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26.02.2019

06:26

Altenpflege

Die Pflegewirtschaft steht vor einer Investitionswelle

Von: Gregor Waschinski

In Deutschland sind immer mehr Senioren auf Pflegeleistungen angewiesen. Eine Studie zeigt: Die Branche stellt sich auf große Investitionen ein.

Altenpflege: Pflegewirtschaft steht vor Investitionswelle dpa

Pflegewirtschaft

Vor drei Jahren bezifferte eine Prognose den Investitionsbedarf in der Altenpflegewirtschaft bis 2030 auf 55 Milliarden Euro.

BerlinDie Zahl der Pflegebedürftigen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Etwa dreieinhalb Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit als pflegebedürftig eingestuft. In der älter werdenden Gesellschaft wird der Bedarf an ambulanten und stationären Pflege- und Betreuungsleistungen noch zunehmen.

Die Betreiber von Pflegeheimen haben die wachsende Nachfrage im Blick. Laut einer Untersuchung der Evangelischen Bank stehen die Zeichen auf Modernisierung und Ausbau der Bettenkapazität. „In der Pflegewirtschaft rollt eine Investitionswelle an“, sagt Christian Ferchland, Vorstandsmitglied der Evangelischen Bank.

Die Ergebnisse, die dem Handelsblatt vorliegen, zeigen: Knapp die Hälfte der 300 befragten Geschäftsführer und Leiter von Pflegeheimen plant in den kommenden beiden Jahren Sanierungen, Modernisierungen sowie Um-, Aus- oder Neubauten. Weitere elf Prozent ziehen entsprechende Schritte in Erwägung.

Jede fünfte Einrichtung will ihre Bettenkapazität erweitern, sieben Prozent denken zumindest darüber nach. „Allein aufgrund der demografischen Entwicklung erwarten wir im deutschen Pflegemarkt intensives Wachstum“, sagt Ferchland.

Zur Höhe der erwarteten Investitionen gibt die Studie keine Auskunft, sie dürften sich aber im Milliardenbereich bewegen. Vor drei Jahren bezifferte eine im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte Prognose den Investitionsbedarf in der Altenpflegewirtschaft bis 2030 auf 55 Milliarden Euro.

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Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) hält diese Schätzung für realistisch. „Ohne die Investitionen der privaten Träger ist es nicht zu leisten“, sagt bpa-Präsident Bernd Meurer. Die Bundesländer hätten sich zunehmend aus der Förderung und Finanzierungsverantwortung herausgezogen. Umso wichtiger seien deshalb „Freiräume für das unternehmerische Handeln, eine langfristige Planungssicherheit und risikogerechte Renditemöglichkeiten“, sagt Meurer.

Rund die Hälfte der Altenpflegedienste in Deutschland sind in privater Hand. Daneben sind auf dem Markt kirchliche Anbieter wie die Diakonie oder die Caritas, gemeinnützige Wohlfahrtsverbände und kommunale Träger aktiv.

Bis 2030 stehen nach Einschätzung der Branchenkenner große Umwälzungen in der Pflegewirtschaft an. So glauben 59 Prozent, dass am Ende des nächsten Jahrzehnts nur noch Härtefalle einen stationären Pflegeplatz bekommen werden. Neun von zehn Befragten erwarten, dass sich neue häusliche Pflege- und Wohnkonzepte durchsetzen werden.

Laut der Studie der Evangelischen Bank rechnet eine deutliche Mehrheit der befragten Pflegemanager damit, dass es in Zukunft deutlich mehr teilstationäre und ambulante Angebote geben wird. Rund ein Viertel der Pflegeheime haben ihr Geschäftsmodell demnach bereits verändert und bieten auch ambulante Dienste wie betreutes Wohnen oder Tagesbetreuung an.

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Beim Neubau von Pflegeheimen setzt die Branche auf Flexibilität bei den Grundrissen und Nutzungsmöglichkeiten. „Schließlich ist es möglich, dass auf längere Sicht zum Beispiel die heute von der Landesheimbauverordnung geforderten teuren Einzelzimmer in günstigere Doppelzimmer umgewandelt werden müssen“, sagt Christian Schwarzrock, Abteilungsleiter des Finanzmanagements bei der Evangelischen Bank.

Große Veränderungen kommen auf die Pflegewirtschaft auch durch die Digitalisierung zu. Die von den Pflegemanagern erwarteten Einsatzgebiete reichen von der Dokumentation der Bewohnerakten bis hin zu Sensoren, die Stürze melden. Immerhin 43 Prozent können sich vorstellen, dass im Jahr 2030 Pflegeroboter zum Alltag in den Heimen gehören.

Die Pflegemanager schauen dabei mit zwiespältigen Gefühlen auf digitalen Wandel. Mit einer Entlastung der Pflegekräfte durch digitale Anwendungen rechnen 42 Prozent, weitere 36 Prozent halten das zumindest für möglich. Auf der andere Seite fürchten neun von zehn Befragten höhere Betriebskosten durch Wartung, Updates und Schulungen.

Das Wachstumspotenzial in der Pflege macht die Branche zunehmend auch für Investoren interessant. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte private Anbieter im vergangenen Jahr davor, sich zu hohe Renditeziele zu setzen und an der Versorgungsqualität zu sparen.

In der Untersuchung der Evangelischen Bank stimmten 42 Prozent der Befragten der Aussage „voll und ganz“ zu, dass 2030 große Konzerne den deutschen Pflegemarkt beherrschen werden. Weitere 37 Prozent sind zumindest teilweise dieser Ansicht.

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