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22.09.2017

17:19 Uhr

Bundestagswahl

Wie die Linke Wahlkampf macht

VonMona Fromm

Sahra Wagenknecht ist das Gesicht der Linken. Ihre Anhänger sind begeistert. Doch mit ihren Forderungen sind die Linken wohl nicht regierungsfähig. Ein Besuch auf einem der letzten Linken-Wahlkampfauftritte.

Sahra Wagenknecht

„Die Linke die einzige Partei, die nicht mit Spenden geschmiert wird“

Sahra Wagenknecht: „Die Linke die einzige Partei, die nicht mit Spenden geschmiert wird“

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BerlinKubanische Musik tönt von einem Platz neben einem Einkaufszentrum. Eine Bühne und Bierbänke sind aufgebaut. Die Band spielt munter ihre Musik und verbreitet gute Laune. Doch die Band ist nicht das Highlight des Tages. Alle warten gespannt auf eine Person: Sahra Wagenknecht. Vor allem viele Rentner sind auf den Platz im Osten Berlins gekommen, um der Spitzenkandidatin der Linken auf einem der letzten Wahlkampauftritte zuzuhören. Ein älterer Herr im grauen Anorak tanzt im Kreis zu der Musik. Eine ältere Dame stößt dazu. Sie ist schon etwas wackelig auf den Beinen, aber gute Laune hat sie trotzdem – und tanzt mit dem Herrn im Kreis. Es passt alles zusammen: Die Stimmung aus Kuba – dem sozialistischen Staat schlechthin – ist für einige Minuten auf dem Prerower Platz in Berlin.

Und dann kommt Sahra Wagenknecht. Alle feiern sie. Journalisten und Fans formen eine Traube um sie herum. Noch ein Selfie hier, noch ein Pressefoto da. Sie tritt an das Rednerpult. Die sonst so strenge und korrekte Wagenknecht ist heute ganz die Sahra und lächelt, als sie in die jubelnde Menge schaut.

Wagenknecht will in ihrer Rede vier Tage vor der Bundestagswahl Menschen von sich und ihrer Politik überzeugen. Doch sie erreicht auf dem Prerower Platz nur Leute, deren Stimme sie eh schon hat. Teilweise auch, wenn sie noch gar keine Stimme abgeben dürfen: „Ich finde Sahra cool. Sie sagt genau das, was ich auch denke“, sagt die 17-jährige Laetitia. Die Zurufe aus dem Publikum bringen ihr vielleicht ein, zwei Wählerstimmen mehr in dem Bezirk. Aber der Applaus wird Wagenknecht nicht zu einer bedeutend höheren Prozentzahl bei der Wahl verhelfen.

Momentan liegt die Linkspartei im ARD-Deutschlandtrend des Umfrageinstituts Infratest Dimap bei rund neun Prozent und musste sogar noch einen Prozentpunkt einbüßen. In den vergangenen Jahren hatte die Linke die Zustimmung aus der Bevölkerung verloren: Während sie bei der Bundestagswahl 2009 knapp zwölf Prozent erreichte, schnitt sie 2013 mit nur 8,6 Prozent vergleichsweise schlecht ab. Auch die Mitgliederzahlen in der Partei sind seit 2009 von rund 78.000 um fast 20 Prozent auf knapp 64.000 gesunken.

Bundestagwahl in Zahlen und Fakten

Wahlberechtigte

Etwa 61,5 Millionen Deutsche sind wahlberechtigt, rund 400.000 weniger als bei der Wahl vor vier Jahren. 51,5 Prozent der Wahlberechtigten sind Frauen. Mehr als jeder dritte Wahlberechtigte gehört der Generation 60plus an (36,1 Prozent), nur jeder Sechste ist 30 Jahre und jünger (15,4).

Erstwähler

Etwa 3 Millionen junge Menschen dürfen erstmals wählen. Sie wurden seit der Bundestagswahl 2013 volljährig.

Migrationshintergrund

Rund 720.000 Wahlberechtigte haben nach Schätzung des Bundeswahlleiters türkische Wurzeln. 2013 hatten 5,8 Millionen Wähler (9 Prozent) einen Migrationshintergrund.

Parteien

42 Parteien beteiligen sich an der Wahl – so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Davon stellen 34 mindestens eine Landesliste auf.

Wahlbewerber

Insgesamt treten 4828 Wahlbewerber an – so viele wie seit 1998 nicht mehr. Unter den Bewerbern sind 1400 Frauen (29 Prozent). Das Durchschnittsalter liegt bei 46,9 Jahren. 348 Bewerber sind Studenten, Azubis oder Schüler. Der jüngste Bewerber wird erst kurz vor der Wahl 18 Jahre alt. Der Schüler kandidiert für Die PARTEI in einem Wahlkreis in Brandenburg. Die älteste Kandidatin ist 89 und steht für die V-Partei auf der Landesliste in Bayern.

Wahlkreise

Gewählt wird in 299 Wahlkreisen in 73 500 Urnen- und 14 500 Briefwahlbezirken. Nordrhein-Westfalen hat die meisten (64) und Bremen die wenigsten Wahlkreise (2).

Wahlhelfer

Etwa 650 000 ehrenamtliche Wahlhelfer sind am Wahlsonntag im Einsatz. Sie erhalten als Anerkennung für ihre Tätigkeit ein „Erfrischungsgeld“ von bis zu 35 Euro. In jedem Wahllokal und für jeden Briefwahlbezirk gibt es einen Wahlvorstand, der sich aus einem Wahlvorsteher, einem Stellvertreter und drei bis sieben Beisitzern zusammensetzt. Neben der Überwachung und Organisation der Wahl zählt der Vorstand am Ende die Stimmen aus und leitet das Ergebnis an die Kommune weiter.

Auszählung

Um 18.00 Uhr verbreiten die TV-Sender am Sonntag ihre Prognosen zum Wahlausgang, kurz darauf die ersten Hochrechnungen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird in der Nacht zum Montag erwartet.

Sahra Wagenknecht, die seit Anfang der 90er-Jahre in der Politik ist – damals noch in der Vorgängerpartei der Linken –, in der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS), überschattet die anderen Linken-Politiker. Katja Kipping und Bernd Riexinger sind eigentlich die Parteivorsitzenden, von ihnen hörte man in den vergangenen Wochen allerdings nur wenig. Wagenknecht ist in zahlreichen Talkshows zu Gast, gibt etliche Interviews in den unterschiedlichsten Medien. 2016 schon war sie laut Medien-Portal Meedia Talkshow-Königin – mit neun Auftritten. In diesem Jahr führten Medien aller Art Interviews mit ihr: von der Deutschen Welle über die Nürnberger Nachrichten bis hin zum Jugendportal Orange by Handelsblatt.

Die einen wählen die Linke, weil sie Sahra Wagenknecht toll finden. Die anderen wählen die Linke, weil sie überzeugt von der Politik sind. Vor der Bundestagswahl hat die Linke für typisch sozialdemokratische Themen geworben.

Auf den von ihr vorangebrachten Mindestlohn ist die Partei stolz. Doch 8,84 Euro seien noch nicht ausreichend. Die Partei will ihn auf zwölf Euro anheben. Und sie will keine unbegründet befristeten Arbeitsverträge mehr, sondern sichere Jobs. Menschen würden mit Befristungen um ihre Grundrechte gebracht, sagt Wagenknecht auf der Wahlkampfveranstaltung in Berlin, und es sei schwierig, sich für eine Familie oder für ein Kind zu entscheiden.

Kommentare (7)

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Herr Tomas Maidan

22.09.2017, 17:54 Uhr

Die sieht echt gut aus. Was für ein Vergleich zu Beatrix von Storch.

Herr Peter Spiegel

22.09.2017, 18:00 Uhr

Herr Maidan, zum Sexismus neigen Sie also auch noch, wie fürchterlich für den Leser Ihrer Kommentare. Man kann nur noch empört sein.

Herr Tomas Maidan

22.09.2017, 19:25 Uhr

Wie? Sie als Trump-Fan verstehen nicht mal mehr Lockers-Room-Talk? Are you gay?

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