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11.10.2022

16:27

Arbeitsmarkt

Bund stellt Strategie für drei der wichtigsten Herausforderungen vor – Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung

Von: Frank Specht

Mit Aus- und Weiterbildung, einer höheren Frauenerwerbstätigkeit und Zuwanderung will die Regierung den Fachkräftemangel bekämpfen. Die „drei großen D“ sind dabei Kernelemente der Strategie.

Arbeitsminister Hubertus Heil mit BA-Chefin Andrea Nahles zu Besuch in einem Ausbildungsbetrieb in Berlin. dpa

Neue „Dringlichkeit und Schärfe“ beim Fachkräftemangel

Arbeitsminister Hubertus Heil mit BA-Chefin Andrea Nahles zu Besuch in einem Ausbildungsbetrieb in Berlin.

Berlin 240.000 neue Arbeitsplätze, für die es keine qualifizierten Menschen gibt: Mit dieser Herausforderung rechnet die Bundesregierung bis zum Jahr 2026. Dem absehbaren Fachkräftemangel will sie mit einer Offensive für Aus- und Weiterbildung, einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen, besseren Arbeitsbedingungen und erleichterter Zuwanderung begegnen. Das geht aus der neuen Fachkräftestrategie hervor, die das Bundeskabinett an diesem Mittwoch beschließen will.

„Dass wir in Deutschland Fachkräfte brauchen, ist nicht neu“, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) dem Handelsblatt. „Neu ist die Dringlichkeit und Schärfe, mit der sich diese Herausforderung stellt.“ Denn die „drei großen D“ – Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung – führen dazu, dass in einigen Branchen und Regionen Arbeitsplätze abgebaut werden, während gleichzeitig der Fachkräftemangel in anderen Wirtschaftszweigen und Berufen zunimmt. Hinzu kommen neue Komplikationen durch die Pandemie und den Ukrainekrieg. „Ganze Branchen wie die Pflege oder Gastronomie sind quasi leer gefegt“, sagt Heil.

In der 45-seitigen Fachkräftestrategie, die gemeinsam mit Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften, Städten und Gemeinden und der Bundesagentur für Arbeit (BA) erarbeitet wurde, führt die Bundesregierung fünf Handlungsfelder auf, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

So gehe es darum, die Erwerbsbeteiligung von Frauen weiter zu erhöhen, etwa durch den Abbau von beschäftigungspolitischen Fehlanreizen im Steuer- und Sozialrecht oder den Ausbau der Kinderbetreuung. Wegen der hohen Teilzeitquote liegt das durchschnittliche jährliche Arbeitsvolumen von Frauen etwa 30 Prozent unter dem der Männer.

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    Gemeinsam mit den Sozialpartnern will die Regierung stärker für Ausbildungs- und Studiengänge in Branchen und Berufen werben, in denen sich Fachkräfteengpässe abzeichnen. Das gilt etwa im Handwerk, wo ein hoher Anteil der Beschäftigten kurz vor dem Rentenalter steht und der Ersatzbedarf hoch ist. Die Regierung will aber auch Weiterbildungsangebote stärker öffnen und gering qualifizierte Arbeitslose und Grundsicherungsempfänger durch Anreize ermuntern, einen Berufsabschluss nachzuholen.

    Helfen soll aber auch die von der Bundesregierung angekündigte Reform des Einwanderungsrechts. „Im Herbst werden wir dazu Eckpunkte vorlegen“, sagte Heil. Unter anderem sollen die Hürden bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen gesenkt werden. Auch soll beispielsweise durch Erleichterungen beim Familiennachzug die Bleibequote erhöht werden. Denn etwa jede zweite eingewanderte Arbeitskraft verlässt Deutschland nach einiger Zeit wieder.

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    Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mahnt in einer aktuellen Studie, dass Deutschland die Erwerbs- und Bildungszuwanderung von Ausländern, die über in Deutschland gesuchte Fachqualifikationen verfügen oder diese zeitnah erwerben können, noch gezielter fördern müsse. Denn die bereits eingewanderte Bevölkerung sei immer noch überproportional häufig niedrig qualifiziert und nicht am Arbeitsmarkt aktiv oder nur in einfachen Helfertätigkeiten beschäftigt.

    Bei vielen in der Fachkräftestrategie aufgeführten Vorhaben der Bundesregierung muss allerdings die Finanzierung noch geklärt werden. Das gilt etwa für das Qualifizierungsgeld, das Arbeitgebern im Strukturwandel ermöglichen soll, Beschäftigte durch bedarfsgerechte Qualifizierung zu halten, oder eine zweiwöchige vergütete Freistellung nach der Geburt des Kindes, die Eltern helfen soll, Beruf und Familie leichter zu vereinbaren.

    Heiße Eisen wie ein späterer Renteneintritt werden nur vorsichtig angefasst. So will die Regierung „mit den Sozialpartnern in einen gesellschaftlichen Dialogprozess darüber eintreten, wie Wünsche nach einem längeren Verbleib im Arbeitsleben einfacher verwirklicht werden können“, wie es in der Fachkräftestrategie heißt.

    Auch lobt sich die Bundesregierung zwar selbst für die finanzielle Unterstützung beim Ausbau der Kinderbetreuung, räumt aber zugleich ein, dass für ein bedarfsdeckendes Angebot Erzieherinnen und Erzieher fehlen. Für die Erzieherberufe soll deshalb noch eine eigene Fachkräftestrategie entwickelt werden.

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