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05.06.2021

08:02

Ab dem 7. Juni sollen auch Betriebs- und Privatärzte regulär mitimpfen. dpa

Ein Arzt impft einen Patienten

Ab dem 7. Juni sollen auch Betriebs- und Privatärzte regulär mitimpfen.

Corona-Pandemie

Am Montag fällt die Impfreihenfolge – Was jetzt zu beachten ist

Von: Jürgen Klöckner, Dennis Schwarz, Michael Scheppe

Ab dem 7. Juni können sich alle Menschen in Deutschland um einen Corona-Impftermin bemühen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Aufhebung der Priorisierung.

Berlin

Ab dem 7. Juni sollen auch Betriebs- und Privatärzte regulär mitimpfen. dpa

Ein Arzt impft einen Patienten

Ab dem 7. Juni sollen auch Betriebs- und Privatärzte regulär mitimpfen.

Die deutsche Impfkampagne startet in eine neue Phase: Ab Montag können sich alle Bürger um einen Piks bemühen. Auch Kinder ab zwölf Jahren dürfen sich dann impfen lassen. Von der Aufhebung der Impfreihenfolge erhofft sich die Bundesregierung Tempo: Bis zum Ende des Sommers soll jeder in der Bundesrepublik ein Angebot erhalten haben.

Allerdings fehlt es momentan noch an Impfstoff, um alle Bürger zu immunisieren. Wann sich die Lage entspannt, welche Rolle Betriebsärzte spielen – und wie viel Impfstoff tatsächlich verfügbar ist: ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

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    In Deutschland kann sich ab dem 7. Juni jeder ab zwölf Jahren gegen das Coronavirus impfen lassen. Bislang wurden die Termine nach Priorisierungsgruppen vergeben – und Menschen mit besonderem Risiko wie einem hohen Alter, Vorerkrankungen oder bestimmten Berufen zuerst geimpft. Dies ändert sich nun.

    Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte in der vergangenen Woche den Entschluss. „Die Impfbereitschaft liegt in keiner Altersgruppe bei 100 Prozent. Wir können nicht immer warten, bis die 100 Prozent in jeder Altersgruppe erreicht sind“, sagte der Minister.

    Nach der Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (Ema) erteilte die EU-Kommission vergangene Woche offiziell auch die Zulassung für die Impfung von Kindern ab zwölf Jahren mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer. Daraufhin einigten sich auch Bund und Länder, diese Altersgruppe ebenfalls in die Impfkampagne mit einzubeziehen. Die Impfung bleibe aber eine individuelle Entscheidung der Kinder und Jugendlichen, ihrer Eltern und Ärzte.

    Eine Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko), ob sie eine Impfung für Kinder generell empfiehlt, gibt es bislang nicht. Das könnte auch erst mal so bleiben. „Es ist keine generelle Empfehlung der Stiko für alle gesunden Kinder zu erwarten“, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens am Freitag im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF.

    Für eine Impfempfehlung bei allen gesunden Kindern würden die Daten bei Weitem nicht ausreichen, so Mertens. Bisher ist der Biontech-Impfstoff ab 16 Jahren freigegeben.

    Wie viel Impfstoff ist verfügbar?

    Im Juni werden in Deutschland voraussichtlich noch mehr als 23 Millionen Impfdosen ausgeliefert. Bislang sind auf der Website des Gesundheitsministeriums aber nur die wochenweisen Lieferpläne für die Impfstoffe von Biontech und Moderna angegeben. Demnach werden vom 7. Juni bis 4. Juli etwa 20,5 Millionen Biontech-Dosen und knapp 2,4 Millionen Moderna-Dosen erwartet. Astra-Zeneca und Johnson & Johnson kündigen ihre Lieferungen nur kurzfristig an, für die Woche vom 7. bis 13. Juni werden 240.000 Impfdosen von Johnson & Johnson erwartet.

    Gesundheitsminister Spahn schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, dass er allein für Juni bis zu 25 Millionen weitere Impfungen erwarte.

    Insgesamt wurden bis zum 30. Mai 55,5 Millionen Impfstoffdosen von Biontech, Astra-Zeneca, Moderna und Johnson & Johnson an die Bundesländer ausgeliefert.

    Wann kann ich mit einem Termin rechnen?

    Die Aufhebung der Impfreihenfolge bedeutet nicht, dass nun jeder sofort einen Termin erhält. Die Verfügbarkeit ist in den Bundesländern unterschiedlich groß: So kündigte beispielsweise das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium an, dass in den Impfzentren bis mindestens Mitte Juni 2021 keine Termine für Erstimpfungen zur Verfügung stehen werden.

    In Deutschland ist rund jeder zweite Erwachsene mindestens einmal gegen Corona geimpft. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Freitag haben 37,8 Millionen Menschen (45,4 Prozent) in Deutschland mindestens eine Erstimpfung und 17,2 Millionen (20,7 Prozent) den vollen Impfschutz. 

    Gesundheitsminister Spahn erwartet nach jetzigem Stand, bis Mitte Juli 80 bis 90 Prozent der impfwilligen Erwachsenen ein Impfangebot machen zu können. Allen Zwölf- bis 18-Jährigen will Spahn bis spätestens Ende August ein Impfangebot machen.

    Wo kann ich mich impfen lassen?

    Aktuell beteiligen sich nach Angaben Spahns rund 70.000 Arztpraxen an den Corona-Impfungen. Zudem werden in mehreren Hundert Impfzentren Corona-Vakzine gespritzt. Vom 7. Juni an impfen auch niedergelassene Privatärzte mit sowie die Betriebsärzte.

    Die Impfkampagne in den Unternehmen wird allerdings nur schleppend anlaufen. In der ersten Woche sollen die Betriebsärzte insgesamt 702.000 Dosen bekommen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Weil rund 6000 Betriebsärzte für kommende Woche Impfstoff geordert haben, kann jeder Mediziner nur mit 102 Dosen rechnen. Vor zwei Wochen war der Arbeitgeberverband BDA noch davon ausgegangen, dass jeder Arzt bis zu 804 Impfdosen bekommt.

    Zum Start der Hausarztkampagne Anfang April hatten bundesweit 35.000 Hausärzte mit Impfungen gegen Covid-19 losgelegt. In der ersten Woche erhielten alle Praxen zusammen 940.000 Impfdosen. Das waren rein rechnerisch gut 26 Dosen pro Praxis.

    Anette Wahl-Wachendorf vom Verband der Betriebsärzte geht allerdings davon aus, dass die tatsächliche Lieferung noch geringer ausfallen wird: „Erste Kollegen haben mir zurückgemeldet, dass sie weniger als 102 Dosen erwarten.“ Wie viel am Ende ankommt, können die Firmen erst am Montag sagen, dann sollen die Impfstoffe an die Werkstore geliefert werden.

    Über die geringen Liefermengen zeigt sich die Verbandsvertreterin enttäuscht: „Das ist so wenig Impfstoff, dass das Frustpotenzial bei den Unternehmen groß sein wird.“ Dabei ruhten die Hoffnungen für eine Beschleunigung der Impfkampagne gerade auf den Betriebsärzten; denn die 12.000 Werksdoktoren haben direkten Zugang zu 45 Millionen Beschäftigten. Weiterhin braucht es in den Firmen aber vor allem eines: Geduld.

    Wie komme ich an eine Impfung?

    Für Impfwillige gibt es mehrere Möglichkeiten, sich um ein Angebot zu bemühen: Sie können sich an ihren Hausarzt oder Facharzt wenden, landen dort aber voraussichtlich auf einer Warteliste. Auf den Impfportalen der Bundesländer oder über die Bundeshotline 116 117 ist es möglich, an einen Termin im Impfzentrum zu kommen. Viele Bürger können auch eine Impfung durch den Betriebsarzt in Anspruch nehmen.

    Werden Risikopatienten nun benachteiligt?

    Ab Montag heißt es: Jeder und jede kann sich um einen Impftermin bemühen. Allerdings: „Auch nach der Aufhebung der Impfpriorisierung stellen die Länder sicher, dass etwaige Nachzügler aus den Priorisierungsgruppen möglichst kurzfristig ein Impfangebot erhalten können“, heißt es vom Gesundheitsministerium.

    Die Länder könnten ebenfalls entscheiden, die Priorisierung in Impfzentren aufrechtzuerhalten. Somit sollen Menschen mit besonderem Risiko wie hohem Alter und Vorerkrankungen sowie mit bestimmten Berufen auch weiter vorrangig an die Reihe kommen.

    Mit Agenturmaterial.

    Mehr: Startschuss für Impfstoff-Reserve: Wie sich Deutschland für die nächste Pandemie wappnet

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