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20.12.2018

18:13

BDI Innovationsranking

Deutschland fällt im Ranking der innovativsten Länder immer weiter zurück

Von: Martin Greive

Nur haarscharf konnte sich Deutschland laut einer neuen Studie vor Schweden, die USA und Großbritannien schieben. Das Problem: Die digitale Infrastruktur des Landes. 

Deutschland liegt nur auf Platz 21 der 35 im Offenheits-Ranking des BDI. Reuters

Innovationen in Deutschland

Deutschland liegt nur auf Platz 21 der 35 im Offenheits-Ranking des BDI.

BerlinSein Name ist Synonym für flauschige Pelztiere. Doch dieser „Panda“ hat nichts mit der Fauna zu tun. Der „Panda“ des Münchener Start-ups Franka Emika ist ein Roboter, der den Alltag der Menschen erleichtern soll. Binnen weniger Minuten kann jeder dem smarten Helfer neue Aufgaben beibringen.

Der „Panda“ lernt aber nicht nur schnell, er reagiert auch sensibel auf menschliche Berührungen. Dadurch vermeidet er Verletzungen, was ihn attraktiv für den Einsatz in der Pflege macht. 2017 hat das Münchener Start-up Franka Emika für sein intelligentes Roboterassistenzsystem den „Deutschen Zukunftspreis“ gewonnen.

Es gibt sie also, die jungen, verheißungsvollen Unternehmen aus Deutschland, die mit ihren Erfindungen die Welt verändern wollen. Das zeigt: Die Bundesrepublik bringt nach wie vor innovative Unternehmen hervor. Das Problem ist, dass es nicht genug Firmen wie Franka Emika gibt. Zu diesem Fazit kommt zumindest der „Innovationsindikator 2018“ des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), der dem Handelsblatt vorliegt.

Demnach war Deutschland 2017 unter 35 untersuchten Volkswirtschaften die viertinnovativste und behauptete damit den Platz aus dem Vorjahr. Doch „der Abstand zur Spitzengruppe wächst“, heißt es in der Studie. „Das kontinuierlich schlechtere Abschneiden im Innovationswettbewerb ist Anlass zu Sorge. Diesen Trend gilt es zu stoppen“, warnt BDI-Präsident Dieter Kempf.

So ist der Rückstand auf Singapur, das nach 17 Jahren an der Spitze die Schweiz auf Platz 2 verdrängen konnte, beträchtlich. Beide Länder liegen deutlich vor dem Rest des Feldes. Aber auch gegenüber dem drittplatzierten Belgien hat Deutschland an Boden verloren. Und der Vorsprung auf andere Länder ist nur äußerst knapp: Nur haarscharf konnte sich Deutschland vor Schweden, die USA und Großbritannien schieben.

Dass Deutschland im Innovationswettbewerb an Boden verliert, hat mehrere Ursachen. So rutscht Europas größte Volkswirtschaft im Teilbereich „Wirtschaft“, in dem die Innovationskraft von Unternehmen gemessen wird, gegenüber dem Vorjahr von Platz sieben auf Platz neun ab. 2012 hatte Deutschland es noch unter die Top 3 geschafft.

Grafik

Gerade deutsche Mittelständler würden derzeit im Innovationswettbewerb zurückfallen, heißt es in der Studie. Dies liege unter anderem am Fachkräftemangel, an Schwächen bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle sowie an den vergleichsweise wenigen Gründungen innovativer Start-ups. Um der Entwicklung entgegenzuwirken, fordert der BDI die Politik auf, endlich eine steuerliche Forschungsförderung einzuführen.

Während viele andere Länder solche Steuervergünstigungen für Forschungsausgaben längst umgesetzt haben, wird hierzulande seit vielen Jahren darüber diskutiert. Seit einigen Wochen immerhin liegen Eckpunkte des Bildungs- und Wirtschaftsministeriums für ein Gesetz vor, die derzeit vom Finanzressort geprüft werden.

„Die Politik darf jetzt keine Zeit mehr verlieren und muss die Weichen für künftige Innovationen stellen“, sagte Kempf. Besonders schwach schneidet Deutschland im neuen Offenheits-Ranking ab. Hier liegt die Bundesrepublik nur auf Platz 21 der 35 Länder. Dies überrascht zunächst, da kaum eine andere Volkswirtschaft so eng mit der Weltwirtschaft verflochten ist wie die deutsche.

Es exportieren auch nicht nur viele deutsche Unternehmen ins Ausland, andersherum investieren auch ausländische Unternehmen viel in deutschen Standorte. Auch ist die deutsche Wissenschaft international aufgestellt. So veröffentlichen viele Forscher ihre Arbeiten mit Kollegen aus dem Ausland. Seit 2007 allerdings hat diese Entwicklung „deutlich abgenommen“, heißt es in der Studie.

Auch bei der Offenheit der Märkte erreicht Deutschland nur Platz 17. Die größte Schwäche ist aber: Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern weniger in der Lage, Talente aus dem Ausland anzuziehen und ausländische Arbeitskräfte in Arbeitsmarkt und Gesellschaft zu integrieren. Hier liegt Deutschland am unteren Ende des BDI-Rankings.

Innovations-Ranking

Der Indikator

Der Innovationsindikator wird seit dem Jahr 2005 erhoben. Er wird vom Bundesverband der Deutschen Industrie herausgegeben und vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung sowie dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erstellt. Deutschland konnte sich über die Jahre verbessern. Lag man 2005 noch auf Platz zehn, schaffte es die Bundesrepublik im Jahr 2010 auf Platz vier.

Die Methodik

In der Untersuchung wird die Innovationsstärke von 35 Industrie- und Schwellenländern analysiert. Das Ranking umfasst 38 Indikatoren, etwa die Qualität von Forschungseinrichtungen, die Patentanmeldungen je Einwohner oder den Anteil der Hochqualifizierten. Daraus werden fünf Bereiche gebildet: Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft. In allen Bereichen liegt Deutschland jeweils zwischen Platz acht und zwölf.

Im Gesamtranking reichte es dennoch für Platz vier, weil Deutschland nirgendwo schlecht abschneidet. Anders ist dies im erstmals erhobenen „Offenheitsindikator“, der misst, wie offen das Innovationssystem eines Landes ist. Hier liegt Deutschland nur auf Rang 21.

Ähnliches zeigte vergangene Woche bereits eine OECD-Studie: Danach gehen hierzulande deutlich mehr Migranten einfachen Tätigkeiten nach als in anderen Ländern. „Eine klare wissens- und innovationsorientierte Migrations- und Arbeitsmarktpolitik ist überfällig“, fordert Kempf. Immerhin einen Lichtblick gibt es: In dieser Woche hat die Bundesregierung ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz verabschiedet.

Experten reicht das nicht. Vor allem müsse die Bundesregierung die digitale Infrastruktur ausbauen. Der Schlüssel zum Erfolg der Digitalisierung sei die Kombination der traditionellen Stärken der deutschen Industrie mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI). Diese Durchschlagskraft lasse sich nur mit mehr Investitionen erhöhen, so Kempf. Bislang hält sich die Regierung hier allerdings zurück.

Sie hat zwar Milliarden für die Förderung von KI in Aussicht gestellt, für 2019 sind aber nur 142 Millionen Euro eingeplant. Dies ist auch deshalb problematisch, weil von hinten eine Weltmacht näher an die etablierten Industrienationen heranrückt. China steht im Innovationsranking zwar weiterhin nur auf Platz 25.

Was Deutschland und Europa aber dennoch Sorge bereiten sollte: Die Innovationsleistung der Volksrepublik steigt etwa dreimal stärker als die der EU. So verdoppelt sich die Zahl der chinesischen Patentanmeldungen etwa alle zwei Jahre.

Brexit 2019

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