Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

15.10.2020

14:23

Beamtenbesoldung

Wie viel verdienen eigentlich Polizisten?

Von: Angelika Ivanov

Sie bewachen Demonstranten und Fußballfans, jagen Raser und Verbrecher und bringen sich selbst in Gefahr. Doch das Gehalt bei der Polizei ist je nach Bundesland erstaunlich niedrig.

Die höchsten Besoldungsgruppen der Polizeidirektoren, in denen Monatsgehälter bis zu 6000 Euro netto erreicht werden, erreichen im Schnitt nur drei Prozent der Polizisten. dpa

Polizei

Die höchsten Besoldungsgruppen der Polizeidirektoren, in denen Monatsgehälter bis zu 6000 Euro netto erreicht werden, erreichen im Schnitt nur drei Prozent der Polizisten.

1882,42 Euro netto pro Monat spuckt der Onlinerechner aus. So viel Geld fließt auf das Konto der Polizeischüler in Berlin. „Erstaunlich wenig für Schichtarbeit und hohe Belastung“, sagt Wolfgang Ladebeck. Er ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, die sich für die Interessen der Polizistinnen und Polizisten einsetzt. „Wir nennen es die geregelte Armut.“

Trifft das wirklich zu? Verdienen die 220.000 Frauen und Männer, die sich täglich für unsere Sicherheit einsetzen und dabei teilweise ihr Leben riskieren so wenig, dass man von geregelter Armut sprechen kann? Wie hoch ist eigentlich das Einstiegsgehalt bei der Polizei in Deutschland und wie setzt es sich zusammen?

In einem hat der Polizeigewerkschafter auf jeden Fall recht: das Gehalt ist geregelt. Den Verdienst der Polizei bestimmt jedes Bundesland einzeln, denn Polizei ist in Deutschland – mit einer Ausnahme – Ländersache. Wie hoch das Gehalt ist, lässt sich in den sogenannten Besoldungstabellen pro Bundesland nachlesen. Eine Sonderrolle spielt hier die Bundespolizei, deren Beamte unter anderem Bahnhöfe und Grenzen schützen. Für die gilt eine besondere Bundesbesoldungstabelle. Doch statt die Tabellen zu durchforsten, schauen Polizisten lieber auf dem privaten Portal oeffentlicher-dienst.info nach, verrät ein Beamter, der lieber anonym bleiben möchte.

Polizei-Einstiegsgehalt: Welche Bundesländer zahlen im Vergleich am meisten?

Auf Landesebene herrschen je nach Region große Unterschiede. Der Vergleich zeigt: Berufseinsteiger der Polizei bekommen das höchste Gehalt in Nordrhein-Westfalen (NRW). Das bevölkerungsreichste Bundesland zahlt Polizisten im ersten Jahr 2595,50 Euro brutto pro Monat. Das entspricht auf zwölf Monate hochgerechnet einem Jahresgehalt von 31.146 Euro.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Für den gleichen Job bekommen Polizisten in Berlin nur 25.772,16 Euro pro Jahr. Das sind mehr als 5300 Euro weniger als in NRW und damit der niedrigste Wert in ganz Deutschland.

    Bei Großeinsätzen wie etwa zum G20-Gipfel kommt es vor, dass Polizisten aus verschiedenen Bundesländern Seite an Seite arbeiten, die völlig unterschiedlich verdienen. Das führe schon mal zu Spannungen, berichtet Wolfgang Ladebeck.

    Polizei Gehalt Bundesländer Vergleich

    Für Einsätze am Sonntag oder nachts gibt es Zulagen. „Die machen nochmal um die 300 bis 400 Euro brutto im Monat aus“, erklärt der Gewerkschafter. Außerdem erhalten Polizisten Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Zuschläge, wenn sie heiraten oder Kinder bekommen. Diese unterscheiden sich ebenfalls stark nach Bundesland.

    Polizei-Gehalt: Beamten erhalten mehr Netto vom Brutto

    Im Vergleich mit anderen Berufen wirkt das Einstiegsgehalt von Polizisten gering. Allerdings muss man hier einen wichtigen Faktor berücksichtigen: Beamte zahlen weit geringere Abgaben als normale Angestellte. Verdient eine Polizistin im ersten Berufsjahr wie beispielsweise in NRW 31.146 Euro brutto, bekommt sie davon immerhin 26.914 Euro netto aufs Konto.

    Eine normale Angestellte in einem anderen Job hätte bei gleichem Bruttogehalt nur 20.964 Euro netto übrig. Oder mit anderen Worten: Um 26.914 Euro netto pro Jahr zu verdienen, müsste sie in der freien Wirtschaft ein Bruttogehalt von etwa 44.000 Euro bekommen. Zum Vergleich: Vollzeitbeschäftigte in Deutschland verdienen laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 46.560 Euro brutto.

    So setzt sich das Einstiegs-Monatsgehalt einer Polizistin in NRW zusammen: Nehmen wir an, die Beamtin ist 21, nicht verheiratet, kinderlos und aus der Kirche ausgetreten. Sie muss nur Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag zahlen. Das wären in diesem Fall 446 Euro.

    Krankenversicherung und Altersvorsorge übernimmt der Staat in mehreren Bundesländern (etwa in NRW, Baden-Württemberg und Sachsen) über die so genannte Heilfürsorge. Dazu bekommt sie noch eine Stellenzulage von 93 Euro. Ergebnis: Von 2688 Euro brutto im Monat bleiben ihr 2243 Euro netto übrig. Bei einer normalen Angestellten wären es knapp 1747 Euro.

    Wichtig dabei ist: All diese Zahlen gelten nur für Nordrhein-Westfalen. Die meisten Polizisten in Deutschland verdienen weniger.

    Polizei-Karriere: Wie steigen Polizisten auf?

    Wie es nach dem Berufseinstieg beim Gehalt weitergeht, hängt vor allem davon ab, wie erfolgreich sich der Polizist weiterentwickelt. Und auch hier gilt, in welchem Bundesland er arbeitet. Ärmere Länder wie Berlin und Brandenburg zahlen ihren Beamten nicht nur weniger, sie befördern sie auch seltener als reiche Bundesländer.

    Damit es nicht zu kompliziert wird, konzentrieren wir uns im folgenden Rechenbeispiel erneut auf das Bundesland mit den meisten Polizisten: Nordrhein-Westfalen. Dort erhalten Beamte in den ersten zehn Berufsjahren alle zwei Jahre automatisch mehr Gehalt. Nach zehn Jahren im Job steigt der Verdienst nur noch alle drei Jahre. Und zum Ende der Karriere hin gibt es nur noch alle vier Jahre mehr Geld für die Berufserfahrung. Größere Sprünge sind jedoch möglich. Dafür müssen Polizisten in einen höheren Dienstrang wechseln – also vom Kommissar zum Oberkommissar oder Hauptkommissar wechseln.

    Polizei-Gehalt: Wie hoch kann das Gehalt maximal steigen?

    Wer richtig erfolgreich ist, steigt etwa alle sechs Jahre auf. Heiraten sie oder bekommen Polizisten Kinder, bekommen sie zusätzlich Geld von ihrem Arbeitgeber. So würde unsere Muster-Polizistin in NRW, mittlerweile zur Hauptkommissarin aufgestiegen, verheiratet mit einem Kind im besten Fall mit 51 Jahren 4137 Euro netto pro Monat verdienen. In der freien Wirtschaft bräuchte sie dafür ein Monatsgehalt von mindestens 7300 Euro. Bis sie wirklich 51 ist, dürfte es noch deutlich mehr sein, denn die Besoldung steigt – wie auch die Tarifgehälter bei normalen Angestellten – alle paar Jahre etwas an. Ein Kommissar, der seinen Dienstrang im Laufe des Berufsleben nicht wechselt, würde mit 51 Jahren 2751 Euro verdienen.

    Polizei Gehalt

    Die höchsten Besoldungsgruppen der Polizeidirektoren, in denen Monatsgehälter bis zu 6000 Euro netto erreicht werden, erreichen im Schnitt nur drei Prozent der Polizisten.

    Die allermeisten steigern ihr Gehalt über das ganze Berufsleben nur um wenige Tausend Euro. Im Gegenzug gebe es einen großen Vorteil, sagt Polizeigewerkschafter Ladebeck: „Wir können wirklich Sicherheit bieten.“ Gerade in Krisenzeiten.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×