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18.05.2021

09:08

Corona-Impfung

Spahn hebt Impf-Priorisierung ab 7. Juni auf – Entscheidung sorgt für Kritik

Von: Jürgen Klöckner

Gesundheitsminister Spahn will die Impfkampagne beschleunigen: Die Priorisierung bestimmter Gruppen für Impftermine soll bald nicht mehr gelten. Die Impfstoffe bleiben knapp.

Spahn wertete den bis dahin noch weiter geltenden Vorrang für Ältere, Kranke und Menschen in bestimmten Berufen als wichtig dpa

Jens Spahn

Spahn wertete den bis dahin noch weiter geltenden Vorrang für Ältere, Kranke und Menschen in bestimmten Berufen als wichtig

Berlin Beim Impfen soll es ab dem 7. Juni keine festgelegte Reihenfolge mehr geben. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag nach einer Konferenz mit den Ressortchefs der Bundesländer an.

Die seit dem Impfstart vor fünf Monaten eingeführten Vorranglisten nach Alter, Erkrankungen und Beruf sollten in Praxen, regionalen Impfzentren und bei Betriebsärzten wegfallen. So soll die Impfkampagne weiter Fahrt aufnehmen, sagte Spahn.

Die Entscheidung bedeutet nicht, dass sich nach dem Stichtag alle innerhalb weniger Tage impfen lassen können. Die Impfungen würden wegen der knappen Menge an verfügbaren Dosen bis weit in den Sommer hinein fortgesetzt, sagte Spahn.

Den Ländern bleibt darüber hinaus unbenommen, die Priorisierung aufrechtzuerhalten, heißt es in dem Beschluss, der dem Handelsblatt vorliegt. Ebenfalls ab 7. Juni werden Betriebs- und Privatärzte in die Impfungen einbezogen – von Beginn an ohne Priorisierung.

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    Einige Länder preschten bereits mit der Aufhebung der Reihenfolge vor, was teils für einen Ansturm auf die Arztpraxen sorgte. So dürfen sich in Berlin und Baden-Württemberg seit Montag die Menschen bereits ohne Eingruppierung impfen lassen.

    In Bayern soll die Priorisierung bei den Hausärzten im Laufe der Woche fallen. Brandenburg gab lediglich die Prioritätsgruppe 3 vollständig frei. Hessen will von Juni an die Registrierung für die Impfungen für alle Bürger öffnen. Frühere Impffreigaben in einzelnen Ländern sollen dem Bundesvorschlag zufolge bestehen bleiben können.

    Für Vakzine der Hersteller Astra-Zeneca und Johnson & Johnson ist die Priorisierung bereits seit Anfang Mai aufgehoben. Die Vakzine können aber in seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen haben und sind daher in der Regel bei Menschen ab 60 vorgesehen. Bei Jüngeren sind vorher ärztliche Aufklärung und eine individuelle Risikoanalyse vorgeschrieben.

    Debatte um Impfzentren

    Die Entscheidung sorgte allerdings auch für kritische Reaktionen. Die Chefin des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna, hatte gesagt, durch die Entscheidung gebe es nicht mehr Impfstoff, „sondern einfach noch mehr Menschen, die um ein knappes Gut konkurrieren.“ Wer besonders drängele komme dadurch möglicherweise früher zum Zug, als Menschen, die besonders geschützt werden müssen. Schon jetzt fühlten sich viele niedergelassene Ärzte „wie die letzte Mauer“ bei der Impfstoffvergabe.

    Laut dem Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses des Bundestags, Erwin Rüddel (CDU), könnten die Impfzentren mit dem Wegfall der Impfpriorisierung zurückgefahren werden. „Alles hat seine Zeit: Priorisierung und Impfzentrum war wichtig. Je mehr Menschen in den Arztpraxen geimpft werden können ohne Priorisierung, kann man die Impfzentren zurückfahren“, sagte er SWR Aktuell Rheinland-Pfalz.

    Coronavirus in Deutschland

    Bund und Länder heben Impfpriorisierung ab dem 7. Juni auf

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    „Wir brauchen sie, weil nicht jeder einen Hausarzt hat. Aber ich glaube, dass wir mehr Flexibilität und mehr Entscheidungsfreiheiten in den Impfzentren brauchen in Kombination mit den Praxen und den Betriebsärzten kriegen wir dann große Dynamik in den Prozess.“

    Der Deutsche Hausärzteverband sprach von einer großen Herausforderung für das Praxispersonal, das schon von Anfragen überrannt werde. „Bei allem Verständnis dafür, dass jede und jeder jetzt so schnell wie möglich dran kommen will, appelliere ich an die Patientinnen und Patienten: Habt Geduld!“, sagte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt der „Rheinischen Post“.

    Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte in der Zeitung, nicht ein Datum dürfe das Ende der ethischen Reihenfolge bei der Impfung bestimmen. Allein der Impffortschritt in den drei Prioritätsgruppen müsse der Maßstab dafür sein.

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