wirtschaftsförderprogramme zusätzlich zur bestehenden Entwicklungshilfe, oder haben Sie für den neuen Schwerpunkt auch Geld umgeschichtet?
Wir haben im Entwicklungshaushalt auch entsprechend umgeschichtet, insgesamt 1,6 Milliarden Euro in Richtung der Reformpartnerschaften. Die Unterstützung für Notlagen in anderen Ländern laufen natürlich weiter.

Wie stark kooperieren Sie mit anderen EU-Staaten?
Das muss mehr werden. Ich will das Marshallplan-Konzept europäisieren. Im zweiten Halbjahr 2020 haben wir die EU-Ratspräsidentschaft. Da werden wir einen neuen EU-Afrika-Vertrag als Nachfolge des Cotonou-Handelsabkommens unterzeichnen. Das Ziel muss ein besserer Marktzugang für afrikanische Firmen auf den EU-Binnenmarkt sein. Außerdem brauchen wir faire Lieferketten, mit mehr Wertschöpfung in Afrika. All das erfordert einen kohärenten europäischen Rahmen.

Die Wirtschaft kritisiert, dass das alles nicht genug sei ...
Es liegt jetzt an der Wirtschaft, die neuen Chancen auf dem Nachbarkontinent zu sehen und zu nutzen. Unsere Angebote können sich sehen lassen – auch im Vergleich zu anderen Regierungen. Aber französische oder britische Unternehmen investieren ein Vielfaches in Afrika im Vergleich zu den deutschen. Da ist jetzt einfach eine neue Aufbruchstimmung gefragt.

Mehr: In Sotschi wirbt Wladimir Putin um die Staatslenker Afrikas. Russland braucht neue Absatzmärkte – und scheut auch nicht davor zurück, eine dubiose Söldnertruppe einzusetzen.

Handelsblatt Premium

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×