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27.11.2018

12:02

BKK-Gesundheitsreport

Studie widerlegt Klischees über ältere Arbeitnehmer

Von: Peter Thelen

Ältere Arbeitnehmer sind nicht weniger leistungsfähig und kaum häufiger krankgeschrieben als junge. Ihr Know-how wird in Zukunft immer wichtiger.

Da immer weniger Junge nachkommen, werden Mitarbeiter jenseits der 50 immer wichtiger. dpa

Ältere Arbeitnehmer

Da immer weniger Junge nachkommen, werden Mitarbeiter jenseits der 50 immer wichtiger.

Berlin Die heute über 50-Jährigen sind im Vergleich zu anderen Geburtsjahrgängen besonders viele. Inzwischen stellen sie in den Unternehmen mit einer eigenen Betriebskrankenkasse – und das sind eher die großen und bedeutenderen Arbeitgeber in Deutschland – gut ein Drittel der Belegschaft.

Der Dachverband der Betriebskrankenkassen hat sich deshalb in seinem jährlichen Arbeitsunfähigkeitsreport dieses Mal besonders der Gruppe der älteren Arbeitnehmer gewidmet.

Die Ergebnisse sehen gar nicht so schlecht für die „Best-Ager“ aus, wenn man bedenkt, dass man sie in den 1990er- und 2000er-Jahren noch als „altes Eisen“ mit Vorliebe in den Ruhestand und in die Altersteilzeit geschickt hat.

Ältere Arbeitnehmer sind nämlich nicht wesentlich häufiger krank als die Jungen. Wenn sie erkranken dauert es allerdings meistens deutlich länger als bei den Jüngeren.

Sie sind auch nicht weniger leistungsfähig. „Internationale Studien zeigen, dass trotz des Nachlassens einiger physischer und psychischer Leistungsvoraussetzungen die Arbeitsleistung der Älteren nicht abnimmt“, so Jürgen Wegge, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie in Dresden bei der Vorstellung des Reports am Dienstag in Berlin.

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Sie verändere sich allerdings in der Zusammensetzung: Es gebe Arbeitnehmer, die gesundheitlich schlechter mit dem Älterwerden zurechtkommen. „Von daher ist vonseiten der Unternehmen eine individualisierte Arbeitsplanung und Führung nötig.“

Babyboomer können Nachwuchsmangel kompensieren

Eine Alternative gibt es dazu für die Unternehmen nicht, so Holger Pfaff, Medizinsoziologe der Universität Köln. „Denn diesen angehenden Rentnern folgt aus demografischen Gründen eine geringere Zahl an Berufseinsteigern. Hier entsteht eine Lücke, der die Unternehmen unter anderem damit begegnen können, dass sie ältere Arbeitnehmer länger in Arbeit halten“.

Das ist besonders deshalb relevant, da der Anteil der Anteil der älteren in Arbeitnehmer in einigen Berufsfeldern deutlich über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von gut einem Drittel liegt.

So ist im Reinigungsgewerbe inzwischen fast jeder zweite über 50, in der Sicherheitsbranche sind es fast 46 Prozent und in Verkehr und Logistik 42 Prozent.

Selbst in vergleichsweise jungen Branchen wie der IT-Branche liegt die Quote bereits bei fast 30 Prozent. Am niedrigsten ist sie im Gesundheitswesen mit 26 Prozent.

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Für Pfaff ist es deshalb „ein Glück, dass mit der Generation der Babyboomer eine Arbeitskraftreserve zur Verfügung steht, die einen hohen Erfahrungsschatz besitzt und in volatilen Zeiten flexibel einsetzbar sind“.

Franz Knieps, Vorstandschef des BKK Dachverbands, rät den Unternehmen angesichts des sich abzeichnenden Nachwuchsmangels, die Beschäftigten 50+ möglichst lange im Unternehmen zu halten. Auf jeden Fall bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze und teils sogar darüber hinaus.

Von politischen Forderungen, kurzerhand das Rentenalter für alle auf 70 heraufzusetzen, hält er aber nichts.

Das sei der falsche Ansatz. Denn für die Menschen, die gesundheitlich früher Problem bekommen als andere, liefe ein höheres Rentenalter mit entsprechenden Abschlägen für einen früheren Rentenbeginn nur auf eine Rentenkürzung hinaus.

„Vielmehr muss Arbeit altersgerecht gestaltet und größerer Wert auf Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung gelegt werden“, sagt er.

Hier sieht Knieps Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände gefordert. Sie sollten kleineren Unternehmen, die eine entsprechende Förderung Älterer wegen fehlenden Know-Hows oder Fachpersonals nicht alleine leisten könnten, Hilfsangebote machen.

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Knieps stellt sich vor, dass die 2015 eingerichtete Nationale Präventionskonferenz spezielle Zielvorgaben formulieren sollte. Träger der Nationalen Präventionskonferenz sind alle Zweige der Sozialversicherung von der Renten- bis zur Pflegeversicherung. Sie haben die betriebliche Gesundheitspolitik zwar schon längst in ihren Zielekatalog aufgenommen. Doch fehlt bislang der Fokus auf ältere Arbeitnehmer. Dies würde Knieps gerne ändern.

Ältere sind nicht unbedingt häufiger krank

Doch wie sieht er denn nun konkret aus, der Gesundheitszustand älterer Arbeitnehmer?

Auffällig ist, dass jenseits der 50 die Anfälligkeit für Muskel- und Skeletterkrankungen steigt. Viele haben Rückenprobleme. Bei psychischen Erkrankungen ist die Anfälligkeit im Vergleich zu jüngeren insgesamt dagegen kaum erhöht und bei Atemwegserkrankungen sind sie eher unterproportional vertreten.

Das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen nimmt dagegen mit dem Alter zu. Das gleiche gilt für Krebs. Weil Ältere, wenn sie denn erkranken, meist länger krankgeschrieben werden als Jüngere, steigt auch die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage im Alter zwischen 60 und 64 vor allem bei den Muskel- und Skeletterkrankungen deutlich an. Insgesamt liegt sie rund ein Drittel höher als bei den Jungen, aber dies nur deshalb, weil die Krankheiten bei den Älteren länger dauern.

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Danach sinkt die Krankheitsquote wieder sehr stark. Doch das liegt nicht daran, dass Arbeitnehmer mit 65 schlagartig gesünder werden. Sie sind schlicht nicht mehr im Job. Experten sprechen vom Healthy Worker Effect. Nur wer gesund ist arbeitet weiter.

Ansonsten hängt es stark von der Branche ab. Spezifische Arbeitsbelastungen führen bei Jüngeren und Älteren gleichermaßen zu hohen Fehlzeiten. So sind Arbeitnehmer im Gastgewerbe durchschnittlich rund einen Tag mehr arbeitsunfähig pro Jahr als die in der Energieversorgung, obwohl sie in der Energieversorgung im Durchschnitt fünf Jahre älter sind.

In sozialen Berufen oder anderen Tätigkeiten mit engem Kontakt zu Menschen haben Mitarbeiter jenseits der 50 auffallend oft psychische Probleme. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Probleme ist etwa bei den medizinischen Gesundheitsberufen mit 467 je 1000 Beschäftigte fast doppelt so hoch wie bei den Jüngeren (243).

Schaut man sich die Wirtschaftsgruppen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen bei den älteren Beschäftigten an, so weisen diese in der überwiegenden Zahl allerdings auch schon bei den jüngeren Beschäftigten jeweils die meisten Fehltage auf.

Betriebliche Gesundheitsförderung sollte daher schon in jungen Jahren einsetzen und sich auf die für die jeweiligen Branchen typischen Gesundheitsgefahren konzentrieren.

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Kommentare (1)

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Herr Lothar Bitschnau

27.11.2018, 13:35 Uhr

Hr. Thelen
Soll ihr Titelbild wirklich die Leistungsfähigkeit und das Erfahrungswissen älterer Arbeitnehmer in der deutschen Wirtschaft symbolisieren. Da fehlt für mich doch ein bisschen Anstand und Respekt.

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