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14.10.2019

07:32

Andreae-Nachfolge

Parteilinke Dröge wird Wirtschaftssprecherin der Grünen

Von: Silke Kersting

Künftig besetzt eine Grünen-Politikerin des linken Flügels den wichtigen Posten des Wirtschaftssprechers. Unterstützung bekommt sie von zwei Realos.

Dröge ist seit 2000 Mitglied der Grünen und wurde 2013 in den Bundestag gewählt. Buendnis 90/Die Gruenen Bundestag /Stefan Kaminski

Katharina Dröge

Dröge ist seit 2000 Mitglied der Grünen und wurde 2013 in den Bundestag gewählt.

Berlin Nach zwei Monaten Bedenk- und Beratungszeit steht fest, wer neuer wirtschaftspolitischer Kopf der Grünen-Bundestagsfraktion wird. Nachfolgerin der scheidenden wirtschaftspolitischen Sprecherin Kerstin Andreae soll nach Informationen des Handelsblatts aus Fraktionskreisen die 35-jährige Volkswirtin Katharina Dröge werden.

Die Wahl findet am Dienstag statt. Andreae, 50, wechselt per 1. November als neue Hauptgeschäftsführerin zum Bundesverband der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Dröge, bislang Sprecherin für Wettbewerbs- und Handelspolitik, ist seit 2000 Mitglied der Grünen und wurde 2013 in den Bundestag gewählt. Sie gehört dem linken Flügel der Grünen an und wird die erste Politikerin dieses Flügels auf diesem für die Grünen wichtigen Posten sein.

Dröge, die einige Jahre mit Andreae im Wirtschaftsausschuss zusammengearbeitet hat, sei „jung und hungrig“, heißt es. Die Entscheidung, sie auf diesen Posten zu berufen, überrascht nicht. Allerdings wird sie nicht allein die gesamten Aufgaben stemmen, die Andreae innehatte. Die Themenpalette wird auf mehrere Köpfe verteilt, der Wirtschaftsausschuss leicht umstrukturiert.

Vor allem zwei Realos spielen künftig eine wichtigere Rolle für den wirtschaftspolitischen Kurs der Grünen. So soll Dieter Janecek, 43, Experte für digitale Transformation, in Zukunft außerdem für Industriepolitik verantwortlich sein. Eine besondere Profilierungsaufgabe ist für den Start-up-Beauftragten Danyal Bayaz vorgesehen.

Der ehemalige Unternehmensberater, der am Dienstag 35 Jahre alt wird, soll den von Andreae gegründeten Wirtschaftsbeirat fortsetzen – eine handverlesene Runde mit Unternehmern, Gründern, Managern und Verbandsvertretern, mit denen über Mittel und Möglichkeiten diskutiert wird, die Wirtschaft ökologischer aufzustellen.

Andreae auf Özdemirs Linie

Bayaz, Mitglied im Finanzausschuss, wird zusätzlich stellvertretendes Mitglied im Wirtschaftsausschuss. Die Mittelstandsbeauftragte Claudia Müller, 38, bislang nur stellvertretendes Mitglied im Wirtschaftsausschuss, bekommt einen Vollsitz.
Die ökologische Modernisierung der Wirtschaft zusammen mit den Unternehmen – nicht gegen sie – ist für die Grünen eines der entscheidenden Themen auf ihrer Agenda.

Wie Grünen-Politiker Cem Özdemir gehörte Andreae stets zu den Treibern hin zu einer stärkeren Öffnung der Grünen hin zu den Unternehmen. Die Volkswirtin ist nicht nur in den eigenen Reihen, sondern auch in der Wirtschaft hoch angesehen. Als sie nach den Bundestagswahlen 2017 ankündigte, sich nicht erneut der Wahl zur stellvertretenden Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion zu stellen, bedeutete das nicht, dass sie sich weniger engagieren wollte.

Es sei für sie an der Zeit, „noch einmal andere Aufgaben in der Fraktion zu übernehmen“, sagte sie. Schon damals dachte sie an den Wirtschaftsbeirat, den sie ein halbes Jahr später gründete. Ihr gelang es, prominente Wirtschaftsvertreter wie BASF-Chef Martin Brudermüller und Hagen Pfundner vom Pharmakonzern Roche sowie Christian Knell von Heidelberg Cement für den Beirat zu gewinnen.

Bayaz, der wie Andreae aus Baden-Württemberg stammt, muss es jetzt gelingen, diese illustre Runde, die sich an diesem Montag ein weiteres Mal trifft, an den Grünen interessiert zu halten. Die Voraussetzungen hat der gebürtige Heidelberger durchaus: Bayaz hat Politik und Wirtschaft studiert und über Finanzmärkte promoviert. Vor seinem Einzug in den Bundestag 2017 arbeitete er als Unternehmensberater bei Boston Consulting Group.

Er ist ein guter Redner und hat Erfahrung in den Bereichen Arbeitsmarkt, Digitalisierung und Finanzmarktregulierung. Mitglied der Grünen ist er seit 2005.

Mehr: Die Gespräche über das sogenannte Kenia-Bündnis in Sachsen können beginnen. Die Verhandlungsführerin der Grünen erwartet einen langen, steinigen Weg.

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