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18.07.2022

09:30

Bundeswehr

Reformbedarf im Heer: Welche Aufgaben Inspekteur Mais stemmen muss

Von: Martin Murphy, Frank Specht

PremiumDie Bundeswehr muss sich angesichts des Ukrainekriegs wieder stärker auf die Landesverteidigung konzentrieren. Auch in der Nato stehen neue Aufgaben an – mit viel Verantwortung im Osten.

Bundeswehr dpa

Grenadiere vor einem Transportpanzer Boxer

Die Bundeswehr wird künftig eine noch größere Rolle bei der Sicherung der Nato-Ostflanke spielen.

Berlin Unter Langeweile dürfte Heeres-Inspekteur Alfons Mais nicht leiden. Er muss nicht nur die lange vorrangig auf Auslandseinsätze getrimmten Landstreitkräfte wieder in die Lage versetzen, ihrer Kernaufgabe der Landesverteidigung nachzukommen. Auch die Zusagen der Bundesregierung an die Nato müssen erfüllt werden.

So will Deutschland sein Engagement bei der Sicherung der Ostflanke der Allianz ausbauen. Als Reaktion auf die russische Annexion der Krim zeigt die Nato dort eine „verstärkte vorgeschobene Präsenz“ (Enhanced Forward Presence).

Seit 2017 sind in den drei baltischen Staaten und in Polen multinationale Gefechtsverbände stationiert. Die Bundeswehr führt die sogenannte Battlegroup in Litauen an, die insgesamt rund 1000 Soldatinnen und Soldaten umfasst.

Dabei rotieren Personal und Ausrüstung regelmäßig, weil die Allianz zugesagt hatte, keine dauerhafte Stationierung substanzieller Kampftruppen in den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten anzustreben. In der Grundakte von 1997 regeln Russland und die Nato-Staaten die gegenseitigen Beziehungen, die Zusammenarbeit und die Sicherheit zwischen den Ländern.

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    Die Nato-Einheit soll nun auf Brigadestärke mit insgesamt 3000 bis 5000 Soldaten ausgebaut werden. Dafür müssen in Litauen erst zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten und Lager für Waffen und Ausrüstung geschaffen werden. Die Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ wird dabei den verstärkten Schutz des Nato-Partners Litauen übernehmen.

    Bundeswehr stellt Tausende Soldaten für schnelle Einsatztruppe

    Zusätzlich bereitet sich das Heer auf seinen Einsatz im Rahmen der schnellen Eingreiftruppe, der Nato Response Force (NRF), vor. Die multinationale Truppe umfasst derzeit bis zu 40.000 Soldatinnen und Soldaten und kann innerhalb kürzester Zeit verlegt werden, um militärische Operationen durchzuführen.

    Bis 2024 wird sich die Bundeswehr mit rund 16.800 Soldatinnen und Soldaten an der NRF beteiligen. Im kommenden Jahr stellt sie rund 5000 Soldatinnen und Soldaten sowie Führungspersonal für die sogenannte Very High Readiness Joint Task Force (VJTF).

    Die Truppen dieser „Speerspitze“ der Nato müssen innerhalb von 48 bis 72 Stunden bereit sein, in Einsatzgebiete verlegt zu werden. Die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ wird die multinationalen Landstreitkräfte der VJTF anführen.

    Die Allianz will ihre schnelle Eingreiftruppe auf 300.000 Soldatinnen und Soldaten aufstocken. IMAGO/ZUMA Wire

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg

    Die Allianz will ihre schnelle Eingreiftruppe auf 300.000 Soldatinnen und Soldaten aufstocken.

    Beim Nato-Gipfel Ende Juni hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg angekündigt, dass die schnelle Eingreiftruppe der Allianz auf 300.000 Frauen und Männer aufgestockt werden soll. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat zugesagt, dass Deutschland sich mit einer gepanzerten Division in der Größenordnung von 15.000 Soldatinnen und Soldaten sowie mit mehr als 60 Flugzeugen und bis zu 20 Marineeinheiten beteiligen werde.

    Stoltenberg hätte die Truppen gerne schon Ende 2023 zur Verfügung, in Berlin geht man eher von Ende 2024 aus. Und nebenbei laufen für die Bundeswehr auch noch die vom Bundestag mandatierten Auslandseinsätze wie der in Mali weiter, die ebenfalls Kräfte und Material binden.

    Divisionen müssen schnell einsatzfähig sein

    Das Heer, das mit rund 63.000 Soldatinnen und Soldaten gut ein Drittel der Truppe der Bundeswehr stellt, wird für die zu erfüllenden Aufgaben umstrukturiert. Zwischenziel ist eine einsatzbereite und voll ausgestattete Division bis zum Jahr 2025. Perspektivisch sollen in den nächsten zehn Jahren drei Heeresdivisionen aufgebaut werden.

    Angesichts der neuen Bedrohungslage durch Russland muss eine solche Division „kaltstartfähig“ sein, wie die Militärs sagen, also im Krisenfall etwa rasch zum Schutz der Nato-Ostflanke nach Litauen verlegt werden können. Das geht nur, wenn sie nicht nur über Soldaten und Waffen verfügt, sondern auch über die nötige Logistik, über Fernmelder oder eine Flugabwehr.

    Grafik

    Diese Kräfte sind in der gegenwärtigen Struktur über verschiedene Organisationsbereiche der Bundeswehr verteilt. Hier gelte es „feste Beziehungen zwischen Verbänden des Heeres und unterstützenden Anteilen der anderen militärischen Organisationsbereiche“ zu etablieren, „um die ,Kaltstartfähigkeit‘ zu verbessern und den Nato-Forderungen an die Reaktionsfähigkeit zu entsprechen“, schreibt das Verteidigungsministerium in seinem Anfang Juli veröffentlichten Sachstandsbericht zur Bestandsaufnahme, die Grundlage für die Bundeswehrreform sein soll.

    Dabei sind verschiedene Konstellationen denkbar – bis hin zur Rückkehr zur alten Struktur –, die unterstützenden Truppenteile wieder direkt dem Heer zu unterstellen. Dies hat Generalinspekteur Eberhard Zorn aber zumindest für den geplanten Aufbau der ersten Division bis 2025 ausgeschlossen.

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