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01.07.2022

15:31

Corona

Studie: Politik konnte in der Pandemie noch mehr Ungleichheit am Arbeitsmarkt verhindern

Von: Frank Specht

In der aktuellen Pandemie konnte die Regierung größere Härten einer Bertelsmann-Studie nach abfedern. Mit Blick auf künftige Krisen bestehe aber Nachholbedarf.

Corona-Maßnahmen dpa

Geschlossener Biergarten

Besonders Menschen mit unterem Einkommen waren von Maßnahmen wie der Kurzarbeit betroffen.

Berlin Der deutsche Arbeitsmarkt ist vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen, auch dank Kurzarbeit und Homeoffice. Doch hat sich die Pandemie unterschiedlich auf einzelne Beschäftigtengruppen ausgewirkt, wie eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der OECD zeigt. So mussten Beschäftigte aus Haushalten mit niedrigen Einkommen öfter und für längere Zeit in Kurzarbeit gehen als die Wohlhabenderen.

Auch konnten sie weniger im Homeoffice arbeiten und wurden häufiger arbeitslos – vor allem, weil es in der unteren Einkommensgruppe viele Minijobber gibt, die keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld I haben.

Da, wo Unterstützungsleistungen wie das Kurzarbeitergeld wirkten, halfen sie durchaus zielgerichtet. So hatten Beschäftigte mit unteren und mittleren Haushaltsnettoeinkommen rund ein Jahr nach Beginn der Pandemie durchschnittlich sogar fünf Prozent mehr Geld zur Verfügung als im Jahr vor Corona. Wohlhabendere Haushalte, die vor der Pandemie mehr als 200 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hatten, mussten Einbußen von 16 Prozent hinnehmen. Hier waren vor allem Selbstständige betroffen.

Für ihre Studie haben die Forscher auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zurückgegriffen, einer regelmäßig vom DIW durchgeführten Haushaltsbefragung. Für die Sonderauswertung wurden rund 6000 Beschäftigte von April bis Juni 2020 und dann erneut im Januar und Februar 2021 befragt.

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    Die Forscher stellten fest, dass Frauen in der Krise etwas häufiger von Arbeitsplatzverlusten betroffen waren als Männer. Das dürfte damit zu tun haben, dass es deutlich mehr weibliche Minijobber gibt als männliche. Frauen waren aber auch weniger im Homeoffice als ihre männlichen Kollegen. Arbeiteten Anfang 2021 rund 36 Prozent der Männer zumindest teilweise von zu Hause, waren es bei den Frauen nur 30 Prozent. Hier spielt eine Rolle, dass Frauen überdurchschnittlich häufig in Präsenzberufen etwa in Handel, Erziehung und Pflege arbeiten.

    Grafik

    Die Chance auf Homeoffice wächst zudem mit dem Einkommen. Besserverdiener hatten im ersten Pandemiejahr deutlich häufiger die Chance, von zu Hause zu arbeiten, als Beschäftigte aus der mittleren oder unteren Einkommensschicht. Dies führen die Forscher darauf zurück, dass höher entlohnte Tätigkeiten oft mit Führungsaufgaben einhergehen und Beschäftigte in diesen Positionen auch vor Corona schon mobil arbeiten konnten.

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    Die Pandemie habe vor allem jene Beschäftigtengruppen getroffen, die auch jenseits von Krisenzeiten häufig das Nachsehen hätten, bilanzieren die Forscher: Teilzeitkräfte, Minijobber, Menschen mit niedrigem Bildungsgrad und Verdienst sowie Frauen. Dank der schnellen Reaktion der Politik sei es aber gelungen, größere Härten abzufedern und eine wachsende Ungleichheit am Arbeitsmarkt zu verhindern.

    Um für künftige Krisen besser gewappnet zu sein, empfiehlt die Bertelsmann-Stiftung, Minijobs, die keine soziale Absicherung bieten, weitestgehend abzuschaffen und auf Schüler, Studierende und Rentner zu beschränken, die sich etwas hinzuverdienen wollen. Die Ampelkoalition schlägt hier allerdings mit der Erhöhung der Minijob-Grenze genau den gegenteiligen Weg ein.

    Außerdem müsse die Politik sozialversicherungspflichtige Jobs vor allem für Frauen attraktiver machen, etwa durch eine Entlastung bei den Sozialbeiträgen oder eine Reform des Ehegattensplittings, und Selbstständige besser absichern. Schließlich sei ein Ausbau der digitalen Infrastruktur erforderlich, um das Homeoffice-Potenzial vor allem im ländlichen Raum noch besser ausschöpfen zu können.

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