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20.08.2019

16:54

Automobilindustrie

Deutsche Umwelthilfe fordert Verbraucher zum „Verbrenner-Fasten“ auf

Von: Micha Knodt

Mit zwölf Punkten will die Deutsche Umwelthilfe die deutsche Autoindustrie vor dem Niedergang schützen. Vor allem übt sie aber Kritik an der Regierung und den Herstellern.

Nach eigenen Angaben sorgt sich die DUH um die Arbeitsplätze der deutschen Automobilindustrie. dpa

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH)

Nach eigenen Angaben sorgt sich die DUH um die Arbeitsplätze der deutschen Automobilindustrie.

Berlin Die deutsche Umwelthilfe (DUH) hat einen 12-Punkte-Plan vorgelegt. Damit soll laut DUH der „aktuelle Niedergang der Automobilindustrie gestoppt werden“. Das Papier wurde am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. „Der deutschen Automobilindustrie droht das Nokia-Schicksal“, sagte der Bundesgeschäftsführer der DUH, Jürgen Resch, auf der Pressekonferenz.

Sie setze weiterhin auf Verbrenner und Geländewagen. Diese werden aus Sicht der DUH aber immer weniger nachgefragt. Dadurch seien die rund 800.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie gefährdet.

Wie die DUH zu dieser Einschätzung kommt, blieb allerdings ihr Geheimnis. Die Neuzulassungen für SUV in Deutschland kratzten im Mai knapp an der 100.000er-Marke. Das waren 32 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Und auch weltweit steigt die Nachfrage nach SUVs. Der weltweite Absatz von BMW-SUVs wuchs im Juli beispielsweise um ein Viertel.

Note: Ungenügend

Inwieweit es der DUH um die Arbeitsplätze in der Automobilindustrie geht, wird auf der Pressekonferenz nicht deutlich. Eher wird sie zu einer Generalabrechnung mit den deutschen Autobauern und der Bundesregierung. Auf die Frage, welches Zeugnis er Verkehrsminister Andreas Scheuer ausstellen würde, antwortet DUH-Chef Resch mit „ungenügend“. Die letzten drei Verkehrsminister Ramsauer, Dobrindt und Scheuer hatten laut Resch ein „zu großes Ohr für die Automobilindustrie gehabt“.

Die stellvertretende Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz kritisierte: „Die Bundesregierung muss sich endlich eingestehen, dass sie mit ihrer bisherigen Industriepolitik und vielen Fördermilliarden gescheitert und mitverantwortlich dafür ist, dass die deutschen Autokonzerne mit Vollgas auf eine Betonmauer zurasen.“

Handfeste Belege für diese Aussage liefert die DUH nicht. Die Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie steigt, trotz Dieselskandal, seit 2010 konstant an. 2018 erwirtschaftete die Autoindustrie einen Rekordumsatz von 424,8 Milliarden Euro.

Lieferengpässe bei E-Autos

Es bedarf einiger Nachfragen in der Pressestelle der DUH, um zum Kern der Forderungen zu kommen. Dort heißt es, es gehe um langfristige Weichenstellungen. Kern des Problems sei, und da hat die DUH recht, dass unter den 20 meistverkauften Elektroautos momentan kein einziges deutsches Modell zu finden ist. „Wie kann eine deutsche Schlüsselindustrie hier nicht mit von der Partie sein“, fragt DUH-Bundesgeschäftsführer Resch. Das Angebot habe sich zudem verschlechtert.

„Nur drei deutsche Elektroautos sind momentan überhaupt bestellbar“, so Resch. Das Elektromodell des Smart sei momentan beispielsweise überhaupt nicht lieferbar, da die Nachfrage die Planungen von Daimler übertreffen. Audi wiederum hat die Produktionszeiten für den E-Tron reduziert, kämpft deswegen heute aber mit Lieferschwierigkeiten.

Die DUH fordert deswegen von der Automobilindustrie einen freiwilligen Stopp der Entwicklung neuer SUV-Modelle. Die dadurch freiwerdenden Ingenieure sollten mit der Entwicklung von E-Autos betraut werden. Die Bundesregierung solle zudem Anreize für effiziente, batteriebetriebene Fahrzeuge schaffen, etwa durch ein Bonus/Malus-System. Wer ein sparsames Auto kauft, erhält einen Zuschuss. Wer hingegen einen schmutzigen Verbrenner kauft, soll mehr bezahlen.

Die Neuzulassung von reinen Verbrennern sollte zudem ab 2025 verboten werden. „Wir fordern kein SUV-Verbot. Aber wir beklagen die Flut an SUVs“, stellt Resch klar. Berufsgruppen wie Förster oder Handwerker, die auf große Autos angewiesen sind, sollen sie auch künftig kaufen dürfen.

Verbraucher sollen „Verbrenner-Fasten“

Außerdem solle ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen und von 80 km/h außerorts eingeführt werden. Innerorts soll eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h gelten. Damit werde aus Sicht der DUH die Wettbewerbsfähigkeit von Elektroautos gestärkt. Zuletzt fordert die DUH die deutschen Verbraucher zum „Verbrenner-Fasten“ auf. Sie sollen keine Autos mit reinem Verbrennungsmotor mehr kaufen.

Ginge es nach der DUH, würden die Verbraucher zudem komplett auf einen privaten PKW verzichten. Inwiefern dies der deutschen Automobilindustrie und den 800.000 Arbeitsplätze helfen soll, wurde nicht klar.

Ende letzten Jahres geriet die DUH in die Kritik. In dieser Zeit klagte sie in vielen deutschen Städten Dieselfahrverbote ein. Dann wurde bekannt, dass sie Spenden von Toyota erhielt. Zuvor hatte Toyota bekannt gegeben, keine Dieselautos mehr in Europa zu verkaufen und auch keine neuen Dieseltechnologien für PKW mehr zu entwickeln.

Der Frage, von welchen Autoherstellern die DUH 2019 bereits Spenden erhalten hat, beantwortet mit DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch mit: „So weit ich weiß von keinen.“ Die DUH erklärte, dass sie 2019 keine Spenden von Autoherstellern erhalten hat und auch keine Spenden aus der Branche erwartet.

Kommentare (3)

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Herr Hans Schönenberg

20.08.2019, 17:21 Uhr

Wenn die deutsche Automobilindustrie heute nicht mehr funktioniert, ist das mit das Werk der DUH! Hier Lösungsansätze zu repräsentieren, scheint mir sehr gewagt. Teile der Automobilindustrie haben Messverfahren "kreativ" ausgelegt - ich bin mir sehr sicher: mit Duldung von Teilen der Regierung. Dies ist für viele Auto-Besitzer Betrug. - Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber: die DUH ist ein Teil des Problems, nicht deren Lösung.

Herr Hans Henseler

20.08.2019, 18:56 Uhr

Die Auto-Hersteller koennen aufatmen: die DUH hat die Probleme erkannt und die Loesungen formuliert. Sie kann in Zukunft als Beraterin auf gute Honorare hoffen.

Herr Hans Henseler

20.08.2019, 18:56 Uhr

Die Auto-Hersteller koennen aufatmen: die DUH hat die Probleme erkannt und die Loesungen formuliert. Sie kann in Zukunft als Beraterin auf gute Honorare hoffen.

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