Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2022

17:43

Arbeitsmarkt

Ukraine-Krieg dämpft Einstellungsbereitschaft

Von: Frank Specht

Angesichts der Unsicherheit planen die Unternehmen verhaltener mit Personal. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer sinkt auf den tiefsten Stand seit Mai 2021.

Unternehmen sind zurückhaltender. imago images/imagebroker

Agentur für Arbeit in Köln

Unternehmen sind zurückhaltender.

Berlin Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Ukrainekriegs und seine möglichen wirtschaftlichen Folgen wirken sich inzwischen auch auf den Arbeitsmarkt aus. Während das Ifo-Beschäftigungsbarometer im Februar noch kräftig gestiegen war, gab der Indikator nun deutlich nach. Er liegt im März bei 102,1 Zählern, nach 104,3 Punkten im Februar. Das ist der niedrigste Wert seit Mai 2021.

Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte dem Handelsblatt: „In dieser kritischen und sehr unsicheren Lage rechne ich zwar nicht mit einer Entlassungswelle.“ Aber bei den Einstellungen würden „viele Unternehmen sich zurückhalten“. Es könnte deshalb sein, dass die Erholung des Arbeitsmarkts nach der Coronapandemie gebremst wird. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zeichne sich im Moment aber noch nicht ab, sagt Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe.

Das Ifo-Beschäftigungsbarometer basiert auf den Beschäftigungsabsichten von rund 9000 befragten Unternehmen und wird monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Kräftig gesunken ist der Teilindikator für die Industrie, die bereits vor dem russischen Angriff unter Teilemangel litt.

Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg sagt: „Die schon erheblichen Lieferkettenprobleme werden durch den Ukrainekrieg weiter verschärft.“ Auf dem Arbeitsmarkt lasse sich aber vieles mit dem Instrument der Kurzarbeit abfedern.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Bundesregierung hat bereits entschieden, den erleichterten Zugang zu verlängern. Auch kann sie bei Bedarf per Verordnung bestimmen, dass den Arbeitgebern wieder die Sozialbeiträge für Kurzarbeiter ganz oder teilweise erstattet werden. Sollte der Krieg aber zu dauerhaft hohen Energiepreisen führen, müsse die Bundesregierung auch über andere Wirtschaftshilfen nachdenken, sagt Weber. Kurzarbeit sei geeignet, um Lieferkettenprobleme abzufedern, nicht aber hohe Energiekosten.

    In seiner vor wenigen Tagen veröffentlichten Prognose für 2022 geht das IAB trotz des Kriegs davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen im laufenden Jahr um gut eine halbe Million zunehmen wird. „Wir hatten schon zu Jahresbeginn das tiefe Coronatal weit hinter uns gelassen und bei der Beschäftigung fast das Vorkrisenniveau erreicht“, sagt Weber. In ihrer Prognose geht die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA) davon aus, dass der Krieg auf die Ukraine begrenzt bleibt, aber auch nicht schnell beendet sein wird.

    Die Zahl der Arbeitslosen soll nach der IAB-Prognose im Jahresschnitt um 350.000 unter dem Wert des Vorjahres liegen. Allerdings gebe es neben dem Krieg einen weiteren Unsicherheitsfaktor, sagt Weber: „Wenn China mit seiner Zero-Covid-Strategie an Grenzen stößt und wieder großflächiger abriegelt, kann man sich an zehn Fingern abzählen, dass das auch Auswirkungen auf Lieferkettenstörungen und die Weltwirtschaft haben wird.“

    Gastgewerbe sucht Personal

    Nach dem Ifo-Beschäftigungsbarometer zeigt sich die durch die wirtschaftliche Unsicherheit gedämpfte Einstellungsbereitschaft über alle Branchen hinweg. Neben dem Indikator für die Industrie sind auch die Werte für den Dienstleistungssektor, den Handel und das Bauhauptgewerbe gesunken.

    Das Gastgewerbe sucht nach dem Ende der meisten Coronabeschränkungen weiter nach neuem Personal. Auch der Handel könnte von den Lockerungen profitieren. Trotzdem zeigen sich die befragten Firmen der Branche so pessimistisch wie seit April vergangenen Jahres nicht mehr. Hier könnte eine Rolle spielen, dass die stark gestiegenen Preise möglicherweise die Konsumlust der Verbraucher dämpft.

    Allerdings sind alle Teilindikatoren des Beschäftigungsbarometers immer noch positiv. Das heißt, die Zahl der Unternehmen, die Personal aufbauen wollen, übersteigt die Zahl jener Firmen, die Entlassungen planen.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×