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20.11.2018

14:53

Bildung

Stiftungen treiben Digitalisierung in Schulen voran

Von: Barbara Gillmann

Sieben Stiftungen flankieren vereint den Digitalpakt. Denn wie man Schüler am sinnvollsten digital ausbildet, ist weitgehend unklar.

Fünf Milliarden Euro zahlt der Bund für die digitale Aufrüstung der Schulen. Die sollen neue Laptops oder Tablets bekommen. dpa

Digitalisierung in der Schule

Fünf Milliarden Euro zahlt der Bund für die digitale Aufrüstung der Schulen. Die sollen neue Laptops oder Tablets bekommen.

Berlin Die Vorteile der Digitalisierung für Schüler und Lehrer könnten gewaltig sein: „Sie nimmt den Lehrern einen Teil der Routine der puren Wissensvermittlung ab, weil sich Schüler das digital besorgen können“, wirbt OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. In der so gewonnenen Zeit könnten sich die Pädagogen dann auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: den Prozess steuern, Schüler individuell begleiten.

Mit aufgezeichneten Stunden, Onlinetests oder -spielen lässt sich Unterricht präziser ausrichten. Wer entweder mehr Unterstützung braucht oder aber unterfordert ist, kann mit diesen Mitteln gefördert werden – und zwar unabhängig vom Wissen und vom Geldbeutel der Eltern, so Schleicher.

In Japan zeige sich schon heute, „dass sich Digitalisierung mäßigend auf die soziale Selektion auswirkt“, die in Deutschland besonders stark ausgeprägt ist.

Noch sind aber die allermeisten der 40.000 deutschen Schulen weit von den Segnungen der Digitalisierung entfernt. Aktuell warten alle auf den Digitalpakt und die Information, wofür die fünf Milliarden Euro des Bundes in den Schulen ausgegeben werden sollen.

Die eigentliche Arbeit beginnt, wenn iPads und WLAN überall normal sind. Die Kultusminister haben zwar eine Digitalstrategie verabschiedet – wie man jedoch Schüler am sinnvollsten digital ausbildet, ist weitgehend unklar.

Gastbeitrag: Deutschland braucht für die Digitalisierung einen Kompetenz-Radar

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Die schleppende Digitalisierung verhindert, dass junge Menschen nötiges Know-how erwerben. Kompetenzlücken müssen deshalb viel früher erkannt werden.

Das will eine gemeinsame Initiative von sieben namhaften Bildungsstiftungen ändern, die ihre Aktivitäten 2017 im „Forum Bildung Digitalisierung“ gebündelt haben. Sie wollen ein zentrales Manko der deutschen Bildungspolitik – das vielfach unkoordinierte Nebeneinander von Reformen im föderalen Klein-Klein – bei der Digitalisierung möglichst vermeiden: „Es darf nicht sein, dass auch hier jeder das Rad immer wieder neu erfindet“, sagte Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Telekom Stiftung, am Rand einer Konferenz des Forums in Berlin.

Dabei sind auch die Stiftungen Bertelsmann, Dieter Schwarz, Robert Bosch, Siemens, Mercator und die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. Weitere sind willkommen.

Sie alle wollen mit dem Forum dazu beitragen, dass die Umsetzung der Digitalisierung in den Schulen möglichst schnell und pädagogisch sinnvoll gestaltet wird – mit diversen Projekten und Best-Practice-Modellen, die etwa über das „deutsche Schulportal“ verbreitet werden.

2019 sollen erste „Schulentwicklungsbausteine“ bereitstehen. Denn die Hardware ist nur die Basis. „Nach dem Digitalpakt muss vor dem Digitalpakt sein“, sagt Nils Weichert, Vorstand vom Forum Bildung Digitalisierung.

„Uns treibt die große Sorge um, dass nach dem Digitalpakt zwar alle tolle Technik haben, aber alles erschlafft und gar nichts mehr passiert“, so Winter. Denn in den Schulen herrsche vielfach völlige Überforderung nach dem Motto: Was sollen wir denn nach Inklusion, Integration und individueller Förderung noch alles leisten?

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Eine gute digitale Ausstattung der Schulen darf nicht länger durch Bund-Länder-Gezänk blockiert werden. Eine Grundgesetzänderung ist nötig.

Entsprechend hoch sei der Widerstand gegen Neues, berichten die Gründer des Forums. Vor allem müsse man Schulen klarmachen, „dass es nichts hilft, wenn einzelne Lehrer eine Fortbildung besuchen“, zentral sei das Engagement der Rektoren und vor allem die Umsetzung der Digitalisierung im Team möglichst vieler Lehrer, sagt Uta-Micaela Dürig, Vizechefin der Robert Bosch Stiftung.

Die Kultusminister sind offenbar dankbar für die geballte Unterstützung der Zivilgesellschaft: „Der Dialog mit den Stiftungen ist für uns sehr wichtig und hilfreich“, sagte Staatssekretär Herbert Wolff, Chef der Lenkungsgruppe „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusminister. „Wir sind alle Lernende“, konterte er den Vorwurf, die Schulpolitik vernachlässige das Thema Digitalisierung.

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