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21.08.2018

14:31

Beschäftigung

Diese 3 Merkmale zeigen das Ost-West-Gefälle am Arbeitsmarkt

Von: Jannik Deters

Arbeitszeiten und Bezahlung unterscheiden sich im Osten und Westen der Republik stark – auch noch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Viele Unternehmen haben eine Produktion in Ostdeutschland aufgebaut. dpa

BMW-Werk in Leipzig

Viele Unternehmen haben eine Produktion in Ostdeutschland aufgebaut.

BerlinBeschäftigte in Ostdeutschland arbeiten weiterhin länger als im Westen – und verdienen weniger. Die Jahres-Bruttolöhne liegen fast 30 Jahre nach der Deutschen Einheit um knapp 5000 Euro höher als in den neuen Ländern. Das geht aus Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern hervor. Die Bundestagsfraktion der Linken hat sie ausgewertet.

„Die Bundesregierung hat sich offensichtlich mit einem Sonderarbeitsmarkt Ost abgefunden. Das ist nicht akzeptabel“, kritisiert Sabine Zimmermann, Sozialexpertin der Partei. Besonders drei Punkte offenbaren das Gefälle.

Arbeitszeit: Spitzenreiter Thüringen

Im vergangenen Jahr leisteten Arbeitnehmer in den alten Bundesländern im Schnitt 1279 Arbeitsstunden. Im Osten mit Berlin waren es 1346 Stunden, also 67 mehr. Wird Berlin dem Westen zugerechnet, sind es im Osten sogar 75 Stunden mehr. Arbeitnehmer sind Arbeiter und Angestellte, Beamte, Richter, Soldaten, Auszubildende und Praktikanten.

Thüringer haben 2017 mit durchschnittlich 1371 Stunden am längsten gearbeitet. Es folgen Sachsen-Anhalt mit 1362 Stunden und Mecklenburg-Vorpommern mit 1353 Stunden je Arbeitnehmer. Am wenigsten Arbeitsstunden waren es im Saarland (1259) und in Rheinland-Pfalz (1255). Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen verbrachten die Menschen 1261 Stunden mit Arbeit.

Die Statistiker weisen darauf hin, dass man nicht von Unterschieden im „Fleiß“ oder in der Arbeitsmoral sprechen könne. Der Arbeitskreis Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder erfasst mit dem Arbeitsvolumen die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden am jeweiligen Arbeitsort – auch bei Beschäftigten mit mehreren Jobs. Nicht einbezogen werden etwa Urlaub, Elternzeit, Feiertage, Kurzarbeit oder Abwesenheit wegen Krankheit. Dabei gehe es weder um „Intensität noch Qualität der geleisteten Arbeit“.

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Bezahlung: Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern

Die Jahres-Bruttolöhne je Arbeitnehmer sind im Westen im Schnitt mit 35.084 Euro um fast 5000 Euro höher als in den neuen Ländern mit 30.172 Euro. Hamburg nimmt bei Löhnen und Gehältern je Arbeitnehmer den Spitzenplatz ein.

Die Arbeitnehmer des Stadtstaats verdienten durchschnittlich 40.771 Euro brutto im vergangenen Jahr. Es folgen Hessen (37.832 Euro) und Baden-Württemberg (36.786 Euro). In Mecklenburg-Vorpommern, dem Schlusslicht des Rankings, bekam ein Arbeitnehmer nur 27.520 Euro. Davor lagen Sachsen-Anhalt (28.607 Euro) und Brandenburg (28.715 Euro).

Entscheidend sei jedoch, was man sich von dem Gehalt tatsächlich leisten könne, sagte Wirtschaft-Staatssekretär Christian Hirte. „50 Prozent mehr Gehalt in Hamburg relativieren sich sehr schnell, wenn man für die eigenen vier Wände das Dreifache bezahlen muss.“ Es sei nach wie vor so, dass die Wirtschaft im Osten „kleinteiliger ist als im Westen und die Großkonzerne mit ihren überdurchschnittlich hohen Gehältern fehlen“. Kleine und mittlere Unternehmen müssten weiter unterstützt und gestärkt werden.

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Die Bundesagentur für Arbeit hat die Durchschnittslöhne der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland erfasst. Die Statistik offenbart, wo die Schere auseinander geht.

Wie hoch Verdienste regional ausfallen, hängt eben auch von der Anzahl gut bezahlter Jobs ab. Einfluss auf die Gehaltshöhe hat zudem die Qualifikation von Arbeitnehmern. Über die Kaufkraft sagt die Höhe der Bruttolöhne allein noch nichts aus – dies hängt von den Lebenshaltungskosten etwa für Miete oder Lebensmittel ab, die sich regional ebenfalls unterscheiden.

Vor kurzem warnte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff vor einem Schlechtreden der Ost-Bundesländer. „Im Rahmen des Möglichen ist seit der Wiedervereinigung viel erreicht worden“, sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sachsen-Anhalt stehe zum Beispiel kurz vor der Vollbeschäftigung. Deswegen sei es falsch, Ostdeutschland pauschal als Niedriglohnland zu bezeichnen, so Haseloff.

Tarifregeln: Geringere Bindung im Osten

Eine Stärkung der im Osten deutlich schwächeren Tarifbindung ist für die Linken-Sozialexpertin Sabine Zimmermann ein wesentlicher Schlüssel für eine Angleichung. Niedrigstlöhnen und prekärer Beschäftigung müsse deutschlandweit endlich der Kampf angesagt werden, unter anderem durch eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro die Stunde.

Wochenarbeitszeiten von 40 Stunden hatten im Westen noch acht Prozent der Tarifbeschäftigten, im Osten aber 40 Prozent, wie eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung von 2017 ergab.

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 8,84 Euro pro Stunde. Im Laufe des Jahres wird eine Kommission beraten, welche Höhe der Mindestlohn ab 2019 haben soll.

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