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27.05.2021

15:23

Arbeitsmarkt

Mangel an MINT-Experten bremst Digitalisierung und Klimaschutz

Von: Barbara Gillmann

Digitalisierung und ökologischer Wandel steigern die Nachfrage nach Spezialisten für Technik und Naturwissenschaften. Doch die Pandemie bremst die Qualifizierung des Nachwuchses.

Nachwuchs aus dem technisch-naturwissenschaftlichen Bereich wird händeringend gesucht. dpa

Ausbildung mit Datenbrille

Nachwuchs aus dem technisch-naturwissenschaftlichen Bereich wird händeringend gesucht.

Berlin Mit dem Aufschwung nach dem Corona-bedingten Konjunktureinbruch steigt der Bedarf an Spezialisten in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Im April fehlten schon rund 141.500 Arbeitskräfte in den MINT-Berufen – die auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik basieren. Das zeigt der neue MINT-Report des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Im Herbst 2020 hatte diese Lücke noch 109.000 Arbeitskräfte betragen. 

Die Situation in dem für die Wirtschaft wichtigen Bereich dürfte sich weiter verschärfen: Einerseits wird vor allem durch die Digitalisierung und den ökologischen Umbau der Wirtschaft die Nachfrage an MINT-Fachkräften enorm steigen – andererseits, so warnt das IW,  dürfte sich wegen der Corona-Pandemie weniger Nachwuchs für diese Fächer entscheiden als bislang. 

Insgesamt erwarten dem Report zufolge 40 Prozent der Unternehmen steigenden Bedarf an Akademikern mit Hintergrund in der Informationstechnik (IT); 54 Prozent der Firmen erwarten einen Mehrbedarf an IT-Fachkräften. Speziell für die Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte sind IT-Akademiker vermehrt gefragt. 

Der Bildungs- und Innovationsexperte des Instituts, Axel Plünnecke, warnt vor den Folgen der pandemiebedingten Schulschließungen. Ohne Gegenmaßnamen werde der „MINT-Nachwuchs“ dadurch sinken. 

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    Diverse Studien haben gezeigt, dass die Pandemie in den MINT-Fächern große Lücken gerissen hat. Das könnte hier „zu einem Rückschritt auf das Kompetenzniveau des Jahres 2000 bedeuten“, als die schlechten Ergebnisse des ersten Pisa-Tests die Republik schockierten, fürchten die Autoren. Daneben rechnen sie damit, dass noch weniger Mädchen sich für MINT-Berufe entscheiden, weil die Berufsorientierung nicht so läuft wie üblich. 

    Mehr Studienabbrecher und weniger Studenten aus dem Ausland 

    Schließlich sei bei den Studierenden wegen des Onlinestudiums eine noch höhere Abbrecherquote bei MINT-Fächern zu erwarten als in normalen Zeiten. Dazu kommt, dass weniger Studierende aus dem Ausland nach Deutschland kommen. 

    Grafik

    „Gerade die allemal schon verbesserungsbedürftige MINT-Bildung hat durch Lockdown und mangelhafte Digitalisierung der Schulen besonders gelitten“, sagt Thomas Sattelberger, Vorsitzender der Wirtschaftsinitiative „MINT Zukunft schaffen“. Daher müssten nun die bundesweit geplanten Nachhilfe- und Unterstützungsmaßnahmen systematisch und möglichst individuell umgesetzt werden, fordert der FDP-Abgeordnete.

    Gleichzeitig müsse der Digitalpakt Schule so umgesetzt werden, dass „wir nicht nur für Notsituationen gerüstet sind, sondern die Chancen der Digitalisierung gerade für die MINT-Bildung voll ausschöpfen können“. Andernfalls könnte bis zu einem Drittel der Schüler abgehängt werden.

    Dazu kommt das Demografie-Problem: Weil immer mehr Fachkräfte der Babyboomer-Jahrgänge in Rente gehen, fehlen zunehmend Arbeitskräfte. „Zwei Drittel des akademischen Nachwuchses werden allein für den Ersatzbedarf gebraucht, das jährliche Neuangebot an beruflich Qualifizierten wird bereits den Ersatzbedarf bei Weitem nicht decken“, heißt es im Report. 

    So mussten bislang jährlich etwa 62.000 MINT-Akademiker und 270.000 MINT-Fachkräfte ersetzt werden, die altershalber ausschieden. Ab 2024 werden es jedoch 69.000 und 291.000 sein, rechnet das IW vor.

    Gesamtmetall dringt auf mehr duale Ausbildung 

    Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall dringt auf mehr Ausbildung in den MINT-Berufen: „Uns macht die wachsende demografische Lücke gerade bei den beruflich qualifizierten MINT-Facharbeitern Sorge, die in den nächsten Jahren verstärkt aus dem Berufsleben ausscheiden“, sagt der Gesamtmetall-Geschäftsführer Michael Stahl. „Wir erwarten, dass die MINT-Ausbildungszahlen nach einem Corona-bedingten Rückgang in den kommenden Jahren wieder spürbar steigen werden.“ 

    2020 war die Zahl der neuen Azubi-Verträge deutlich gesunken, Experten fürchten dies auch für 2021. 

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