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02.10.2022

12:12

Corona-News

4,6 Millionen Impfstoffdosen abgelaufen – Lauterbach kritisiert Infektionsentwicklung durch Oktoberfest

Von: Tobias Döring

Bundesjustizminister Buschmann empfiehlt den Ländern, sich über RKI-Empfehlungen hinwegzusetzen +++ Mehr als 700 Neuinfektionen in China +++ Der Newsblog.



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    Anne Schwedt
    In Deutschland steigt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) die Zahl der bekannten Infektionen um 133.532 auf über 33,51 Millionen. Das sind 37.721 Fälle mehr als am Mittwoch vor einer Woche, als 95.811 gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 414,0. Das RKI verzeichnet 128 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Die bekannte Gesamtzahl liegt damit bei 150.192.
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    Leonie Tabea Natzel
    Der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Gerald Haug, sieht bei Long Covid noch erheblichen Forschungsbedarf. „Long Covid ist ein stark unterschätztes Problem mit bisher nur begrenzten Therapiemöglichkeiten“, sagte Haug der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Er selbst kenne betroffene „junge sportliche Menschen, die nicht mal mehr eine Stunde Energie am Tag haben“. „Die Ursachen und die unterschiedliche Symptomatik sind noch nicht vollständig verstanden.“

    Geschätzt mindestens 17 Millionen Menschen in Europa waren einer für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführten Analyse zufolge in den ersten beiden Jahren der Pandemie von Long-Covid-Symptomen betroffen. Die Untersuchung deute darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, an Long Covid zu erkranken, bei Frauen doppelt so hoch ist wie bei Männern. Außerdem steige das Long-Covid-Risiko nach einer schweren Corona-Infektion, zu deren Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich war, drastisch.

    Ein nach eigenen Angaben deutschlandweit einzigartiges Institut in Rostock will künftig zu einem besseren Umgang mit Corona-Spätfolgen beitragen. Initiatorin ist die Lungenfachärztin Jördis Frommhold, die deutschlandweit als Expertin für die Long-Covid-Erkrankung gilt und Präsidentin des neuen Ärzteverbandes Long Covid ist.
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    Anna Kipnis
    In London hat die systematische Aufarbeitung der britischen Corona-Politik begonnen. „Die Untersuchung wird beleuchten, wie wir auf die Pandemie vorbereitet waren und darauf reagiert haben“, sagte die Vorsitzende der zuständigen Kommission, Heather Hallett, bei der ersten Sitzung am Montag in London. Es solle geklärt werden, ob die hohe Zahl an Opfern vermeidbar gewesen sei. Nach offiziellen Angaben wurde in Großbritannien bislang bei mehr als 170.000 Gestorbenen Covid-19 auf dem Totenschein vermerkt.

    Bei der Untersuchung, die Angehörige von Corona-Toten bereits seit langem gefordert hatten, sollen zahlreiche Zeugen befragt werden und die Öffentlichkeit die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Der frühere Premierminister Boris Johnson, der für seinen anfänglich verharmlosenden Umgang mit der Pandemie stark in der Kritik stand, hatte die Untersuchung zunächst auf die lange Bank geschoben.

    Hallett versprach, dass sich die Aufarbeitung trotz des enormen Ausmaßes „nicht Jahrzehnte hinziehen“ solle. Ziel sei es, Empfehlungen auszusprechen, „bevor eine weitere Katastrophe das Vereinigte Königreich trifft“. Direkte rechtliche Folgen haben öffentliche Untersuchungen dieser Art in Großbritannien nicht.
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    Leonie Tabea Natzel
    Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat seine Coronainfektion überwunden und seine Isolation beendet. Der Kanzler sei freigetestet und nehme ab sofort seine Termine wieder wahr, teilte ein Regierungssprecher am Sonntag in Berlin mit. Er bestätigte damit Informationen der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. 

    Scholz war am vergangenen Montag positiv auf Corona getestet worden und hatte sich mit milden Erkältungssymptomen in der Kanzlerwohnung im Bundeskanzleramt in Isolation begeben. Er hatte erklärt, auf ärztlichen Rat hin das Medikament Paxlovid zu nehmen, das helfen könne, die Ausbreitung des Virus im Körper zu unterdrücken.
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    Tobias Döring
    Rund 4,6 Millionen Dosen des in Deutschland zentral gelagerten Corona-Impfstoffs sind Ende September abgelaufen. Sie hätten zum 29. September das Verfallsdatum erreicht, bestätigte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Zuvor hatte die „Welt am Sonntag“ berichtet. Unter den verfallenen Impfstoffen sind rund 3,9 Millionen Dosen von Moderna und rund 0,7 Millionen Dosen des später zugelassenen Vakzins von Novavax.

    Die oppositionelle Union kritisierte die Einkaufspolitik des Bundes. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) habe „bei der Impfstoffbestellung jedes Maß und Ziel verloren“, sagte der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger der „Welt am Sonntag“. Derzeit seien in den Bundes-Kühlschränken insgesamt 101 Millionen Impfstoffdosen eingelagert.

    Das Gesundheitsministerium argumentierte, dass Impfstoff weggeworfen werde, sei „logische Konsequenz aus dem Portfolio-Ansatz“. Dieser beinhalte, dass unterschiedliche Impfstoffe angeschafft würden, um allen Impfwilligen ein Angebot machen zu können.
    Impfung
    Impfung   Bild: AP
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    Tobias Döring
    Chinas Nationale Gesundheitskommission meldet 719 neue Corona-Fälle. Davon seien 179 Erkrankungen symptomatisch und 540 ohne Symptome. Neue Todesfälle gab es keine. Gestern waren insgesamt 820 Neuinfektionen gemeldet worden.
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    Tobias Döring
    Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Länder aufgefordert, mit dem Erlass einer Maskenpflicht für Innenräume nicht zu lange zu warten. Er verbreitete auf Twitter eine Nachricht weiter, in der eine Grafik den starken Anstieg der Corona-Zahlen in Bayern und besonders München seit dem Beginn des Oktoberfests zeigt.


    In Bayern ist die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche um 86 Prozent auf 655 am Freitagmorgen gestiegen, in München um fast 200 Prozent auf 793. Bundesweit lag sie am Samstagmorgen bei 497. Experten gehen davon aus, dass die wirklichen Zahlen zwei- bis dreimal so hoch sind, weil viele Infizierte keinen PCR-Test mehr machen und somit nicht erfasst werden. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen im Zusammenhang mit Corona binnen einer Woche stieg in Bayern um 71 Prozent auf 1469.

    Bundesweit einheitlich gibt es eine FFP2-Maskenpflicht nur in Fernzügen und Fernbussen, Pflegeheimen, Kliniken und Arztpraxen. Über den Regionalverkehr entscheiden die Bundesländer – ihre Gesundheitsminister halten dort aber an der Maskenpflicht fest. Mit der seit Samstag geltenden Neuregelung können die Länder in Eigenregie noch schärfere Maßnahmen verordnen, etwa Maskenpflichten in Geschäften und Restaurants.
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    Leonie Tabea Natzel
    Bundesjustizminister Marco Buschmann hat den Ländern empfohlen, sich in der Corona-Pandemie gegebenenfalls über die Isolationsempfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) hinwegzusetzen. „Das können die Länder in eigenem Ermessen entscheiden. Vom RKI gibt es lediglich eine Empfehlung“, sagte der FDP-Politiker der „Bild am Sonntag“. „Wenn ein Bundesland der Überzeugung ist, dass es vertretbar ist, Isolationspflichten aufzuheben, kann es das tun. Daher kann ich diesen Landesregierungen nur zurufen: Geht doch voran, ihr habt alle Möglichkeiten!“

    Das RKI empfiehlt den Ländern, für Infizierte fünf Tage Isolation anzuordnen. Angeraten wird eine dringende Empfehlung, die Selbstisolation danach erst dann zu beenden, wenn ein (Selbst-)Test negativ ausfällt. Beschäftigte des Gesundheits- und Pflegewesens sollen zudem 48 Stunden vor der Testabnahme symptomfrei gewesen sein.

    Buschmann stellte auch ein Ende aller Corona-Maßnahmen für das nächste Frühjahr in Aussicht: „Wenn die Lage in den Krankenhäusern diesen Winter stabil bleibt, gehört Corona ab dem Frühjahr mit großer Wahrscheinlichkeit zum allgemeinen Lebensrisiko und die letzten Maßnahmen könnten auslaufen“, sagte er.
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    Maximilian Kisters
    Ein nach eigenen Angaben deutschlandweit einzigartiges Institut in Rostock will künftig zu einem besseren Umgang mit Corona-Spätfolgen beitragen. Gerade bei Long Covid sei es besonders wichtig, dass es eine Stelle gebe, an der die Informationen zusammenliefen, sagte die Initiatorin und Lungenfachärztin Jördis Frommhold anlässlich des am Samstag stattfindenden Eröffnungssymposiums der Deutschen Presse-Agentur.

    „Wir haben es ja mit einem sehr diffusen Krankheitsbild zu tun, mit unterschiedlichsten Symptomen, bis zu 200 verschiedene.“ Das private Institut will Betroffene und Kliniken bei der Behandlung beraten, aber auch Unternehmen mit Blick auf Gesundheitsmanagemet. Von Long Covid seien nach Schätzungen in Europa 17 Millionen und in Deutschland 3 Millionen Menschen betroffen, sagte Frommhold. Long Covid könne unbehandelt zur Erwerbsunfähigkeit führen. „Das können wir uns als Gesellschaft schlicht und einfach nicht leisten“, betonte Frommhold.

    Das Institut werde mit Krankenhäusern kooperieren, etwa dem Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg. Laut dessen Kommandeur Thomas Harbaum, braucht es ein Long-Covid-Expertennetzwerk, in dessen Mittelpunkt das Institut stehe. Wirtschaft und Wissenschaft hätten dringenden Bedarf, sagte er angesichts der drohenden Schäden, die durch die teils monatelangen Erkrankungen ausgelöst werden können.

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    Sarah Sendner
    In Deutschland steigt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) die Zahl der bekannten Infektionen um 73.856 auf über 33,38 Millionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 497 von 466 am Vortag. Das RKI meldet 116 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Die bekannte Gesamtzahl liegt damit bei 150.064.
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    Sarah Sendner
    In Fernzügen und auch Fernbussen wie etwa Flixbus müssen Fahrgäste seit diesem Samstag FFP2-Masken tragen. Mit dem Monatswechsel sind die entsprechenden neuen Corona-Vorgaben in Kraft getreten. In den Fernzügen der Bahn reichte bisher auch eine OP-Maske, eine FFP2-Maske wurde nur empfohlen. Auch bei Flixbus genügte nach Angaben einer Sprecherin bisher eine medizinische Maske.

    Im Regionalverkehr entscheiden die Bundesländer selbst. Deren Gesundheitsminister hatten sich aber dafür ausgesprochen, an der geltenden Maskenpflicht in Bussen und Bahnen festzuhalten. In Flugzeugen fällt die Maske dagegen ab jetzt weg.
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    Timm Seckel
    Die Pressekonferenz ist nun beendet.

    Lesen Sie hier die Zusammenfassung zu den wichtigsten Aussagen:
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    Leonard Frick
    Lauterbach sieht Deutschland für Herbstwelle gut vorbereitet
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    Anja Holtschneider
    Bundeskanzler Olaf Scholz ist nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Hebestreit zum zweiten Mal negativ auf das Coronavirus getestet worden. Die Isolation des Kanzlers nach seiner Infektion könne damit frühestens am Samstag enden, sagt Hebestreit in Berlin. Voraussetzung dafür sei ein negativer PCR-Test.
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    Timm Seckel
    Hier gibt es die Pressekonferenz zum Nachschauen: 
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    Timm Seckel
    Auf die Frage, ob ihm seine Rolle des Warners gefalle, antwortet Lauterbach: „Nein, ich waren nicht gerne, ich überbringe gerne frohe Botschaften. Und die frohe Botschaft lautet: Wir sind auf den Winter gut vorbereitet.
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    Timm Seckel
    „Wir haben bisher immer eine breite Unterstützung aller Schutzmaßnahmen gehabt, das wird auch jetzt wieder der Fall sein“, ist sich Lauterbach sicher. Eine Rezession falle noch stärker aus, wenn durch viele Corona-Infektionen Beschäftigte ausfallen. Die Corona-Krise solle die Gas-Krise nicht noch verschlimmern. „Das können wir vermeiden“, so Lauterbach.
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    Timm Seckel
    Lauterbach geht davon aus, dass in Deutschland etwa drei Mal so viele Menschen infiziert sind, wie in der RKI-Statistik ausgewiesen. Aktuell würde das bis zu 400.000 Neuinfektionen pro Tag bedeuten. Das liege vor allem daran, dass viele Menschen sich bei einer Infektion nicht mehr mit einem PCR-Test untersuchen lassen – nur positive PCR-Testergebnisse fließen in die Statistik ein. RKI-Chef Wieler schließt sich der Einschätzung ein.
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    Timm Seckel
    „Ich bekomme ja ständig Tipps aus den Ländern“, witzelt Lauterbach und kritisiert mehrere unionsgeführte Länder für die Forderung, die Isolationspflicht abzuschaffen. Er wolle den Ländern keine Ratschläge dazu geben, welche Maßnahmen wann zu treffen seien. 

    Es seien über das Infektionsschutzgesetz alle Möglichkeiten gegeben, auf die Lage in den einzelnen Länder einzugehen. „Das ist vor allem auch im Interesse der Länder“, fordert Lauterbach diese zum Handeln auf.
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    Timm Seckel
    Die einrichtungsbezogene Impfpflicht muss nach Meinung des Gesundheitsministers beibehalten werden, weil die Zahl schwerer Verläufe in Pflegeheimen und Krankenhäusern zunehmen werden. Gerade dort sollten Risikopatienten weiter geschützt werden. Viele Einrichtungen hätten die gesetzliche Pflicht vollständig umgesetzt.

    Auch die Isolationspflicht hält Lauterbach weiter für sinnvoll: „Ich sehe keinen Sinn daran, das Infektionsgeschehen nun noch zu befeuern.“
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    Timm Seckel
    RKI-Chef Wieler spricht von einem besonders starken Anstieg der Atemwegsinfektionen mit Beginn der kühleren Jahreszeit. Aktuell suchten deutlich mehr Menschen als in vergangenen Jahren eine Arztpraxis auf, um sich wegen Rhino-Viren und anderen Viren behandeln zu lassen.

    Noch gebe es bei Corona-Infektionen noch keinen deutlichen Anstieg der Krankenhauseinweisungen. Dennoch sollte das Virus weiterhin ernsthaft eingedämmt werden, so Wieler. Gerade Risikogruppen seien besonders von schweren Verläufen betroffen. „Wir sollten uns weiterhin bewusst sein, welches Risiko wir vermeiden können.“
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    Timm Seckel
    Die Länder müssten den richtigen Zeitpunkt für zusätzliche Schutzmaßnahmen abpassen, so Lauterbach. Werde die Welle nicht gestoppt, könne es bald zu Ausfällen in der kritischen Infrastruktur kommen. Wenn es weniger gesundes Krankenhauspersonal und mehr Infizierte gebe, dann „brennt die Kerze von beiden Seiten ab.“
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    Timm Seckel
    Lauterbach kündigt Maßnahmen gegen die Winter-Welle an:

    Eine Impfkampagne mit den an die aktuellen Varianten angepassten Impfstoffen soll anlaufen, dafür stehe derzeit genug Impfstoff zur Verfügung. Nur 25 Prozent der Über-60-Jährigen habe bereits eine vierte Impfung bekommen. Das sei zu wenig. Auch die medikamentöse Therapie von Infizierten mit dem Medikament Paxlovid soll ausgebaut werden.

    Zudem sollen in einem „Pandemie-Radar“ Praxis-Daten und Abwasserauswertungen ein detaillierteres Lagebild schaffen, so der Gesundheitsminister.
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    Timm Seckel
    In Berlin sind Bundesgesundheitsminister Lauterbach und RKI-Chef Wieler jetzt vor die Presse getreten. Sie sprechen über die aktuelle Corona-Lage.

    „Es gibt momentan genug Krisen. Aber wir befinden uns ganz klar am Beginn einer Herbst- und Winter-Welle“, sagt Karl Lauterbach zu Beginn. Das gelte nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt. Der R-Wert liege bereits bei etwa 1,4. Eine infizierte Person steckt also mehr als eine Person an.
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    Marc Renner
    Zum 1. Oktober tritt eine neue Corona-Arbeitsschutzverordnung in Kraft, weil die Regierung im Herbst und Winter mit steigenden Infektionszahlen rechnet. Was das für Unternehmen bedeutet, lesen Sie hier:
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    Timm Seckel
    Wegen des Verdachts auf Erstellung falscher Gesundheitszeugnisse in der Corona-Pandemie hat die Polizei 84 Objekte in mehreren Bundesländern durchsucht. Insgesamt 225 Beamte seien an der Aktion am Donnerstag in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg beteiligt gewesen, teilte die Polizei in Dresden am Freitagmorgen mit.

    Die Anfangsermittlungen der Staatsanwaltschaft Dresden richten sich laut Polizei gegen eine Ärztin aus Sachsen. Sie stehe im Verdacht, „unrichtige Gesundheitszeugnisse“ im Zusammenhang mit dem Coronavirus ausgestellt zu haben. In ausgestellten Gefälligkeitsattesten seien unter anderem Unverträglichkeiten beim Tragen einer medizinischen Maske oder ein unbegrenztes Impfverbot bescheinigt worden. Für die Atteste soll die Ärztin Geld verlangt und damit etwa 60.000 Euro eingenommen haben. Die Durchsuchung der Wohn- und Geschäftsräume der Beschuldigten erfolgte demnach bereits im März 2022, die Auswertung dauere an.

    Die neuerlichen Durchsuchungen richten sich laut Mitteilung gegen Unterstützer der Ärztin oder Menschen, die das Angebot in Anspruch genommen hätten. Ermittelt wird in dem Zusammenhang auch gegen vier Bedienstete der Polizei Sachsen, die sich mutmaßlich unrichtige Atteste ausstellen ließen. Bei den Durchsuchungen am Donnerstag wurden insgesamt 317 mutmaßlich unrichtige Atteste sichergestellt.
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    Leonie Tabea Natzel
    Seniorenvertreter und Patientenschützer haben die ab 1. Oktober geltenden FFP2-Maskenregeln für Pflegeheimbewohner kritisiert. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei „absurd“, pflegebedürftigen Menschen einen Mund-Nasen-Schutz zu verpassen und das politisch als Pandemieschutz zu verkaufen. „Statt Maskenpflicht für alle im Pflegeheim braucht es ein tägliches, kostenloses Testregime für Mitarbeiter und Besucher.“

    „Für Menschen in Pflegeheimen bedeutet die FFP2-Maskenpflicht einen erheblichen Einschnitt in ihre Lebensqualität“, sagte die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (Bagso), Regina Görner der dpa. „Das Pflegeheim ist ihr Zuhause, in dem sie sich dann nicht mehr ohne Maske frei bewegen können.“

    Die von Bund und Ländern beschlossenen neuen Corona-Regeln ab 1. Oktober sehen vor, dass in Kliniken und auch Pflegeeinrichtungen grundsätzlich FFP2-Masken getragen werden müssen. „In den für ihren dauerhaften Aufenthalt bestimmten Räumlichkeiten“ müssen die Bewohner dies laut Infektionsschutzgesetz nicht tun. Nach Ansicht der Seniorenvertreter und der Stiftung Patientenschutz bedeutet das, dass sie die Maske nur in ihrem Zimmer ablegen dürfen.

    Wege etwa zum Essensraum oder eine Teilnahme an Freizeit- und Beschäftigungsangeboten seien nur mit Mund-Nasen-Bedeckung möglich, kritisiert die Bagso. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum solche drastischen Eingriffe trotz eines hohen Schutzniveaus in der stationären Pflege durch regelmäßige Testungen und hohe Impfquoten sowie verbesserten medizinischen Versorgungsmöglichkeiten erfolgen sollen.“ Görner rief die Gesundheitsminister der Länder dazu auf, alle Möglichkeiten zu nutzen, um eine Maskenpflicht für die Bewohner von Pflegeeinrichtungen zu verhindern.
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    Leonie Tabea Natzel
    In Deutschland steigt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) die Zahl der bekannten Infektionen um 96.367 auf über 33,31 Millionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 466,0 von 409,6 am Vortag. Im Vergleich zur Vorwoche (294,7) ist das eine Zunahme um rund 58 Prozent.

    Das RKI meldet 140 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Die bekannte Gesamtzahl liegt damit bei 149.948.
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    Marc Renner
    Infografik: Corona treibt Einsamkeitsrate in die Höhe | Statista
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    Leonard Frick
    Atemwegsinfektionen wie Covid-19 breiten sich nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) in Deutschland derzeit zunehmend aus. „Der Infektionsdruck nimmt jetzt im Herbst in allen Altersgruppen der Allgemeinbevölkerung wieder deutlich zu“, bilanziert das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Covid-19-Wochenbericht vom Donnerstagabend. Darin werden verschiedene Datenquellen ausgewertet und Schätzungen angestellt.

    Neben Sars-CoV-2 gehören demnach derzeit Rhinoviren zu den vorherrschenden Viren, die zu Besuchen etwa bei Hausärzten führen. Bei schwer verlaufenden Erkrankungen der Atemwege – gemeint sind Krankenhausbehandlungen –, sei aber noch kein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, hält das RKI mit Blick auf die vergangene Woche fest. Aufgrund der Jahreszeit muss laut Bericht auch in der nächsten Zeit mit einer weiteren Zunahme solcher Erkrankungen gerechnet werden. Das größte Risiko dabei hätten ältere Menschen.

    Weil sich Menschen im Herbst wieder vermehrt drinnen aufhalten, erinnert das RKI: „Regelmäßiges richtiges Lüften (Stoßlüften) mit hohem Luftaustausch und geringem Wärmeverlust“ sei sehr wichtig, um das Risiko von Ansteckungen zu verringern. Hintergrund ist, dass man sich in geschlossenen Räumen leichter durch Tröpfchen, die Kranke etwa beim Niesen oder Husten ausstoßen, anstecken kann. Generell mahnte das RKI, zum Schutz gefährdeter Gruppen die Empfehlungen zum Vermeiden von Infektionen weiterhin einzuhalten. Dazu zählt auch, mit Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen für einige Tage bis zu einer deutlichen Besserung zu Hause zu bleiben und Kontakte zu meiden.
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