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14.06.2020

17:48

Augustus Intelligence

Für diese merkwürdige Firma hat sich Philipp Amthor engagiert

Von: Alexander Demling, Astrid Dörner

Ex-Manager von Augustus Intelligence sagen, das Unternehmen habe kein Produkt, keine Kunden und keine Umsätze. Auch die Finanzierung ist unklar.

Der Bundestagsabgeordnete ist mit einer merkwürdigen Firma in Verbindung gebracht worden. Imago

Philipp Amthor

Der Bundestagsabgeordnete ist mit einer merkwürdigen Firma in Verbindung gebracht worden.

San Francisco, Denver Öffentlich bekannt ist nicht viel über Augustus Intelligence – das Unternehmen, für das sich der aufstrebende CDU-Politiker Philipp Amthor engagiert hat. Der Bundestagsabgeordnete hatte laut „Spiegel“ Lobbyarbeit für Augustus Intelligence betrieben und sich von der Firma in teure Hotels einladen lassen, einen Direktorenposten bekleidet und Aktienoptionen erhalten.

Im Herbst 2018 hatte Amthor mit einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) um politische Unterstützung gebeten. Der Entwurf des Schreibens wurde dem Nachrichtenmagazin zufolge auf Briefpapier des Deutschen Bundestags verfasst und kursierte vor Versenden im Unternehmen.

Doch für wen hat Amthor lobbyiert? Die wenigen bekannten Details zeigen ein seltsames KI-Start-up mit gewaltigen Ambitionen: Im März hatte es nach eigenen Angaben 80 Mitarbeiter, laut „Spiegel“ gibt es an, in den USA Datenzentren zu betreiben und Software zur Gesichts- und Objekterkennung anbieten zu wollen.

Es gibt wohl auch Pläne im Bereich der Spracherkennung. Dies erwähnte der 33 Jahre alte Augustus-Chef Wolfgang Haupt in einer E-Mail an den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der Anteile an dem Unternehmen besitzt und noch im März auf der Website des Start-ups als „President in charge of General Affairs“ aufgeführt wurde. Das Impressum wurde danach offenbar von der Website genommen.

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    Wenn die Pläne stimmen, würde Augustus mit den milliardenschweren Cloud-Töchtern von Amazon, Microsoft und Google und deren Armeen an Entwicklern und weltweit führenden Experten konkurrieren. Das tun zwar viele seriöse KI-Start-ups. Allerdings fokussieren sie sich jeweils auf einen spezielleren Aspekt der Künstlichen Intelligenz: Spracherkennung etwa, Gesichtserkennung oder Übersetzung. Und in der Regel betreiben sie nicht gleichzeitig ihre eigenen Datenzentren.

    Das einzige öffentlich auffindbare Augustus-Produkt ist eine Chatbot-Software für Kundenservice namens Satisfaction.ai, die laut Testimonials auf der Website mehrere französische Unternehmen wie der Online-Autoteilehändler Oscaro nutzen. Die Software scheint nicht revolutionär zu sein, kann aber Umsatz bringen.

    Satisfaction.ai wurde nicht von Augustus entwickelt, sondern von einem 2012 von französischen und belgischen Entwicklern im Silicon Valley gegründeten Start-up namens XBrain. XBrain hatte zunächst an einem smarten Assistenten für Autofahrer gearbeitet und schwenkte später auf Chatbots für Unternehmen um. Etwa seit Anfang 2020 gehört XBrain zu Augustus, die Firmenwebsite verlinkt seitdem auf die Seite von „Satisfaction.ai by Augustus“.

    Rechtsstreit mit zwei Managern

    Warum Augustus Intelligence die Nähe zu Politikern wie Amthor oder Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen sucht, ist rätselhaft. Das Unternehmen sitzt an einer der besten Adressen in New York, im 77. Stock des One World Trade Centers. Dort sitzt einem New Yorker Unternehmensregister zufolge auch zu Guttenbergs Beratungs- und Investmentfirma Spitzberg Partners.

    Derzeit liefert sich Augustus einen Rechtsstreit mit zwei ehemaligen Managern: Im Dezember trennte sich das Start-up laut Klageschrift von Marco Pacelli und Ed Crump und warf ihnen unter anderem vor, sie hätten geistiges Eigentum der Firma gestohlen und Augustus über ihre Nebentätigkeit in einem anderen Unternehmen, Quantum Intelligence, Konkurrenz gemacht.

    Pacelli war als Chief Commercial Officer eingestiegen, Crump als Produktchef. Zu Guttenberg soll sie unter dem Vorwand neuer Geschäftsmöglichkeiten ins Büro gelockt und ihnen dann gekündigt haben.

    Augustus reichte im Januar eine Klage gegen die Mitarbeiter ein, die Anfang Februar jedoch wieder fallengelassen wurde. An dem Tag reichten Pacelli und Crump wiederum eine Gegenklage ein, in der sie schwere Vorwürfe gegen das Start-up erheben. So sei ihnen versichert worden, dass Augustus bereits Investorengelder in Höhe von 72 Millionen Dollar eingesammelt habe. Außerdem sei behauptet worden, es gebe bereits ein fertiges Produkt, heißt es in der Klageschrift. 

    Das allerdings sei gelogen. Das Unternehmen „hatte die Finanzierung nicht, es hatte kein Produkt und auch keine Kunden oder Umsätze“. Um mögliche Investoren zu beeindrucken, seien Augustus-Mitarbeiter angehalten worden, Freunde mit ins Büro zu bringen, die sich als Mitarbeiter ausgeben, heißt es in dem Gerichtsdokument weiter. Da das Start-up keine eigene Technologie hatte, soll ein für Vorführungen öffentlich zugänglicher Computer-Code genutzt worden sein.

    Amthor spricht von „Fehler“

    Die Kläger verweisen zudem darauf, dass sie ihre Nebentätigkeiten schon früh angegeben hätten. Pacelli glaubt zudem, dass Augustus Privatdetektive angeheuert habe, um ihn zu überwachen. Derzeit wird der Fall hinter verschlossenen Türen vor einem Schiedsgericht verhandelt.

    Zu Guttenberg und die Anwälte der Kläger waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Augustus wollte sich auf Anfrage nicht zu seinen konkreten Produkten und den Anschuldigungen seiner ehemaligen Mitarbeiter äußern.

    „Augustus Intelligence entwickelt unter anderem KI-basierte IT-Lösungen und trägt somit zu einem wachsenden Technologiefeld bei, das in den kommenden Jahren zu einem Paradigmenwechsel in der Gesellschaft und Wirtschaft führen und unserer Gesellschaft zugutekommen wird“, schrieb Justiziar Ramsey Taylor in einer wohlklingenden Stellungnahme. „Unsere Mitarbeiter, Kunden und Investoren, denen wir unseren Erfolg als aufstrebendes Technologieunternehmen verdanken, sind unsere größten Assets. Integrität und Loyalität ihnen gegenüber sind unverzichtbar.“

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    Meine Nebentätigkeit für ein US-amerikanisches Unternehmen, das in einem für die ökonomische und sicherheitspolitische Zukunft wichtigen Themenfeld arbeitet, habe ich der Bundestagsverwaltung bei Aufnahme im vergangenen Jahr offiziell angezeigt. Ich bin nicht käuflich. Gleichwohl habe ich mich politisch angreifbar gemacht und kann die Kritik nachvollziehen. Es war ein Fehler. Mein Engagement für das Unternehmen entspricht rückblickend nicht meinen eigenen Ansprüchen an die Wahrnehmung meiner politischen Aufgaben. Dieses Kapitel ist mir eine Lehre. Deshalb habe ich die Konsequenzen daraus gezogen und meine Nebentätigkeit beendet. Anteilsoptionen des Unternehmens habe ich nie ausgeübt und bereits zurückgegeben. Meine Priorität ist der leidenschaftliche politische Einsatz für unser Land.

    Ein Beitrag geteilt von Philipp Amthor, MdB (@philipp.amthor) am

    Philipp Amthor bezeichnete seine Arbeit für die US-Firma mittlerweile als einen Fehler. Zwar habe er seine Nebentätigkeit für das Unternehmen bei Aufnahme im vergangenen Jahr der Bundestagsverwaltung offiziell angezeigt. „Ich bin nicht käuflich“, sagte Amthor, der Vorsitzender der Landes-CDU in Mecklenburg-Vorpommern werden will, am Freitag. „Gleichwohl habe ich mich politisch angreifbar gemacht und kann die Kritik nachvollziehen. Es war ein Fehler.“

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