Handelsblatt App
Jetzt kostenlos testen Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

11.09.2019

15:45

Besuch in Berlin

Aktivist Wong fordert von Deutschland mehr Härte gegen China

Von: Torsten Riecke

Aktivist Joshua Wong will viel von Berlin: Der 22-Jährige verlangt ein Exportverbot von Polizeiwaffen – und mehr Unterstützung für die Hongkonger Demokratiebewegung.

Der Aktivist forderte die Bundesregierung dazu auf, die Proteste in Hongkong auch zum Gegenstand bei den Handelsgesprächen mit China zu machen. AP

Joshua Wong

Der Aktivist forderte die Bundesregierung dazu auf, die Proteste in Hongkong auch zum Gegenstand bei den Handelsgesprächen mit China zu machen.

Berlin Deutschland und der Westen dürften angesichts der Proteste in Hongkong „kein Auge zudrücken“. Das ist die Kernbotschaft von Joshua Wong, dem 22-jährigen Aktivisten der Hongkonger Demokratiebewegung, bei seinem Auftritt in Berlin an diesem Mittwoch.

Der Student forderte von Deutschland und anderen westlichen Ländern, keine Waffen mehr an die Polizei in der Finanzmetropole zu liefern, mit denen die Ordnungshüter nach seinen Worten „brutal“ gegen die Demonstranten vorgehen. „Taten sagen mehr als Worte“, so der Aktivist. Wong kündigte an, dass die Proteste weiter gehen würden, bis die Bevölkerung in Hongkong in freien Wahlen selbst über ihr Schicksal bestimmen könnte.

Neben dem Exportverbot von Polizeiwaffen – Wong nannte unter anderem Wasserwerfer aus deutscher Produktion – forderte der Aktivist, dass die Proteste in Hongkong auch zum Thema in den laufenden Handelsgesprächen gemacht werden sollten. „Deutschland sollte China direkt mit Menschrechtsverletzungen konfrontieren“, sagte Wong.

Der Student befindet sich seit Montag in Berlin und traf unter anderem mit Außenminister Heiko Maas zusammen. Obwohl ein Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel nicht geplant ist, bedankte sich Wong bei der deutschen Regierungschefin, dass sie ihre Sorge über die Lage in Hongkong bei ihrer China-Reise vergangene Woche angesprochen habe.

China hat indes das Treffen mit Maas scharf verurteilt und hat den deutschen Botschafter formal einbestellt. Der chinesische Botschafter in Deutschland, Wu Ken, sagte am Mittwoch in Berlin vor Journalisten: „Wir haben unsere tiefe Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht.“ Der „Zwischenfall“ – gemeint ist das Zusammentreffen von Wong mit Maas und anderen deutschen Politikern – werde negative Konsequenzen für die bilateralen Beziehungen haben.

Chinas Regierung habe mehrfach gedrängt, Wong keine Einreise zu erlauben. Das Auswärtige Amt hatte am Vortag auf Anfrage nur erklärt, der deutsche Botschafter sei zu einem Gespräch im chinesischen Außenministerium gewesen.

Dass die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam den umstrittenen Gesetzentwurf für Auslieferungen nach China inzwischen zurückgezogen hatte, bezeichnete Wong als „taktische Maßnahme“, um die Lage vor Chinas Nationalfeiertag am 1. Oktober zu beruhigen.

„Hongkong ist das neue Berlin im neuen Kalten Krieg“

„Das reicht aber bei Weitem nicht aus“, betonte der Kopf der Demokratiebewegung Demosisto und forderte den chinesischen Präsidenten Xi Jinping auf, die nun schon seit drei Monaten andauernde Krise in der Sonderverwaltungszone durch politische Reformen zu lösen.

Die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong wurde 1997 mit der Zusage zurück an China übergeben, dass dort in den nächsten 50 Jahren die Regel „Ein Land, zwei Systeme“ gelten sollte. Nach Meinung von Wong hält sich Peking jedoch nicht an diese Zusage und missachtet die im Hongkonger Grundgesetz garantierten politischen Freiheiten.

„Hongkong ist das neue Berlin im neuen Kalten Krieg“, sagte Wong und bezeichnete seine Heimat als „Frontstadt“ in der globalen Auseinandersetzung des Westens mit China. Er widersprach jedoch Behauptungen, wonach die Demokratiebewegung in Hongkong durch ausländische Mächte unterstützt werde.

„Die Menschen in Hongkong sind unabhängig“, sagte der Aktivist. Wong reist diese Woche weiter in die USA, wo er unter anderem mit dem republikanischen US-Senator und China-Kritiker Marco Rubio zusammentreffen will.

Protest gegen China

Aktivist Joshua Wong: „Hongkong ist das neue Berlin“

Protest gegen China: Aktivist Joshua Wong: „Hongkong ist das neue Berlin“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hans Henseler

11.09.2019, 18:31 Uhr

Der Aktivist fordert. Auf welcher Basis kann der 22jaehrige Forderungen an die BRD stellen?
Im uebrigen war es ein Fehler von Maas ihn einzuladen.

Frau Anja Michael

12.09.2019, 13:41 Uhr

Herr Henseler - meine Meinung. Der junge Mann ist schon dreist.

Ich denke, wir haben genug eigene Probleme.

Schönen Tag wünscht Peter Michael

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×