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01.05.2022

13:16

Beschäftigung

Pandemie dämpft Einwanderung von Fachkräften deutlich

Von: Frank Specht

Wegen der Coronakrise sank die Zahl der Arbeitsuchenden aus Ländern außerhalb der EU stark. Hochqualifizierte Akademiker waren dabei weniger betroffen als Fachkräfte.

Zahlreiche Branchen sind bereits heute auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. dpa

Chinesische Pflegekraft in einem Stuttgarter Seniorenheim

Zahlreiche Branchen sind bereits heute auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen.

Berlin Die Coronapandemie hat den Positivtrend bei der Erwerbsmigration nach Deutschland jäh unterbrochen. Im Jahr 2020 kamen nur noch 16.587 Fachkräfte aus Ländern außerhalb der EU nach Deutschland, was etwa 42 Prozent des Vorjahreswerts entspricht.

Bezieht man auch geringer qualifizierte Arbeitskräfte ein, lag die Zahl der Erwerbsmigranten aus Nicht-EU-Staaten bei knapp 30.000 – und war damit weniger als halb so hoch als ein Jahr zuvor.

Dies geht aus dem jüngsten Fachkräftemigrationsmonitor der Bertelsmann-Stiftung hervor, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Nach dem Einwanderungszweck aufgeschlüsselte Zu- und Fortzugsdaten aus dem Ausländerzentralregister liegen nur bis zum Jahr 2020 vor.

Die deutsche Wirtschaft ist auf Zuwanderung angewiesen, wenn der Fachkräftemangel nicht zur Wachstumsbremse werden soll. Um das Erwerbspersonenpotenzial trotz der Alterung der Bevölkerung in etwa konstant zu halten, müssten nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) netto jährlich 400.000 Personen einwandern.

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    Unter dem Strich, also nach Abzug der Fortzüge, wanderten im Jahr 2020 knapp 331.000 ausländische Staatsbürger ein. Bei den Zuzügen ging vor allem die Migration aus Staaten außerhalb der EU zurück. Sie machte 2020 nur noch 42 Prozent der Zuwanderung aus – nach gut 47 Prozent im Vorjahr.

    Die Anzahl der zugezogenen ausländischen Fachkräfte sinkt. dpa

    Ausländische Fachkräfte

    Die Anzahl der zugezogenen ausländischen Fachkräfte sinkt.

    Hier dürften neben einem Rückgang der Fluchtmigration vor allem die coronabedingten Einreisebeschränkungen eine Rolle gespielt haben. Sie sind auch ein Grund dafür, warum das im März 2020 in Kraft getretene Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das vor allem Arbeitskräfte mit Berufsausbildung anziehen soll, bisher noch kaum Wirkung entfalten konnte.

    >> Finden Sie hier den gesamten Fachkräftemigrationsmonitor: Trends und Potenziale zum Zuzug ausländischer Fachkräfte

    Bei den Einwanderern aus EU-Staaten dominieren Rumänen mit knapp einem Drittel, gefolgt von Polen und Bulgaren, die zusammen knapp 30 Prozent ausmachen. Insgesamt entfallen nur 3,4 Prozent auf die Erwerbsmigration aus Ländern außerhalb der EU. Die Hauptherkunftsländer von Fachkräften sind hierbei Indien, die Türkei, die USA, Serbien und China.

    Betrachtet man die Fachkräfteeinwanderung aus Nicht-EU-Ländern genauer, dann ist es offenbar Akademikern trotz Pandemie immer noch verhältnismäßig leichtgefallen, nach Deutschland zu kommen. So sind zwar 2020 deutlich weniger Hochqualifizierte mit Hochschulabschluss über die sogenannte Blaue Karte EU eingereist als in den Vorjahren.

    Doch mit 44 Prozent machen sie den größten Anteil an der Erwerbsmigration aus Drittstaaten aus. Hinzu kommt: Die Wahrscheinlichkeit, dass Eingewanderte auch in Deutschland bleiben, ist bei Akademikern mit der Blauen Karte EU höher als bei Fachkräften.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Eingewanderte auch in Deutschland bleiben, ist bei Akademikern höher als bei Fachkräften. obs

    Labor

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Eingewanderte auch in Deutschland bleiben, ist bei Akademikern höher als bei Fachkräften.

    Auch der relative Anteil der Aufenthaltserlaubnisse für forschende Wissenschaftler ist gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen, während jener der Fachkräfte rückläufig war. Nach dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz wurden rund 4200 Erlaubnisse erteilt – was einem Viertel der qualifizierten Erwerbsmigration aus Nicht-EU-Staaten entspricht.

    Angesichts des Fachkräftebedarfs in Deutschland begrüßt Studienautorin Susanne Schultz, dass die Ampelregierung das Fachkräfteeinwanderungsgesetz noch nachjustieren will. Arbeitgeber wie Einwandernde benötigten noch mehr Hilfestellung. Wichtig sei vor allem eine beschleunigte Anerkennung von Qualifikationen. Um eine bessere Vergleichbarkeit von Abschlüssen zu erreichen, schlägt Schultz aber auch den Ausbau von Ausbildungspartnerschaften mit potenziellen Herkunftsländern von Fachkräften vor.

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