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14.10.2018

21:27

Bayernwahl

Das sind die interessantesten Zahlen zur Landtagswahl

Von: Christian Rothenberg

Die bayerische Landtagswahl verblüfft: Grüne und AfD stark, CSU und SPD sehr schwach. Aber warum? Umfragen und Statistiken geben Antworten.

Die Grünen bejubeln ihr Ergebnis bei den Landtagswahlen. AP

Feiernde Grüne

Die Grünen bejubeln ihr Ergebnis bei den Landtagswahlen.

Düsseldorf Warum sind CSU und SPD so schwach? Warum schneiden Grüne und AfD so stark ab? Wie ist das Wahlergebnis zu erklären, wie ist es zustande gekommen? Ein wenig Aufschluss geben die Zahlen von der Forschungsgruppe Wahlen und Infratest dimap, Stand: 20.30 Uhr vom Sonntagabend.

Ein Blick auf die Wählerwanderungen: Die AfD zog mit über 10 Prozent der Stimmen in den Landtag ein. Die Wähler der Partei kommen aus verschiedenen Richtungen, 180.000 von der CSU, 60.000 von den Freien Wählern und 30.000 von der SPD. Unter den AfD-Wählern sind auch 170.000 Menschen, die 2013 gar nicht zur Wahl gegangen sind.

Die CSU verlor gleich in drei Richtungen stark: Jeweils 180.000 Personen machten diesmal ihr Kreuz bei Grünen oder AfD, 170.000 bei den Freien Wählern. Dafür wählten 100.000 Menschen die CSU, die 2013 noch der SPD ihre Stimme gegeben hatten. Die SPD verlor an eine Partei noch stärker: 210.000 Personen wechselten bei dieser Landtagswahl zu den Grünen. Die konnten neben den starken Gewinnen von SPD und CSU auch immerhin 120.000 Nichtwähler aktivieren.

Zweifel der Wähler an Ministerpräsident Markus Söder

Das schlechte Abschneiden der CSU bei der Wahl hat verschiedene Ursachen. Eine ist offenbar Markus Söder. Der Ministerpräsident genießt deutlich schlechtere Popularitätswerte als sein Vorgänger Horst Seehofer. Dessen Arbeit bewerteten 2013 immerhin 75 Prozent gut und nur 19 Prozent schlecht. Diesmal waren nur noch 52 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Söder seine Sache gut macht. Immerhin 37 Prozent attestierten ihm schlechte Arbeit.

Bei der Aufschlüsselung von Söders Charaktereigenschaften zeigt sich: An seinem politischen Sachverstand zweifeln wenige Menschen (17 Prozent) im Freistaat. Bei Glaubwürdigkeit und Sympathie schneidet der Landesvater aber mäßig ab. Die Lager von Anhängern und Kritikern sind ungefähr gleich groß.

Eine andere Umfrage zeigt sogar: Der Zuspruch für die CSU ist deutlich höher als der für Söder. Bei der SPD ist es genau andersherum: Spitzenkandidatin Natascha Kohnen wird deutlich positiver bewertet als ihre Partei. Noch etwas anderes ist bemerkenswert: Die Freien Wähler werden besser bewertet als alle anderen Parteien. Sie liegen sogar knapp vor der CSU.

Warum das so ist? Zwei Drittel der Menschen in Bayern werfen der CSU vor, dass sie das Gespür für das verloren habe, was Bayern bewegt. Aus Sicht der Wähler ist Söder dabei längst nicht der Alleinschuldige. Auch CSU-Chef Horst Seehofer erhält ein schlechtes Zeugnis. 65 Prozent der Menschen sind der Ansicht, dass er der CSU geschadet habe, nur 13 Prozent beurteilen sein Auftreten als hilfreich.

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Nach der Bayernwahl sind zwei Bündnisse wahrscheinlich: Die CSU könnte mit den Freien Wählern koalieren oder mit den Grünen. Ein Bündnis von CSU und Freien Wählern stößt dabei zurzeit auf mehr Zustimmung. 49 Prozent fänden eine solche Koalition gut, 25 Prozent schlecht. Eine Landesregierung mit CSU und Grünen bewerten derweil 47 Prozent gut, aber 38 Prozent schlecht.

Interessant ist auch die Aufschlüsselung zwischen männlichen und weiblichen Wählern. Bei Frauen schneiden die Grünen deutlich besser ab (21 Prozent), SPD und Freie Wähler geringfügig. Auch bei der AfD sind die Werte sehr unterschiedlich: 14 Prozent der männlichen Wähler stimmten für die Partei, aber nur 8 Prozent der weiblichen.

Auch in den Altersgruppen gibt es erhebliche Unterschiede: Bei Wählern unter 30 holte die CSU lediglich 26 Prozent, bei über 60-Jährigen dagegen 45. Genau andersherum ist es bei den Grünen: Bei unter 30-Jährigen erreicht die Partei sogar 24 Prozent, bei Wählern über 60 nur 13.

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Auch Berufsgruppe und Bildungsabschluss beeinflussen die Wahlentscheidung. Bei Beamten (39 Prozent) und Personen mit Hauptschulabschluss (46 Prozent) schneidet die CSU überdurchschnittlich gut ab, bei Hochschulabsolventen (25) schwach.

Die Grünen kommen bei Arbeitern nur auf 11 Prozent, bei Beamten aber auf starke 24 Prozent. Im Hinblick auf den Bildungsabschluss zeigt sich hier das umgekehrte Bild zur CSU: Unter Menschen mit Hauptschulabschluss erreichen die Grünen nur 7 Prozent, unter Menschen mit Hochschulabschluss 36. Die AfD schneidet bei Arbeitern wesentlich besser ab (18) als bei Beamten (7), bei Menschen mit Hauptschulabschluss (14) stärker als bei solchen mit Hochschulabschluss (5).

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