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01.09.2019

20:39

Der Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat genießt parteiübergreifend glänzende Zustimmungswerte. dpa

Michael Kretschmer

Der Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat genießt parteiübergreifend glänzende Zustimmungswerte.

Analyse

Warum die Sachsen und Brandenburger so gewählt haben

Von: Christian Rothenberg

Eine Wahlanalyse zeigt: Ohne die hohen Zustimmungswerte von Ministerpräsident Michael Kretschmer hätte die CDU in Sachsen wohl noch schlechter abgeschnitten.

Düsseldorf Warum gelang der CDU in Sachsen eine so starke Aufholjagd? Welches waren die wahlentscheidenden Themen? Und welche Partei vertritt die Interessen der Ostdeutschen am besten? Die Nachwahl-Umfragen von Infratest Dimap geben Aufschluss. Ein Überblick.

Sachsen

Die CDU musste bei der Wahl zwar Verluste hinnehmen, profitierte aber von der Popularität von Michael Kretschmer. Der Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat genießt parteiübergreifend glänzende Zustimmungswerte.

Die Aussage „Kretschmer ist ein guter Ministerpräsident“ bejahen laut „Infratest Dimap“ Wähler von FDP (85 Prozent), SPD (79), Linker (67) und den Grünen (66) mit großer Mehrheit. Sogar bei AfD-Wählern kommt Kretschmer auf respektable 46 Prozent.

Kretschmer kann sich dabei deutlich von den übrigen Spitzenkandidaten absetzen. Mit seiner Arbeit sind 71 Prozent der Befragten zufrieden, SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig kommt auf 58 Prozent. Holger Zastrow von der FDP (29), Linken-Kandidat Rico Gebhardt (22), AfD-Mann Jörg Urban (20) und Grünen-Kandidatin Katja Meier (10) schneiden wesentlich schlechter ab. Kretschmer erreicht sogar etwas bessere Sympathiewerte als seine Vorgänger Stanislaw Tillich (2017) und Georg Milbradt (2008).

Die Zugewinne auf den letzten Metern – in Umfragen lag die CDU zeitweise hinter der AfD – hat die CDU wohl auch ihrem Spitzenkandidaten zu verdanken. Ohne dessen Zugkraft hätten die Christdemokraten bei der Wahl wohl wesentlich höhere Verluste hinnehmen müssen.

Landtagswahlen

CDU gewinnt Landtagswahl in Sachsen

Landtagswahlen: CDU gewinnt Landtagswahl in Sachsen

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Der Ministerpräsident und seine Partei punkten bei ihren Wählern vor allem mit den Themen Wirtschaft (56 Prozent) und Kriminalitätsbekämpfung (41). Die AfD liegt lediglich bei der Einwanderungspolitik vorn. 25 Prozent trauen ihr am ehesten eine gute Asyl- und Flüchtlingspolitik zu, drei Punkte mehr als der CDU.

Dabei ist das Thema Zuwanderung aus Sicht der Sachsen bei Weitem nicht das wichtigste. Bei den wichtigsten Themen für die Wahlentscheidung liegt soziale Sicherheit (17 Prozent) knapp vor Bildung (14), Wirtschaft/Arbeit (13), Zuwanderung (12), Löhnen/Rente (11), Kriminalität/innerer Sicherheit (11) und Umwelt/Klima (10). Zur Erinnerung: Bei der Europawahl spielte das Thema Klima- und Umweltschutz noch die größte Rolle für die Wahlentscheidung.

Zugunsten von Kretschmer und der CDU dürfte sich auch ausgewirkt haben, dass die Sachsen die wirtschaftliche Lage gut bewerten (75).

Auf die Frage, welche Partei am ehesten die Interessen der Ostdeutschen vertritt, gibt es ein knappes Ergebnis. Die Linke liegt mit 25 Prozent knapp vor der AfD (23). Ein interessanter Wert angesichts der starken Zugewinne der AfD und der heftigen Verlusten der Linken. Bei der Frage nach der Partei, die die besten Antworten auf die Fragen der Zukunft hat, liegt die CDU (17) vor Grünen (12) und AfD (11).

Brandenburg

Trotz ihrer Verluste ist die SPD der eindeutige Wahlsieger. Das hat sie auch Ministerpräsident Dietmar Woidke zu verdanken. Der genießt deutlich bessere Persönlichkeitswerte als die anderen Spitzenkandidaten.

55 Prozent der Brandenburger waren mit Woidkes politischer Arbeit zufrieden. Damit liegt er deutlich vor CDU-Mann Ingo Senftleben (30), der Linken Kathrin Dannenberg (20), Ursula Nonnemacher von den Grünen (20), AfD-Mann Andreas Kalbitz (18) und FDP-Kandidat Hans-Peter Goetz (14).

Bei den Anhängern der übrigen Parteien schneidet Woidke jedoch bei Weitem nicht so gut ab wie Kretschmer in Sachsen. Die meisten Linken-Wähler (76 Prozent) sind der Ansicht, dass er ein guter Ministerpräsident ist.

Bei Wählern von Grünen (57), CDU (53) und FDP (51) fällt die Zustimmung wesentlich bescheidener aus. Woidke ist insgesamt weit weniger beliebt als seine Vorgänger Matthias Platzeck (2004) und Manfred Stolpe (1999). Die brandenburgische rot-rote Landesregierung hat 2019 weit schlechtere Zufriedenheitswerte (46) als noch vor fünf Jahren (60).

Bei den Brandenburgern zeigt sich eine etwas andere Themenpräferenz als in Sachsen. Soziale Sicherheit und Umwelt/Klima (16 Prozent) werden von den Wählern als die Themen genannt, die bei der Wahlentscheidung die größte Rolle gespielt haben. Danach folgen Bildung und Wirtschaft/Arbeit (je 14) und Kriminalität/innere Sicherheit und Löhne/Rente (je 10).

Landtagswahlen

SPD behauptet sich in Brandenburg

Landtagswahlen: SPD behauptet sich in Brandenburg

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In Brandenburg können die Sozialdemokraten mit ihrer traditionellen Kernkompetenz noch punkten. Für 30 Prozent sorgt die Partei am ehesten für soziale Gerechtigkeit. Damit steht die SPD deutlich schlechter da als noch 2014, liegt aber deutlich vor den übrigen Parteien.

In anderen wichtigen Politikfeldern – Familie, Arbeitsplätze, Wirtschaft, Bildung – hat die Partei Zustimmung eingebüßt. Sie profitierte bei der Wahl auch von der Schwäche der Konkurrenz. In ihren Kernkompetenzen verzeichnen sowohl CDU (Wirtschaft, Arbeit, Kriminalität, Bildung) als auch Linke (soziale Gerechtigkeit, Familie, Bildung, Flüchtlingspolitik) sinkende Zustimmungswerte.

Bei der Frage, welcher Partei am ehesten zugetraut wird, eine gute Flüchtlingspolitik zu betreiben, gibt es in Brandenburg ein anderes Ergebnis als in Sachsen.

Die SPD hat zwar deutlich an Zustimmung eingebüßt (-13), schneidet aber mit 19 Prozent einen Punkt besser ab als die AfD (+13). Vor allen anderen Parteien liegt die SPD auch bei der Kompetenz, für bessere Lebensverhältnisse auf dem Land und für gerechte Löhne und Renten sorgen zu können.

Wenn es um die Vertretung der ostdeutschen Interessen geht, liegt die Linke (26) in Brandenburg knapp vor der SPD (24) und deutlich vor der AfD (13). Bemerkenswert: Bei der Frage nach der Partei, die die besten Antworten auf die Fragen der Zukunft hat, liegen die Grünen (16) vor CDU (12) und SPD (10) – und das, obwohl sie insgesamt nur auf Platz fünf landeten.

Mehr: Ein doppeltes blaues Auge – Was die Landtagswahlen für CDU und SPD bedeuten. Lesen Sie einen Kommentar von Thomas Sigmund.

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